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NFL

Green Bay Packers am Scheideweg: Neuer Anlauf mit Aaron Rodgers oder doch ein Neuanfang?

Von Alex Weber
Aaron Rodgers Zukunft bei den Packers ist ungewiss.

Die Green Bay Packers stehen in dieser Offseason gleich vor mehreren Fragezeichen: Wie wollen sie die Abgänge der Assistant Coaches kompensieren, die Green Bay verlassen haben? Wie soll die schlechte Cap-Space-Situation manövriert werden und kann man wichtige Free Agents wie Davante Adams überhaupt halten? Und dann ist da noch die Frage, die über allem steht: Wie sieht die Zukunft von Aaron Rodgers aus?

In der Divisional Round der Playoffs stand es Ende des letzten Viertels 10:10-Unentschieden, Green Bay hatte den Ball mit etwas mehr als drei Minuten Restspielzeit in der eigenen Hälfte. Bei 3rd and 11 versuchte Aaron Rodgers dann einen tiefen Pass auf seine Lieblings-Anspielstation Davante Adams, obwohl der von zwei Männern gedeckt war. Der Pass flog an Adams vorbei und Green Bay musste punten. Bitter, weil Allen Lazard in der Mitte des Feldes komplett frei gewesen und der Drive bei einem Anspiel auf ihn weitergegangen wäre.

Rodgers sollte den Ball im Anschluss nicht noch einmal in die Hände bekommen und durch ein Field Goal von Robbie Gould bei auslaufender Uhr war das Schicksal der Packers besiegelt. Green Bay schied aus dem Rennen um den Super Bowl aus und die Fragen über die Zukunft von Rodgers sollten bereits auf der Pressekonferenz nach dem Spiel neue Fahrt aufnehmen.

"Ich dachte nicht, dass wir nach diesem Spiel darüber reden würden", erklärte der Quarterback im Anschluss an die Partie. "Ich werde mir die Zeit nehmen, die ich brauche und dann eine Entscheidung treffen. Eigentlich hatte ich gehofft, mich nächste Woche auf das NFC Championship Game vorzubereiten, deshalb habe ich den Moment noch gar nicht richtig sacken lassen können."

Rodgers äußerte sich zudem zu der Zukunft der Franchise, die in der kommenden Offseason gleich vor mehreren Fragezeichen steht. "Ich denke das Team wird in Zukunft definitiv anders aussehen. Green Bay wird viele Entscheidungen treffen müssen. Es wird interessant sein zu beobachten, wie das Ganze in Zukunft aussehen wird."

Packers: Wie wird sich der Coaching Staff verändern?

Die erste Baustelle, um die sich Head Coach Matt LaFleur kümmern musste, war sein Coaching Staff. Mit Nathaniel Hackett, der neuer Head Coach bei den Denver Broncos wurde, verlor man nicht nur den Offensive Coordinator, sondern auch einen engen Vertrauten von Rodgers. Außerdem nahm Hackett auch Tight Ends Coach Justin Outten mit nach Denver und Luke Getsy, der bisher als Quarterbacks Coach und Passing Game Coordinator fungierte, wurde neuer Offensive Coordinator bei den Chicago Bears.

LaFleur setzte bei der Vergabe der freigewordenen Stellen hauptsächlich auf interne Lösungen und beförderte Coaches innerhalb seines Stabs. Als QB-Coach wurde zudem Tom Clements geholt, der von 2006 bis 2014 bereits bei den Packers in der gleichen Rolle und später als Offensive Coordinator tätig war. Das Play Calling wird auch nächste Saison von LaFleur übernommen werden, trotzdem wird es bei so vielen Veränderungen wohl zumindest eine kleine Lernkurve geben - egal ob Rodgers bleibt oder nicht.

So gut Offense und Defense bei den Packers über weite Strecken der Saison funktioniert hatten, bei den Special Teams war Green Bay eines der schlechtesten Teams der Liga. So hatte man beim entscheidenden Field Goal gegen die Niners nur zehn Spieler auf dem Feld und der einzige Touchdown der Niners ging auch auf die Kappe des Special Teams.

