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Nach Liga-Einigung: So funktioniert die NFL-Saison im Zeichen von Corona

Die NFL Training Camps werden zeitlich wie geplant starten.

Knapp fünf Monate konnte die NFL weitestgehend andere Ligen beobachten und lernen - letztlich aber musste doch alles ganz schnell gehen: Die Liga sowie der Spielerverband NFLPA haben sich auf einen neuen Rahmenkatalog geeinigt, damit trotz der Corona Pandemie Football gespielt werden kann. Die Training Camps werden wie geplant beginnen, SPOX beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den verabschiedeten Deal zwischen NFL und NFLPA.

Bereits früh am Freitag hatte sich abgezeichnet, dass eine Einigung in greifbarer Nähe ist. Die Liga hatte ein Meeting mit den Head Coaches, GMs, Team-Präsidenten und Team-Besitzern abgehalten, gleichzeitig traf sich auch die NFLPA virtuell, um über die jüngsten Vorschläge zu diskutieren.

Am Ende dieser Meetings empfahl das NFLPA Executive Committee den Spielern einstimmig, den entsprechenden Anpassungen an den Liga-Rahmenvertrag zuzustimmen und die Spielervertreter taten dies auch: Mit 29:3 Stimmen wurden die Veränderungen von den 32 Spielervertretern offiziell verabschiedet.

"Die NFL-Teams und die NFLPA haben eine Einigung verabschiedet, die umfassend alle offenen Themen bezüglich des Starts der Training Camps sowie des Starts der 2020er Saison klärt. Training Camps werden zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt beginnen", fasste Commissioner Roger Goodell in einem Statement zusammen.

Doch was genau bedeutet das im Detail? Und welche Änderungen wurden beschlossen?

NFL: So läuft das Training Camp trotz Corona ab

Offiziell starten somit alle 32 Teams spätesten am 28. Juli in ihre Training Camps. Lediglich die Kansas City Chiefs und die Houston Texans sind bereits seit dem 25. Juli bei der Arbeit - die beiden Teams eröffnen die Regular Season mit dem ersten Thursday Night Game und dürfen somit auch drei Tage eher in die Saisonvorbereitung starten. Auch deshalb war es so elementar wichtig, dass eine Einigung zwischen NFL und NFLPA noch vor dem Wochenende erfolgte.

Vom Startzeitpunkt her bleibt also alles gleich, die Umsetzung aber wird deutlich anders ausfallen. Die Teams werden einen strikten Zeitplan befolgen müssen, um interne Erkrankungswellen möglichst zu verhindern:

  • Tag 1: Spieler müssen ihren ersten Corona-Test absolvieren, anschließend gehen sie wieder nach Hause.
  • Tag 2: Der zweite Corona-Test.
  • Tag 2-3: Die ersten Einheiten finden in virtuellen Meetings statt, Spieler sollen dabei weiterhin zuhause bleiben und sich nach Möglichkeit isolieren.
  • Tag 4: Der dritte Corona-Test wird durchgeführt, anschließend kehren die Spieler abermals nach Hause zurück.
  • Tag 5-6: Alle Spieler, die ausschließlich negative Tests hatten, dürfen in die Team-Trainingseinrichtungen kommen, wo sie ihren regulären Medizincheck absolvieren. Auch die Anpassung der Ausrüstung wird jetzt durchgeführt. Ab dem fünften Tag werden die Spieler, die ausschließlich negative Tests hatten, jetzt täglich getestet. Diese Phase dauert mindestens zwei Wochen. Nach zwei Wochen wird noch jeden zweiten Tag getestet, sofern die interne Rate an positiven Tests unter 5 Prozent liegt. Das BioReference-Labor führt die Tests durch, die gleiche Firma, die auch von der NBA und der MLS angestellt wurde. Ergebnisse sollen immer innerhalb von 24 Stunden vorliegen.
  • Tag 7: Erst jetzt geht es tatsächlich zur Sache. Es startet ein achttägiges Programm für Kraft und Ausdauer, wobei maximal je eine Stunde im Kraftraum und eine Stunde bei den Ausdauereinheiten verbracht werden darf. Auch Walk-Throughs sind erlaubt.
  • 8. August: Der 8. August - beziehungsweise der 5. August für die Chiefs und Texans - ist ein vorgeschriebener freier Tag. Anschließend sind Teams für den weiteren Camp-Verlauf verpflichtet, den Spielern innerhalb der nächsten je sieben Tage einen Tag frei zu geben. Alle Teams, die in Woche 1 am Montag spielen, bekommen so insgesamt sieben freie Tage; alle Teams, die zum Auftakt am Donnerstag oder Sonntag spielen, erhalten sechs freie Tage während des Camps.
  • 12.-16. August: Ist das achttägige Kraft- und Ausdauer-Programm vorbei, geht es schließlich aufs Feld. Es folgen vier Tage mit Einheiten ohne Pads. Tackling ist noch verboten. Maximal dreieinhalb Stunden darf pro Tag auf dem Platz im Verbund gearbeitet werden, davon dürfen Trainingseinheiten nicht länger als zwei Stunden gehen. Die restliche Zeit wird mit Walk-Throughs verbracht.
  • 17. August: Beginnend mit dem 17. August dürfen dann alle Teams in Pads mit Kontakt trainieren. Maximal 14 solcher Einheiten sind erlaubt. Die Einheiten starten mit einer Länge von 90 Minuten und werden in Stufen über 15 Minuten verlängert.
  • 5. September: Am 5. September bis 22 Uhr deutscher Zeit müssen Teams ihre Kader auf 53 Spieler reduzieren. Bis zum 6. September können Teams dann die von jeweils anderen Franchises entlassenen Spieler über das Waiver Wire verpflichten, müssen dafür aber im Gegenzug dann wiederum in ihrem eigenen Kader genügend Platz schaffen.
  • 7. September: Regular Season Trainingswoche.

Training Camp: Kader werden verkleinert

Stichwort Kader: Auch hier wird das Camp anders ablaufen als sonst. Statt 90 dürfen Teams nur 80 Spieler mit ins Training Camp bringen - dabei aber haben sie zumindest etwas Spielraum: Der Cut von 90 auf 80 kann entweder vor dem offiziellen Camp Start, für die meisten Teams also der 28. Juli, erfolgen; oder aber auch mittels einzelner Entlassungen zwischen dem 28. Juli und dem 16. August, also bevor die Kontakt-Einheiten beginnen.

In beiden Fällen aber gilt eine übergreifende Regel: Es dürfen sich nicht mehr als 80 Spieler gleichzeitig in den Team-Einrichtungen aufhalten. NFL-Network-Insider Ian Rapoport vermutete am Freitag in der Folge, dass Teams in Schichten arbeiten werden und ihr Team dafür unterteilen.

Klar ist jedoch auch: Die Reduzierung von 90 auf 80 Spieler, die dabei helfen soll, das Risiko für Ansteckungen und Verbreitungen der Krankheit weiter zu minimieren, wird insbesondere Undrafted Free Agents und andere junge Spieler, die im Camp sonst um einen Kaderplatz kämpfen, betreffen. Gleichzeitig aber gibt es für Spieler, die den finalen Cut nicht schaffen, auch eine Chance: Das vergrößerte Practice Squad.

Regular Season: Practice Squad wird vergrößert, "Corona IR" kommt

NFL und NFLPA verständigten sich darauf, dass statt zwölf in der kommenden Saison 16 Spieler in das Practice Squad aufgenommen werden können. Auch dürfen bis zu sechs dieser 16 Spieler eine unbeschränkte Anzahl an sogenannten "accrued Seasons" haben. Normalerweise darf ein Spieler nicht mehr als drei accrued Seasons auf dem Konto haben, um für ein Practice Squad verpflichtet werden zu können.

Teams werden, davon zumindest muss man ausgehen, in der kommenden Saison deutlich mehr auf Backups und Ersatzspieler angewiesen sein. Einen größeren Fundus aus dem eigenen Practice Squad zu haben - also Spieler, die mit dem Team trainieren, die die Offense oder die Defense kennen und die der Head Coach einschätzen kann - hat somit eine noch deutlich höhere Priorität als sonst.

Mehr noch: Eine Franchise kann normalerweise einen Practice-Squad-Spieler aus einem der 31 anderen Teams verpflichten, muss diesen Spieler aber direkt in den eigenen aktiven Kader übernehmen. Für die kommende Saison kann übereinstimmenden Berichten zufolge jedes Team auf wöchentlicher Basis vier seiner dann 16 Practice-Squad-Spieler "beschützen", sodass diese nicht von anderen Teams abgeworben werden können.

Gibt es dann tatsächlich einen positiven Test, wird dafür eine eigene Variante des Injured-Reserve-Platzes kreiert: Erkrankt ein Spieler an Corona, kommt er vorübergehend auf einen solchen IR-Platz, bis er von den Ärzten wieder die Freigabe erhält. Bis dahin kann das Team einen Spieler aus dem Practice Squad in den aktiven Kader befördern und anschließend, wenn der erkrankte Spieler wieder zurückkehrt, wieder ins Practice Squad zurück packen - ohne dass er davor durch das Waiver Wire gehen muss. Das gibt Teams signifikant mehr personellen Spielraum im Umgang mit erkrankten Spielern. Allerdings sei auch erwähnt, dass Spieler, die sich nachweislich fahrlässig verhalten und sich bei Hoch-Risiko-Veranstaltungen fernab der Teameinrichtungen anstecken, nicht auf die Reserve/COVID-19 List kommen, sondern auf die Non-Football Injury List und dann kein Gehalt bekämen. Zudem drohen weitere Strafen.

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