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NBA 2K22 Review: Endloser Swag auf hoher See - doch Frustration bleibt

Von Ruben Martin
Bei NBA 2K22 wird Basketball auf einem Kreuzfahrtschiff gespielt.

NBA 2K22 ist da und soll unter anderem mit verbesserter Defense-Kontrolle und einer interaktiven Welt überzeugen. Gelingt das dem Videospiel auch? SPOX-Redakteur Ruben Martin macht den Test.

Es ist wieder so weit, knapp sechs Wochen vor Beginn der nächsten NBA-Saison ist die neue Version der beliebten Basketballsimulation "NBA 2K" auf den Markt gekommen. Doch gibt es überhaupt nennenswerte Änderungen zu den Vorgängern?

Die Spielmodi an sich sind keineswegs unbekannt. Man kann seine eigene Spielerkarriere starten, eine bestehende oder neue Franchise der NBA oder WNBA als General Manager leiten, sein ultimatives Team mit Sammelkarten zusammenstellen oder einfach in ein schnelles Spiel in der Halle oder auf dem Freiplatz einsteigen.

Die meisten Möglichkeiten hat man definitiv im Karrieremodus, in dem es für Spieler der Next-Gen-Konsolen auch die größte Neuerung gibt: Die Stadt! Zu Beginn der Karriere zieht man dort nach der Highschool mit seinem besten Freund und Manager Rick hin, der in den zahlreichen Zwischensequenzen mit Charme und Humor auftritt.

Raus aus der Wohnungstür und rein in die riesige Stadt mit Open-World-Charakter kann man zu fast jedem Zeitpunkt in seiner Karriere, auch wenn man wegen möglichen Karriereschritten wie einem Trade eigentlich umgezogen sein müsste.

NBA 2K22: Stadt oder Kreuzfahrtschiff

Wer das Spiel auf dem PC, der PS4 oder der Xbox One spielt, findet sich zwar in der gleichen Wohnung mit Kumpel Rick wieder, ist mit einem Schritt nach draußen jedoch plötzlich auf einem Kreuzfahrtschiff, bei dessen Anblick jedem Hooper das Wasser im Mund zusammenlaufen würde.

Die Stadt ist zwar deutlich weitläufiger als das Schiff und beinhaltet gute Gags, beispielsweise kann man dort "Jake from State Farm" treffen, der aus lustigen Werbespots mit den NFL-Superstars Patrick Mahomes und Aaron Rodgers bekannt ist, und im State-Farm-Laden ausschließlich sein Outfit kaufen: Kakihosen und rote T-Shirts. Man kann sogar ins Studio gehen und rappen.

Alle für das Spiel essentiellen Locations gibt es jedoch auch zu hoher See, auf der "Cancha del Mar". Dazu gehören ein Fitnessstudio, halbe und ganze Courts, Courts, auf denen um sehr hohe Mengen an virtueller Währung gespielt werden kann und sogar Felder mit kleinen Trampolinen und speziellen Steuerungen.

Die virtuelle Währung erhält man hauptsächlich durch das Absolvieren von Spielen im eigentlichen Karrierepfad, man wird die hart erarbeiteten Münzen aber auch an jeder Ecke wieder schnell los. Wenn man kein zusätzliches reales Geld ausgibt, muss man sich gerade zu Beginn der Karriere entscheiden, ob man in seine Fähigkeiten auf dem Feld investieren will oder sich doch lieber ein lässiges neues Outfit oder ein schnelles Skateboard zulegt.

Das Skateboard und die anderen Fortbewegungsmittel wie Roller oder Inline-Skates sind in der großen Stadt nochmal deutlich wichtiger, auch weil es dort einmal in der Woche ein Rennen gibt, bei der einer der versammelten Spieler auf dem Server einen großen Preis gewinnen kann. Doch noch einmal zum Anfang: Wie beginnt die Karriere überhaupt?

NBA 2K22: Wie verläuft die Karriere?

Unabhängig vom Namen, den man seinem erstellten Spieler verpassen kann, wird man immer als "MP" angesprochen und ist als Baller bereits aus den sozialen Medien bekannt. Die erste Entscheidung, die getroffen werden muss: G-League oder College? Falls man sich für den Weg über die Hochschule entscheidet, hat man die Wahl zwischen Texas Tech, Michigan State, West Virginia, Oklahoma, UConn, Gonzaga, Syracuse, UCLA und Florida.

Bei UCLA kommt MP dann beispielsweise in folgende Ausgangslage: Die Bruins sind der 8. Seed im NCAA Tournament, er selbst wird zu diesem Zeitpunkt nur als mittlerer Zweitrundenpick im NBA Draft eingeschätzt. Mit einer Körpergroße von 2,08 Meter muss MP in der ersten Runde direkt den gegnerischen Starcenter verteidigen, der einen ganzen Kopf größer ist (2,30 Meter?!?) und in den Szenen nach dem Spiel plötzlich das Gesicht eines Ogers hat.