Der bisherige Special Teams Coordinator Maurice Drayton wurde gut zwei Wochen später folgerichtig entlassen. Als sein Nachfolger soll nun Rich Bisaccia folgen, der laut Adam Schefter vom NFL Network den Posten übernehmen wird. Bisaccias Unterschrift könnte man durchaus als Coup für Green Bay bezeichnen. Der 61-Jährige arbeitet seit 2002 als Special Teams Coordinator in der NFL und bringt Erfahrung und Führungsqualitäten mit.

Green Bay Packers: Wie geht man in die Free Agency?

Die Coaching-Situation scheint für den Moment geklärt zu sein, die viel größere Baustelle ist aber ohnehin die mehr als schlechte Salary-Cap-Situation in Wisconsin. Die Packers liegen derzeit rund 50 Millionen Dollar über der Cap für 2022, sodass auf General Manager Brian Gutekunst noch einige schwierige Entscheidungen zukommen.

Es wird wohl kein Weg daran vorbei führen, mehrere Verträge umzustrukturieren und die Cap Hits dabei weiter in die Zukunft zu schieben. Außerdem könnten auch ein paar kostspielige Veterans entlassen werden, um zusätzlich Cap Space zu generieren.

Outside Linebacker Za'Darius Smith könnte hier ein Kandidat sein, den es trifft. Gemessen an seinem Talent würde Green Bay ihn wohl gerne halten (26 Sacks und 5 Forced Fumbles in 36 Spielen für die Packers), die Realität ist aber, dass er am Ende schlichtweg zu teuer sein könnte. Der 29-Jährige ist nächste Saison in seinem letzten Vertragsjahr und kam diese Saison verletzungsbedingt auf nur zwei Einsätze. Bei einer Entlassung würde Green Bay um die 15,3 Millionen Dollar einsparen.

Auch Edge Rusher Preston Smith kommt in sein letztes Vertragsjahr und eine Entlassung würde Green Bay circa 12,5 Millionen Dollar einsparen. Es scheint durchaus möglich, dass zumindest einer der beiden Smiths in der Offseason zu einem neuen Team wechseln könnte. Auch Randall Cobb und Mason Crosby sind Kandidaten für eine Entlassung und würden gemeinsam fast 10 Millionen in Ersparnissen bringen.

Green Bay: Was passiert mit Davante Adams?

Trotz der prekären Lage mit der Salary Cap wird man sich in Green Bay überlegen müssen, wie man mit den Free Agents umgehen wird. Der Name, der sich hier am meisten aufdrängt, ist Davante Adams und wenn man versucht Aaron Rodgers auch nächstes Jahr zu halten, ist eine Verlängerung mit dem Wide Receiver unumgänglich. Adams hat in der Vergangenheit betont, dass er der bestbezahlte Spieler auf seiner Position werden möchte, Gutekunst erklärte, dass der Wide Receiver das auch durchaus verdient hätte.

Was das jährliche Durchschnittsgehalt betrifft verdient aktuell DeAndre Hopkins bei den Arizona Cardinals mit 27,5 Millionen Dollar am meisten, diese Zahl müsste Green Bay bei einer Verlängerung also noch überbieten.

Falls man Adams mit dem Franchise Tag belegt, würde das die Packers nächstes Jahr nur rund 19 Millionen Dollar kosten und verhindern, dass man den 29-Jährigen ohne Kompensation in der Free Agency verlieren würde, sollte man sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen können. Und das würde wohl ohnehin nur funktionieren, wenn auch Rodgers in Green Bay bliebe.

Adams ist dabei nicht der einzige Wide Receiver im Team der Packers, dessen Vertrag ausläuft. Auch Marquez Valdez-Scantling und Allen Lazard werden Free Agents, hinzu kommt noch Tight End Robert Tonyan. Egal wer nächste Saison in Green Bay under Center steht, wird zumindest ein paar Waffen brauchen, um erfolgreich sein zu können.

In der Defense werden mit Linebacker De'Vondre Campbell und Cornerback Rasul Douglas zwei weitere Starter Free Agents und auch hier wird Gutekunst abwägen müssen, was finanziell möglich ist. Dabei wird er auch die Verträge von Cornerback Jaire Alexander und O-Liner Elgton Jenkins im Hinterkopf behalten müssen, die nach der kommenden Saison Free Agents werden und unbedingt verlängert werden sollten.

Packers: Alles steht und fällt mit Aaron Rodgers

Bei einem seiner wöchentlichen Auftritte in der Pat McAfee Show sprach der Star-Quarterback zuletzt ganz offen über seine Zukunft. "Ich denke nicht, dass die Free Agency eine Option für mich ist, alle anderen Optionen sind aber definitiv auf dem Tisch. Ich werde mit meinem Agenten sprechen und auch mit Brian Gutekunst über die Ausrichtung des Teams und was die Pläne für die Zukunft sind. Basierend darauf wird man dann eine Entscheidung finden."

Wenn es nach LaFleur geht, sagt Rodgers auch im nächsten Jahr bei den Packers die Plays im Huddle an: "Natürlich wollen wir, dass er zurückkommt. Es wäre verrückt das nicht zu wollen. Er gibt unserem Team so viel - nicht nur was man an Sonntagen sieht, sondern auch in der Umkleidekabine und wie er unsere Mannschaft anführt."

Doch LaFleur ist nicht der einzige Coach, der den viermaligen MVP in der nächsten Saison gerne in den eigenen Reihen hätte. Um Rodgers ranken sich nun bereits seit einigen Jahren hartnäckige Trade-Gerüchte, bei denen auch immer wieder die Broncos als potenzieller Interessent gehandelt werden. Dass Denver mit Hackett nun einen engen Vertrauten von Rodgers als Head Coach ernannt hat, könnte sich als geschickter Schachzug der Broncos herausstellen.

Schaut man sich dann noch Aussagen aus der Vergangenheit von Rodgers über den neuen Head Coach der Broncos an, erscheint es durchaus möglich, dass Denver auch für Rodgers einen gewissen Reiz hätte. "Er ist nicht nur ein fantastischer Coach, sondern auch ein enger Vertrauter und guter Freund", schwärmte Rodgers von seinem damaligen Offensive Coordinator. "Ich kann gar nicht oft genug sagen, wie wichtig er in so vielen Aspekten für unser Team ist. Ich liebe ihn und hoffe, dass er nirgendwo anders hingeht ... Außer ich tue es auch."

Unter dem Strich liegt die mittelfristige Zukunft der Packers in den Händen von Rodgers. Wenn er gewillt ist zu bleiben, wird Gutekunst alles daran setzen, die Salary-Cap-Situation so zu managen, dass mit den wichtigen Free Agents, allen voran Adams, verlängert werden kann - und das wird er auch müssen. Dass Rodgers kein Interesse hat in seinem Alter bei einem Rebuild mitzuhelfen, machte der 38-Jährige nach der Niederlage gegen die 49ers nämlich bereits deutlich.

Am Ende läuft es darauf hinaus wie sich Rodgers in der Offseason entscheiden wird. Bleibt er bei dem Team, dass ihn gedraftet hat oder forciert er einen Trade. Diese Entscheidung wird ausschlaggebend dafür sein, ob die Packers nächstes Jahr noch ein Contender sein werden oder zumindest einen kleinen Rebuild starten müssen.

Aaron Rodgers: Statistik unter Matt LaFleur in der Regular Season

SaisonSpielePassing TouchdownsInterceptionsPassing YardsCompletion PercentageBilanz
19/20162644.00262.0 %13-3
20/21164854.29970.7 %13-3
21/22163744.11568.9 %13-3
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