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NFL

Top 6: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 6 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf Woche 6 in der NFL.

Die Baltimore Ravens präsentieren Defenses ganz neue Herausforderungen, während Tua Tagovailoa in London sein Comeback gibt. Müssen wir uns um die Chiefs Sorgen machen? Und sollten die Panthers nicht von anderen Teams lernen können? SPOX-Redakteur Adrian Franke blickt zurück auf Woche 6 in der NFL.

Emotionale Charaktertests waren definitiv ein Thema dieser Woche. Die Raiders, die nach dem Skandal um Jon Gruden eindrucksvoll in Denver gewannen - und die Arizona Cardinals, die das einzige ungeschlagene Team in der NFL bleiben. Und das obwohl man - gegen zugegebenermaßen ebenfalls stark angeschlagene Browns - ohne Coach Kingsbury, ohne Chandler Jones, ohne Rodney Hudson, ohne Maxx Williams und mit dem Assistant Wide Receiver Coach als Play-Caller nach mehreren Corona-Fällen in Cleveland antreten musste. Insbesondere Kyler Murray stellte seinen Reifeprozess in dieser Partie abermals unter Beweis.

Ein anderes übergreifendes Thema in dieser Woche waren für mich die Quarterbacks, genauer gesagt die "Mid-Level"-Quarterbacks. Über Sam Darnold werde ich später noch im Detail etwas schreiben, aber auch andere Kandidaten wie Teddy Bridgewater, wie Tua Tagovailoa - auch zu ihm gleich mehr - oder, wenn man ein Regal tiefer geht, Goff, Heinicke und Co. machten deutlich, wie frustrierend es sein kann, sobald man sich südlich der Top-12 auf der Position bewegt.

Der Name, den man hier vielleicht am prominentesten nochmals erwähnen muss, ist Baker Mayfield. Über Mayfield werde ich heute nicht direkt wieder im Detail schreiben, nachdem ich bereits vor zwei Wochen gerade bei Mayfield die Idee in den Raum geworfen hatte, dass er das Gesicht auch aus vertraglicher Perspektive einer neuen Quarterback-Mittelklasse werden könnte - oder, besser: werden sollte.

Mayfield war maßgeblich mitschuldig daran, dass die Browns gegen Arizona aus einem tiefen Loch herauskommen musste. Ein Turnover on Downs ging auch auf sein Konto, weil er offene Receiving-Optionen liegen ließ, der Strip Sack war desaströse Pocket-Präsenz spät im Down, die Interception ein übler Overthrow - Mayfield legte Arizona die beiden Field Goals auf dem Silbertablett auf.

Dass er die Armstärke hat, zeigte er beim Hail Mary - der in puncto Air Yards längste Pass mindestens der letzten fünf Jahre, seit Next Gen Stats diese Daten erfasst - dass er tough ist, zeigte er, als er nach einem harten Hit auf seine bereits lädierte Schulter wieder rein kam.

Der Punkt mit Mayfield ist: Wir haben die Warnsignale mit Jared Goff bereits gesehen. Ich bin der Meinung, dass Mayfield der bessere Quarterback ist, aber was ich meine, ist, dass ein Quarterback deutlich von einer sehr angenehmen Offense profitiert.

Einer Offense, die ihm offene Würfe kreiert, viel Play Action, eine sehr gute Offensive Line, ein gutes Run Game, ein exzellenter Head Coach - und dass er in diesen Umständen funktioniert. Aber wenn man ihm dann den teuren Vertrag geben muss, während Defenses sich besser auf die Offense einstellen, muss man die Offense irgendwann anpassen und mehr vom Quarterback verlangen. Daran ist die McVay/Goff-Ehe zerbrochen.

Cleveland sollte am Verhandlungstisch eine harte Linie mit Mayfield fahren. Und sich im Vertrag strukturell die Möglichkeit offenlassen, hier ein Upgrade einzubauen. Die bisherige Saison unterstreicht diese Position.

Los geht es aber mit Mayfields Division-Rivale Lamar Jackson - bei dem sich die Ravens vermutlich wünschen würden, dass sie ihm vor der Saison einen neuen Vertrag gegeben hätten.

