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NBA - Die Siegesserie der Phoenix Suns: Im Schatten der Schlagzeilen

Chris Paul führt die Liga bei den Assists und Steals an.

Die Phoenix Suns stehen hinter den Golden State Warriors auf Platz zwei im Westen, wirklich beachtet wird der letztjährige Finalist deswegen aber nicht. Dennoch haben die Suns nun zwölf Spiele in Folge gewonnen. Wir blicken auf ein paar Gründe der aktuellen Siegesserie.

Zu Beginn einer Saison liegt der Fokus meist auf den neuformierten Mannschaften. Jeder will sehen, wie Russell Westbrook bei den Los Angeles Lakers funktioniert, wie Kyle Lowry die Miami Heat auf ein anderes Level hievt, wie die neuen Bulls eine Euphorie in Chicago entfachen. Um die beiden Finalisten des Vorjahres war es dagegen recht still. Sowohl Milwaukee als auch Phoenix änderten nicht viel am Kader, entsprechend selten spricht man im Moment über sie.

Frei nach dem Motto: "Wir wissen, wer sie sind und was sie können". Dies ist nachvollziehbar, erst recht bei einer langen 82-Spiele-Saison. So machte sich auch niemand ernsthaft Sorgen, dass der Champion aus Wisconsin zwischenzeitlich bei 4-6 und 6-8 stand.

Auch bei den Suns ging der Start etwas in die Hose, drei der ersten vier Spiele gingen in die Binsen. Und seitdem? In zwölf Spielen traten die Suns an, zwölfmal gingen sie als Sieger hervor und haben es sich hinter den Golden State Warriors in der Spitzengruppe des Westens mal wieder gemütlich gemacht.

Was ist das Ganze wert? Zunächst einmal zeigt es, dass die Suns ihre Hausaufgaben erledigen. Ansonsten gab es erst einen Vergleich mit einem Team, welches laut Cleaning the Glass in den Top 10 im Net-Rating zu verorten ist. Die Suns sind in dieser Hinsicht Einzelgänger. Dennoch wollen wir an dieser Stelle auf einige Trends blicken und erörtern, warum die Suns wie schon im Vorjahr wie eine bestens geölte Maschine funktionieren.

1. Die Suns gewinnen auch ohne Deandre Ayton

Die Vertragssituation um Deandre Ayton galt vor der Saison als mögliches Problem, bislang ist davon noch nichts zu merken. Der Center agiert etwas konstanter als noch im Vorjahr, als er erst in den Playoffs so richtig explodierte. Auch 2021/22 sind immer mal wieder kleine Dellen zu verorten, doch alles in allem gibt es weniger Spiele, in denen Ayton phlegmatisch daherkommt.

Dennoch verpasste der Big Man mit einer Beinverletzung sechs Partien und in dieser Phase wusste auch dessen neuer Stellvertreter zu glänzen. JaVale McGee ist ein Backup, welchen die Suns im Vorjahr nicht hatten und in den Finals vermissten. Ein klassischer Reserve-Fünfer und nicht eine Verlegenheitslösung wie erst Dario Saric und später Frank Kaminsky.

Man muss hin und wieder mit einigen Aussetzern rechnen, doch McGee ist auch mit inzwischen 33 Jahren ein guter Ringbeschützer, der zudem seine Beine einigermaßen gut bewegen kann. Laut Cleaning the Glass lassen die Suns fast 9 Punkte weniger pro 100 Ballbesitze mit McGee zu als ohne ihn. Mit Ayton dreht sich der Spieß dagegen um.

Das ist übrigens wenig überraschend, auch in der Vorsaison waren die Lineups ohne Ayton besser als mit ihm. Das muss grundsätzlich aber nichts heißen, seinen Wert für das Team stellte der Center von den Bahamas in den Playoffs zur Genüge unter Beweis.

Mit McGee haben die Suns jedoch noch eine weitere sinnvolle Ergänzung getätigt, die sich nicht nur in der Defense bezahlt macht. Der dreimalige Champion ist auch weiterhin einer der besten Alley-Oop-Anspielpartner, was wertvoll ist, wenn man einen Chris Paul in seinen eigenen Reihen hat.

2. Suns bleiben die Meister der Crunchtime

Apropos Chris Paul. Der Point God hat zwar in Sachen Scoring etwas nachgelassen, dafür führt CP3 die Liga mal wieder bei den Assists (und auch bei den Steals) an. Gleichzeitig versteht es Paul weiter wie kein Zweiter, im Schlussviertel noch einmal die Zügel anzuziehen - völlig egal, wie er in den 36 Minuten zuvor performte.

Die Duelle mit Dallas waren in dieser Hinsicht Anschauungsunterricht. Es war jeweils Paul, der zusammen mit den Reservisten Läufe initiierte und so die Spiele noch zugunsten der Suns entschied. Laut stats.nba.com waren die Suns in sieben Partien involviert, in denen die Differenz in den letzten fünf Minuten maximal fünf Punkte betrug, Phoenix gewann sechs davon.

Auffällig dabei: In den insgesamt 22 Minuten begingen die Suns gerade einmal 2 Ballverluste, was vornehmlich an Spielern wie Paul oder auch Devin Booker liegt. Es läuft oft nach dem gleichen Muster. CP3 verschafft dem Team das Momentum, später ist es Booker, der wie auch gegen Dallas wichtige Würfe versenkt.