Mit jedem Sieg im Turnier steigt man, auch abhängig von der eigenen Leistung, auf den Draft Boards nach oben und bekommt angezeigt, welche Teams interessiert sind. Nach dem Turnier steht dann schon die Draft Combine an, gefolgt vom Draft selbst, den man sich in einer Cutscene gemeinsam mit seinem ersten Agenten oder seiner Agentin und Rick von der eigenen Couch anschaut.

Hier gilt bei 2K22: Auf den Next-Gen-Konsolen hat man etwas mehr Mitspracherecht zu Beginn der Karriere und könnte nach dem College sogar unsinnigerweise noch in die G-League gehen oder die Combine überspringen. Auf allen anderen Geräten ist der Pfad über das College zum NBA Draft vorgesehen. Bleibt noch die Frage, wie sich das tatsächliche Gameplay verändert hat.

NBA 2K22: Macht Defense jetzt etwa Spaß?

Von den versprochenen neuen Möglichkeiten in der Defense ist zu Beginn der Karriere nur gelegentlich bei den Blockanimationen etwas zu sehen, insgesamt wirkt die Kontrolle eines einzelnen Spielers noch sehr unverändert. Das mag daran liegen, dass MP zu Beginn seiner Karriere nur Spezialist in einem Bereich ist und insgesamt noch ziemlich niedrige Werte hat.

In einem Duell zwischen Kyrie Irving und Gary Payton oder Shaquille O'Neal und David Robinson im normalen Spielmodus ist von den neuen Interaktionen zwischen den Angreifern und Verteidigern schon eher etwas zu spüren.

Mit Kyrie kann man die verschiedenen Dribblemoves schneller und geschmeidiger als in Vorjahren aneinanderreihen, großartige Verteidiger wie Robinson können auch nach bestimmten Dunk-Animationen von Kraftprotzen wie Shaq noch den Korberfolg verhindern.

Die Anpassungen des Gameplays in 2K22 scheinen so zu funktionieren, dass fortgeschrittene Skills am Controller oder der Tastatur jetzt häufiger belohnt werden. Wer dauernd schwierige Manöver versucht, wird aber auch öfter scheitern, in Offense und Defense zugleich. Das Verhältnis zwischen Risiko und Belohnung liegt damit also auf einer breiteren Spanne, was für langjährige Zocker durchaus spannend sein sollte.

NBA 2K22: Zu viel Liebe für den Karrieremodus?

Für Gelegenheitsspieler ist es dagegen noch immer schwierig und frustrierend, seinen Charakter oder sein Team konstant genau das machen zu lassen, was man wirklich geplant hat. In einer jeweils gleich bleibenden Situation scheint der gleiche Spieler beispielsweise zu 15 Layups hochzugehen, dazwischen stoppt er jedoch auch fünfmal aus vollem Lauf ab für einen komischen Jumpshot in direkter Ringnähe.

Die Entwickler scheinen wie schon in den Vorjahren die meiste Zeit und Liebe in den Karrieremodus gesteckt zu haben, der sich auch gerade in den ersten Spielstundenecht echt sehen lassen kann, unabhängig von der Konsole. Die Grafik ist super, die Cutszenen sind detailliert und voll mit authentischen und lustigen Charakteren, die man im Laufe seiner Karriere kennenlernen kann. Mit neuem Outfit auf dem Skateboard anzugeben oder mit anderen Spielern ein paar Runden Pick-Up-Ball in der Stadt zu zocken, macht einfach Spaß.

Spaß machen auch die neuen Inhalte in den anderen Spielmodi, die es wie jedes Jahr gibt. Dort gab es jedoch kaum nennenswerte Änderungen in den Strukturen. Abgesehen von einigen Hardcore-Fans werden diese Modi die große Masse an Spielern vermutlich nicht über längere Zeit begeistern können.

Dementsprechend bleibt es abzuwarten, ob die Entwickler mit den vielen coolen Orten und Ereignissen in der interaktiven Umgebung des Karrieremodus ihr Pulver schon verschossen haben oder regelmäßig neue Inhalte herausbringen werden, um das Spiel auch über die ersten Wochen hinweg spannend zu halten.

NBA 2K22 ist seit Freitag (10. September) in gängigen Geschäften und Versandhäusern für Playstation 5, Playstadion 4, Xbox Series X (und S), Xbox One und PC zur unverbindlichen Preisempfehlung von 74,99 Euro (Next-Gen-Konsolen), 69,99 Euro (andere Konsolen) oder 59,99 Euro (PC) erhältlich. Zusätzlich gibt es das Spiel auch in den Onlineshops der jeweiligen Plattformen.

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