Cookie-Einstellungen
Suche...
NFL

NFL Recap: Chicago Bears vs. Tampa Bay Buccaneers 20:19 - Verrückter Brady-Fehler bei Fourth Down? Bears gewinnen Krimi

Von Jan Dafeld
Die Chicago Bears haben die Tampa Bay Buccaneers geschlagen.

Die Chicago Bears haben das Thursday-Night-Football-Spiel gegen die Tampa Bay Buccaneers mit 20:19 für sich entschieden. Die Gäste gaben dabei eine hohe Führung aus der Hand, ausgerechnet Tom Brady leistete sich beim entscheidenden Down des Spiels wohl einen uncharakteristischen Fehler.

Es war ein sonderbares, überraschendes Bild zum Abschluss eines ausgeglichenen und bis zum Ende umkämpften Spiels: 33 Sekunden vor Spielende hatte DeAndre Houston-Carson Bradys Pass auf Cameron Brate (5 REC, 44 YDS) über die Mitte des Felds weggeschlagen, die Bucs hatten ihr Fourth Down somit nicht erfolgreich ausgespielt, die Bears das Spiel praktisch gewonnen - und Brady (25/41, 253 YDS, TD, 3 ATT, 0 YDS) signalisierte auf dem Feld, das vierte Down ausspielen zu wollen (hier gibt es die Szene im Video).

Offenbar war der 43-Jährige davon ausgegangen, dass Tampa Bay erst drei seiner vier Downs gespielt hatte, vermutlich hatte er das erste Down, bei dem Brady den Ball spikte, um die Uhr anzuhalten, nicht mitgezählt. Es wäre ein äußerst ungewöhnlicher Fehler, erst Recht für einen Veteranen wie Brady - auch wenn Bucs-Coach Bruce Arians nach dem Spiel behauptete, Brady habe gewusst, welches Down ausgespielt wurde.

Die Bears waren eine Minute und 13 Sekunden vor dem Spielende durch ein 38-Yard-Field-Goal von Cairo Santos (2/2 FG, 2/2 XP) mit 20:19 in Führung gegangen, die Bucs hätten bei ihrem finalen Drive des Spiels ohne Timeouts also mindestens ein Field Goal benötigt. Nach dem Turnover on Downs konnte Chicago die Partie durch ein Kneeldown beenden.

Dabei waren die Gäste mit fünf Minuten auf der Uhr noch in Führung gegangen: Bei einem Fourth-and-One an der gegnerischen 7-Yard-Linie ließ Bruce Arians sein Team das Field Goal schießen statt das Down auszuspielen. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als Fehler erweisen sollte: Nach einem Punt der Bears und einem Three-and-Out der Bucs brachte Santos sein Team in Führung, ehe Bradys Unaufmerksamkeit die Niederlage Tampa Bays besiegelte.

NFL: Bears mit zwei Touchdowns kurz vor der Halbzeit

Für Chicago markierte der vierte Sieg im fünften Saisonspiel ein bemerkenswertes Comeback: Mitte des zweiten Viertels hatten die Bears noch deutlich mit 0:13 zurückgelegen. Nick Foles (30/42, 243 YDS, TD, INT, ATT, -1 YDS) hatte mehrere weit offene Würfe verfehlt, bei einer Interception gegen Carlton Davis im Duell mit Allen Robinson (10 REC, 90 YDS) hatte der Quarterback der Bears obendrein Pech. Brady fand Wide Receiver Mike Evans (5 REC, 41 YDS, TD) im Anschluss für den einzigen Touchdown der Bucs. Zudem hatte Tampa Bay zwei weitere Drives, bei denen Ronald Jones (17 ATT, 106 YDS, 3 REC, 19 YDS) mehrfach längere Runs schaffte, mit Field Goals von Ryan Succop (4/4 FG, 1/1 XP) beenden können.

Kurz vor der Halbzeit wachte Chicago allerdings plötzlich auf: Einen 75-Yard-Drive der Gastgeber schloss Running Back David Montgomery (10 ATT, 29 YDS, TD, 7 REC, 30 YDS) durch einen kurzen Touchdown-Run ab, unmittelbar darauf forcierte Kyle Fuller zudem einen Fumble gegen Ke'Shawn Vaughn (2 REC, 5 YDS, FUM). Die Bears übernahmen an der gegnerischen 27-Yard-Linie, 36 Sekunden vor der Pause fand Foles seinen Tight End Jimmy Graham (3 REC, 33 YDS, TD) für einen spektakulären 12-Yard-Touchdown-Catch mit nur einer Hand in der Endzone.

In der zweiten Halbzeit taten sich beide Teams offensiv deutlich schwerer, die Defensive Lines gewannen im Pass-Rush auf beiden Seiten mehr und mehr die Oberhand. Durch Field Goals wechselte die Führung im zweiten Durchgang noch vier Mal, der erfolgreiche Kick von Santos markierte schließlich den Endstand von 20:19.