"Wir achten auf die Details", sagte Booker nach dem Sieg über Dallas am Mittwoch. "Wir sagen uns immer, dass wir nicht gegen unseren Gegner, sondern gegen uns selbst spielen, um seriös zu bleiben. Das hat sich bezahlt gemacht." Womöglich helfen Kniffe wie dieser, dass die Suns nicht von der Eintönigkeit der Saison abgelenkt werden. Im Gegensatz dazu hatte Trae Young von den Atlanta Hawks öffentlich zugegeben, dass ihn die Regular Season ein wenig langweile.

Phoenix Suns: Die Stats von Chris Paul und Devin Booker im vierten Viertel

SpielerMINPTSFG%3P%ASTSTL
Chris Paul9,36,154,233,33,00,9
Devin Booker5,94,648,8500,70,3

3. Die Defense ist noch einmal besser

Ein anderes Zeichen für Seriosität ist Defense und hier haben die Suns sogar noch einmal einen Sprung gemacht. Gemäß Cleaning the Glass sind bisher nur Golden State und die Clippers besser, in den vergangenen beiden Wochen sind die Suns mit Abstand die beste Verteidigung der Association.

Mikal Bridges bleibt auf dem Flügel eine Bank und auch Jae Crowder spielt eine erneut grundsolide Saison. Die Abläufe im Team stimmen, die Suns verstehen es, wann sie switchen, wie sie möglicherweise innerhalb von Sekunden ein ungünstiges Matchup auflösen - gut zu sehen hier in dieser Szene gegen Dallas, als Booker plötzlich Kristaps Porzingis vor sich hatte.

Die Suns machen dabei wenig Fehler, sodass es wenig überrascht, dass sie eines der besten Wurfbilder der NBA erzeugen. Nur drei Teams lassen weniger Abschlüsse am Ring zu, stattdessen lässt die Truppe von Monty Williams eher ineffiziente lange Zweier und Floater zu. Das ist gutes Mittel, wenn fast immer Ayton oder McGee auf dem Feld stehen.

Glück spielt dabei auch keine Rolle, laut Cleaning the Glass treffen die Gegner sogar ein Prozent besser als angenommen, sodass man davon ausgehen kann, dass Phoenix auch in dieser Saison mindestens eine Top-10-Defense stellen wird.

4. Mehr Speed

Und noch ein anderer Aspekt ist durchaus interessant. Die Suns spielen deutlich schneller als noch im Vorjahr, die Pace ist um gleich 4 Ballbesitze pro 48 Minuten gestiegen. Das ist zunächst einmal verwunderlich, schließlich waren Teams von CP3 dafür in der Vergangenheit nicht bekannt.

Schnell spielen heißt aber nicht immer nur Transition. Die Suns sind Meister darin, durch schnelle Outlet-Pässe Mismatches zu schaffen und daraus Profit zu schlagen. Dabei wird nicht unbedingt der erstbeste Abschluss gesucht. Stattdessen wird der Ball schnell über das Feld bewegt und man sieht die 0,5-Sekunden-Regel, die schnelle Entscheidungen wie passen, werfen oder zum Korb ziehen von den Spielern verlangt. Viele Coaches predigen diesen Ansatz, den Teams aber nur selten umsetzen.

So nehmen die Suns fast die Hälfte ihrer Würfe in den ersten zehn Sekunden der Shotclock, obwohl sie nicht einmal ein Top-10-Team bei der Frequenz in Transition sind. Paul ist dabei ein Faktor, mehr aber Backup Cameron Payne. Mit CP3 ist das Spiel langsamer, ohne ihn wird der Ball deutlich schneller bewegt. Doch selbst mit CP3 spielen die Suns mit einer Top-5-Pace, ohne ihn wäre es sogar der Spitzenwert der Liga.

Phoenix Suns: Kann der Finals-Run wiederholt werden?

Die Suns machen also genau da weiter, wo sie im Vorjahr aufgehört haben. Neben Utah, Golden State, Miami und Chicago sind die Jungs aus der Wüste eines von fünf Teams, welches sowohl in der Offense als auch in der Defense unter den ersten Zehn zu verorten sind.

Gerade im Westen, der völlig offen scheint, ist Phoenix neben Golden State für den Moment die sicherste Wette auf einen Einzug in die Finals. Das Team ist homogen und tief, kann verschiedene Stile spielen und macht kaum Fehler. Auch wenn viele in den Finals-Suns ein Produkt der vielen Verletzungen bei den Gegnern sahen, war der Einzug verdient, erst recht wenn man die komplette Saison betrachtet.

Damals hatten die Suns in der Regular Season nur ein National-TV-Spiel, diesmal sind es deutlich mehr. Trotzdem spricht kaum jemand von Phoenix aus sportlichen Gründen, nur wegen der Anschuldigungen gegen Besitzer Robert Sarver. Das könnte sich erneut als Fehler herausstellen - und am Ende wundern sich alle, warum denn genau die Suns wieder einen tiefen Playoff-Run hinlegen. In Phoenix hätte man nichts dagegen.

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