Die Ravens sind das gefährlichste Team in der AFC

Baltimores Offense fasziniert mich dieses Jahr. Weil die Ravens in der Offensive Line schon das ganze Jahr über angeschlagen sind und diverse Kombinationen ausprobieren müssen. Weil sie nach all ihren Running-Back-Verletzungen eine Identität gesucht haben, und weil sie gegen verschiedene Teams verschiedene Wege finden mussten.

Ein Punkt ist dabei glasklar, und ich hatte in meinem Quarterback-Ranking letzte Woche bereits geschrieben, dass man schon bewusst wegschauen muss, um nicht zu sehen, wie verändert diese Offense spielt. Baltimore attackiert deutlich mehr durch die Luft und lädt generell deutlich mehr auf Lamar Jacksons Schultern ab - und Jackson nimmt diese Herausforderung an.

Jackson hatte bereits mehrere beachtliche Auftritte durch die Luft, er ging in den Spieltag als der Quarterback mit der höchsten durchschnittlichen Target-Tiefe. Ich hatte mir im Vorfeld der Partie bereits angeschaut, wie Baltimore zu seinen Shot-Plays kommt, und drei Dinge fielen dabei besonders auf:

Baltimore arbeitet gut mit High/Low-Crossern, um Safeties in Konflikt zu bringen. Die Ravens nutzen Andrews vielseitig, um den Ball vertikal zu ihm zu bringen. Sie können vertikal attackieren, weil Jackson als Scrambler einen eingebauten Notausgang präsentiert, welcher trotz aggressiver Herangehensweise im Passspiel einen Floor dazu liefert.

Und wenn Defenses den zusätzlichen Verteidiger gegen Jackson und das Option Run Game in die Box bringen und Outside Eins-gegen-Eins-Coverage präsentieren, ist Jackson mehr als nur gewillt, diese Matchups zu attackieren.

Wenig überraschend boten die Chargers diese Gelegenheiten nicht. L.A., wie wir es von Staley mittlerweile kennen, saß primär in seinen 2-high-Looks und bot Jackson die Shot-Plays nicht an: Lamar beendete das Spiel mit nur einer Completion über mehr als 15 Yards Downfield. Aber die Ravens hatten einen exzellenten Game Plan dagegen.

Baltimore hatte früh einige gute Plays Underneath, Jackson traf mehrfach sehr gut auch zwischen Verteidiger über das Zentrum, mehrere Sidearm-Würfe kamen präzise. Dazu Jet Sweeps, Scrambles, Rashod Bateman hatte einige First-Down-Catches - und eben das Run Game. Für 187 Yards liefen die Ravens gegen die Chargers, und das mit sehr konstanten Runs. Kein einziger Run ging über mehr als 22 Yards.

Es unterstreicht, wie vielseitig Baltimore offensiv auftreten kann. In den drei Wochen davor spielte Baltimore mitunter eine furiose vertikale Attacke durch die Luft, dieses Mal war es primär das Run Game, welches das Spiel kontrollierte.

Und das geht auch in einen übergreifenden Punkt über, welcher nicht zum ersten Mal in dieser Saison aufgefallen ist - zuletzt in der Vorwoche gegen Cleveland. Staleys Defense-Struktur in sich ist schlüssig, modern und bringt viele positive Aspekte. Aber wir sehen gerade eindrucksvoll, dass eine gewisse Qualität in der Defensive Line notwendig ist, um daraus den Run verteidigen zu können. Andernfalls werden die vielen leichten Boxes überrannt, und der Druck auf die eigene Offense wird signifikant erhöht.

Die Ravens haben eine Top-5-Offense, und das liegt maßgeblich daran, dass Lamar Jackson wie ein Top-5-Quarterback und ein legitimer MVP-Kandidat spielt. In diesem AFC-Topspiel, in welchem sein Gegenüber Justin Herbert einfach einen schlechten Tag hatte und zu viele Bälle verfehlte und das Feld auch nicht gut las, waren die Ravens dominant.

Baltimores Offense kann, vielleicht eindrucksvoller als jedes andere Team, auf verschiedenste Arten Spiele gewinnen. Nach Expected Points Added pro Play haben die Ravens mit Abstand die gefährlichste Passing-Offense bei Early Down. Die Bills sehen aktuell wie das kompletteste Team in der AFC und vielleicht der gesamten NFL aus; die Ravens aber sind für mich das gefährlichste Team in der AFC Stand heute.

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