Beide Teams bangen im Anschluss an das Spiel um wichtige Leistungsträger: Auf Seiten der Bears verletzte sich Left Guard James Daniels womöglich schwer, bei den Bucs musste Defensive Tackle Vita Vea kurz vor Spielende mit einer Knöchelverletzung vom Feld gefahren werden. Chicago trifft in der kommenden Woche auf die Carolina Panthers, die Bucs empfangen die Green Bay Packers.

Chicago Bears (4-1) - Tampa Bay Buccaneers (3-2)

Ergebnis: 20:19 (0:10, 14:3, 0:3, 6:3) BOXSCORE

Bears vs. Buccaneers - die wichtigsten Statistiken

  • Donovan Smith erhielt in der ersten Halbzeit gleich zwei Strafen wegen False Starts. Ein gewohntes Bild in Tampa Bay: Bislang bekam der Left Tackle der Bucs in jedem Saisonspiel des Teams einen Penalty gegen sich gepfiffen.
  • Sowohl die Bucs als auch die Bears hatten über die ersten vier Wochen der Saison zu den fünf Teams mit den meisten Penalty Yards der Liga gezählt. In Woche fünf änderte sich daran wenig: Zusammen kamen die beiden Teams auf 17 Penalties und 175 Penalty Yards.
  • Mit vier Siegen aus den ersten fünf Spielen sind die Bears überraschend gut in die Saison gestartet. Tatsächlich ist es sogar Chicagos bester Saisonstart seit 2012. Damals startete die Franchise mit sieben Siegen aus den ersten acht Spielen in die Spielzeit, beendete das Jahr jedoch "nur" mit einer 10-6-Bilanz und verpasste die Playoffs.

Der Star des Spiels: Khalil Mack, Edge Defender, Chicago Bears

Mack hatte in den ersten vier Wochen der Saison selbst für seine Verhältnisse stark gespielt, in der Nacht auf Freitag bestätigte er seine herausragende Form. Mack schlug sowohl Tristan Wirfs als auch Donovon Smith für Sacks, zudem zog er eine Holding-Strafe gegen Alex Cappa. Darüber hinaus verzeichnete Mack zwei Tackles for Loss im Running Game, es war eine in jeder Hinsicht dominante Vorstellung des Bears-Superstars.

Der Flop des Spiels: Die Offensive Tackles der Buccaneers

Die Offensive Line der Bucs war über die ersten vier Saisonspiele eine eindeutig positive Überraschung, Tristan Wirfs feierte einen guten Einstand in die NFL, auch Donovan Smith wirkte gegenüber den Vorjahren stabiler. Gegen die Bears wackelten beide Tackles allerdings merklich. Wirfs hatte zwei Sacks zu verantworten und kassierte zusätzlich eine Holding-Strafe, Smith wiederum bekam zwei Penalties gegen sich gepfiffen und ließ sich von Mack unmittelbar nach dem Snap für einen Sack schlagen.

Analyse: Bears vs. Buccaneers - die Taktiktafel

  • Bruce Arians ist eigentlich nicht gerade für ein aggressives Vorgehen bei Fourth Downs bekannt. Zu Beginn des zweiten Viertels traf der Bucs-Coach allerdings eine äußerst mutige Entscheidung: Arians ließ bei einem Fourth-and-One an der eigenen 20-Yard-Linie die Offense auf dem Feld, der Mut wurde belohnt: Brady sorgte mit einer Quarterback-Sneak für ein neues First Down. Fünf Minuten vor dem Ende entschied sich Arians allerdings anders: Beim Stand von 17:19 ließ er an der gegnerischen 7-Yard-Linie bei einem Fourth-and-One das Field Goal kicken.
  • Die Bucs versuchten Cordarelle Pattersons berüchtigte Kickoff-Return-Qualitäten soweit wie möglich zu beschränken: Bradley Pinion kickte den Ball stets sehr tief, Patterson trug die Bälle allerdings auch tief aus der eigenen Endzone heraus - mit Erfolg. Mit seinen Returns holte er 32, 47 und 39 Yards, anschließend schoss Tampa Bay den Ball immer über die gegnerische Endzone hinaus.
  • In New England nahmen Running Backs wie James White oder Rex Burkhead stets eine große Rolle im Pass Game rund um Tom Brady ein, auch in Tampa versucht dieser seine Running Backs immer wieder einzusetzen. Deren Qualitäten als Passempfänger sind bislang aber ein Problem: In den Vorwochen kämpften Jones, McCoy und Co. immer wieder mit Drops, gegen die Bears setzte sich dies nun fort: Jones schaffte es bei einem völlig offenen Catch nicht in die gegnerische Endzone, Vaughan unterlief nach einem kurzen Catch ein kostspieliger Fumble.
  • Aufgrund der dominanten Interior Defensive Line der Buccaneers hatten die Bears kaum Erfolg im Running Game, im Passspiel attackierte Chicago jedoch gezielt mit seinen Running Backs. Foles suchte sowohl Montgomery als auch Patterson mehrfach auf Wheel-Routes aus dem Backfield und war gegen die eigentlich starken Linebacker der Bucs damit durchaus erfolgreich.
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung