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NBA - Für immer in Doncic' Schatten? Wie Marvin Bagley nach dem Kings-Debakel auf einen Neuanfang hofft

Von Alex Weber
Marvin Bagley wurde der Rolle eines Nummer-2-Picks im Draft bei den Kings nie gerecht.

Marvin Bagley sollte bei den Sacramento Kings der Heilsbringer werden, entwickelte sich aber stattdessen zur tragischen Figur. Nach dreieinhalb enttäuschenden Saisons wurde das Missverständnis beendet und Bagley zu den Pistons getradet. Kann er dort endlich sein Potenzial erfüllen oder bleibt er für immer im Schatten von Luka Doncic?

21. Juni 2018, New York City. Im Barclays Center in Brooklyn findet der alljährliche NBA Draft statt, die vielversprechendsten Talente haben sich versammelt. Umgeben von ihren Freunden und Familien warten sie darauf zu erfahren, wo sie in den kommenden Jahren Basketball spielen werden. Im Fokus der Draft-Night stehen heutige NBA-Stars wie Luka Doncic, Trae Young, Jaren Jackson Jr. und Deandre Ayton. Auch Marvin Bagley III gehört zu den Anwärtern, denen von den Experten eine große Zukunft in der besten Basketballliga der Welt vorausgesagt wird.

Die Phoenix Suns wählen mit dem ersten Pick wenig überraschend Bagleys High-School-Teamkameraden Ayton aus, der im Vorfeld als vermeintlich bester Spieler gehandelt wird und bei den Suns hoch im Kurs steht. Die Kings schwanken mit dem zweiten Pick zwischen zwei Spielern: Doncic und Bagley. Als der Tag des Drafts kommt, hat sich herauskristallisiert, dass die Kings wohl mit Bagley als ihrem neuen Franchise-Spieler gehen würden, obwohl so ziemlich jeder andere den europäischen Teenager favorisiert.

Dass es für Bagley in Sacramento am Ende über weite Strecken so gar nicht funktioniert, ist rückblickend aber doch ein wenig überraschend. Eigentlich bringt der Forward nämlich alles mit, was einen modernen Big Man ausmacht. Bei Duke ist er der zentrale Punkt der Offensive und ein exzellenter Rebounder. Seine Dreierquote liegt nach einem Jahr bei den Blue Devils bei starken 39,7 Prozent, dazu bringt er herausragende athletische Fähigkeiten mit.

"Er ist der einzigartigste Spieler, den ich in meinen 38 Jahren bei Duke trainiert habe", sagte der legendäre Coach Mike Krzyzewski einst über Bagley. "Er hat wirklich alles, was man braucht. Er will lernen, ist ein guter Junge und hat einen großartigen Antrieb. Er wird einer der besten Spieler der NBA werden." Bisher konnte Bagley dieser Prophezeiung von Coach K allerdings nicht annähernd gerecht werden, obwohl es bei den Kings zunächst eigentlich ganz gut für ihn losging.

Marvin Bagley: Ein paar gute Ansätze - dann oft verletzt

In seinem ersten Jahr in der Liga spielte Bagley eine recht ordentliche Saison. In 62 Einsätzen für die Kings kam der Big im Schnitt auf respektable 14,9 Punkte und 7,6 Rebounds. Er deutete das versprochene Talent an, allerdings wirkte es oft so, als ob er ein Spieler ohne echte Position wäre. Sein Wurf war zu inkonstant für einen Power Forward, als Ringbeschützer war er nicht gut genug für einen Center. Zudem hatte Bagley enorme Probleme auf der defensiven Seite des Parketts. Nach seinem Rookie-Jahr häuften sich dann noch die Verletzungen und so kam er in den beiden folgenden Spielzeiten auf nur noch 56 Einsätze.

Der Linkshänder schien oft wie ein Fremdkörper im Team der Kings. Er wurde nicht ausreichend in die Offense eingebunden und weil die Kings zu viele Center in ihren Reihen hatten, stand Bagley teilweise weit vom Korb entfernt in der Ecke. Und das, obwohl er über seine Karriere mehr als 70 Prozent seiner Würfe am Ring trifft.

Konstanz suchte man bei den Kings ebenfalls vergebens. In seiner Zeit mit der Franchise aus Kalifornien hat Bagley drei verschiedene Head Coaches mitgemacht. Von denen schien aber keiner so richtig zu wissen, was genau Bagleys Rolle war und wie er in ein System integriert werden könnte. Zudem spielte Richaun Holmes schlicht und ergreifend besser und bekam den Vorzug. Zu allem Übel ist Bagley in der NBA auch noch der Touch von der Dreierlinie abhanden gekommen. Von seinen guten Quoten im College ist er weit entfernt und versenkt nicht mal mehr 30 Prozent seiner Würfe von Downtown.

Vlade Divac will Bagley statt Doncic - auch wegen Lukas Vater?

Bagley war mit Sicherheit nicht der erste fragwürdige Pick des Front Office der Kings. Den 2016 als Zweitrundenpick gehandelten Georgios Papagiannis wählte Sacramento an 13. Position, obwohl sie im selben Draft auch den 28. Pick hatten, wo er mit ziemlicher Sicherheit noch verfügbar gewesen wäre.

Solche Draft-Entscheidungen waren mitunter der Grund für das dünn besetzte Roster, schließlich gab es davon historisch gesehen einige: Zum Beispiel Tyreke Evans 2009 vor Stephen Curry zu wählen oder Willie Cauley-Stein 2015 vor Devin Booker. Hier stehen zwei alljährliche All-Stars zwei Spielern gegenüber, die aktuell in der Liga faktisch keine Rolle mehr spielen.

Dass die Kings im Draft 2018 dann Bagley anstelle von Doncic pickten, ist nur die jüngste Verfehlung des Front Offices in Sacramento. Der damalige General Manager Vlade Divac und das Management beobachteten Doncic damals zwar genau, entschieden sich am Ende aber gegen den Guard. Divac soll nicht davon überzeugt gewesen sein, dass Doncic seine Auftritte bei Real Madrid in der NBA duplizieren könne und war zudem der Ansicht, dass er in der Defense große Probleme kriegen würde. Außerdem hatten die Kings mit De'Aaron Fox einen vielversprechenden jungen Point Guard, auf den das Front Office voll und ganz setzen wollte.

Dabei war der Slowene für Divac kein Unbekannter, beide pflegten schon lange eine gute Beziehung. Nur dessen Vater war dem Kings-GM angeblich ein Dorn im Auge. ESPN-Insider Tim MacMahon erklärte zum Draft-Prozess der Kings, dass Divac Doncic auch wegen dessen Vater nicht draften wollte. "Divac hielt nicht besonders viel von Doncic' Vater. Das Ganze 'wie der Vater, so der Sohn' ... aber der Junge ist ganz anders als sein Vater und das war Divac' Fehler", erklärte MacMahon im Woj Pod. Über diese Darstellung sollen Divac und Doncic Senior später aber herzhaft gelacht haben.

Wie dem auch sei, laut einem Bericht von The Athletic hätte Kings-Besitzer Vivek Ranadive gerne Doncic gedraftet, überließ die endgültige Entscheidung aber seinem General Manager. Der wählte Bagley. Diese Entscheidung, gepaart mit dem Verpassen der Playoffs über seine gesamte Amtszeit wurde Divac am Ende zum Verhängnis. 2020 trat er von seinem Posten als GM der Kings zurück, erklärte aber, dass er immer noch von Bagley als Spieler überzeugt sei. Mit dieser Einschätzung war er in Sacramento relativ allein.

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