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NBA Playoffs, Dallas Mavericks - Dorian Finney-Smiths Entwicklung bei den Mavs: Die Trümmer des Erfolgs

Dorian Finney-Smith (r.) legte in Spiel 1 gegen die Clippers 18 Punkte auf und versenkte 4 Dreier.

Nach dem 113:103-Auftaktsieg der Dallas Mavericks in den Playoffs gegen die L.A. Clippers lag ein Großteil des Scheinwerferlichts natürlich auf Luka Doncic. Doch auch die Rollenspieler lieferten in Spiel 1 ab. Darunter Dorian Finney-Smith, der nach einem Ausflug ins Shooting-Labor endlich beide Komponenten eines fähigen 3-and-D-Spezialisten vereint.

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Manchmal muss man erst etwas zerstören, um aus den Trümmern etwas Neues, etwas Schönes zu erschaffen. Bei Dorian Finney-Smith war es der Sprungwurf. "Er hat seinen Jumper komplett niedergerissen und seitdem von Grund auf neu aufgebaut", erinnerte sich Mavs-Coach Rick Carlisle vor wenigen Jahren bei The Athletic.

Im Sommer 2017 war das, als Finney-Smith den Bulldozer herausholte, in seinem Gehirn den Bereich, der für das Werfen eines Basketballs zuständig ist, platt machte, und sich einen neuen Jumper antrainierte. Damals war er ein ungedrafteter No-Name, der gerade seine Rookie-Saison in einem 33-Siege-Team in Dallas abgeschlossen hatte. Sowohl die Mavs als auch Finney-Smith haben seither eine steile Entwicklung hingelegt.

"Über die vergangenen vier, fünf Jahre gehört er zu den Spielern, die sich in der NBA am meisten verbessert haben", sagt Carlisle heute. "Das ist stufenweise geschehen, deshalb wurde er nie in den Debatten um den Most Improved Player genannt. Er ist ein furchtloser Wettkämpfer und hat einen tollen Glauben an sich selbst." Und mehr noch: "Sein Shooting aus der Distanz war heute ein absoluter Schlüssel zum Sieg."

Diese Lobeshymne lässt der 61-Jährige nach Spiel 1 der Erstrundenserie gegen die L.A. Clippers am vergangenen Samstag auf Finney-Smith regnen. Der Forward hat soeben einen wichtigen Teil zum 113:103-Auftaktsieg der Texaner gegen den Favoriten beigetragen, als unangefochtener Starter eines Playoff-Teams. Diesen Status musste er sich im Laufe seiner Karriere allerdings hart erarbeiten.

Mavs-Forward Finney-Smith: "Zufluchtsort" Basketballplatz

"Doe-Doe", wie er von seiner Mutter genannt wird, wächst als jüngstes von sechs Kindern von Desiree Finney in Virginia auf. Die alleinerziehende Mutter hält die Familie mit Jobs als Putzkraft über Wasser und finanziert so die zahlreichen Trips zu den Sportveranstaltungen der Kinder. Das sportliche Talent liegt in der Familie, von den sechs Kindern erhalten vier ein College-Stipendium.

Doch als Dorian gerade einmal 15 Jahre alt ist, wird sein älterer Bruder Ra-Shawn vor seinen Augen erschossen. Sieben Mal feuert der Schütze, er trifft ihn im Arm, in der Schulter und in der Brust. "Ich war ohnehin schon eine introvertierte Person, aber dann habe ich mich komplett abgeschottet", erinnert sich Dorian später gegenüber nba.com. "Ich habe mich niemandem gegenüber geöffnet." Stattdessen verarbeitet er seine Trauer auf dem Basketballplatz, seinem "Zufluchtsort", wie er selbst sagt. "Ich kann es auch nicht erklären, aber das Jahr, als er von uns ging, war mein Durchbruch."

Finney-Smith führt seine High School in Portsmouth, Virginia, zu zwei State-Championships. Gleichzeitig wird er bereits im Alter von 16 Jahren Vater einer Tochter. Auf einmal ist Basketball mehr als nur eine Ablenkung, nun ist der Sport eine potenzielle Option, die Familie zu ernähren.

Nach nur einer Saison am College für Virginia Tech wird sein dortiger Coach entlassen und er wechselt nach Florida, um unter Billy Donovan zu spielen. Erst in seiner Zeit bei den Gators schafft er es, sich seinen Teamkollegen zu öffnen und den Tod seines Bruders zu verarbeiten. Auch sportlich läuft es nicht schlecht. In seinem Senior-Jahr ist Finney-Smith Topscorer seines Teams (14,7 Punkte und 8,3 Rebounds) und schafft es ins All-SEC Second Team.

Dorian Finney-Smith: Ab ins Shooting-Labor

Die Belohnung im Draft 2016 bleibt allerdings aus. Erst mit guten Auftritten in der Summer League erspielt sich der 2,01-Meter-Mann einen Vertrag bei den Mavs. In seiner Rookie-Saison kommt er in 81 Einsätzen auf 20,3 Minuten im Schnitt. Die Ansätze eines 3-and-D-Flügels sind zu erahnen, allerdings in erster Linie dank der starken Defense. Den zweiten Teil des Jobprofils, das Shooting, füllt DFS mehr schlecht als recht aus.

In der darauffolgenden Offseason bringt Carlisle ihn mit dem Individual-Coach Damon Archibald zusammen. Eine Woche lang arbeiten die beiden zweimal pro Tag am Dreier des jungen Mavs-Forwards und basteln an einer neuen Wurfmechanik: Finney-Smith nimmt nun beim Wurf den Ball nicht mehr so weit hinter den Kopf, feilt an seiner Fußarbeit, bringt einen höheren Bogen in die Flugkurve und wird in der gesamten Bewegung schneller.

In seiner Kindheit hat er noch seine Mutter im Nacken sitzen, die ihn und seine Geschwister bei jedem vergebenen Freiwurf oder Korbleger wie ein "Drill Sergeant", wie Desiree selbst zugibt, anbrüllt. Nun sind es in erster Linie die Gedanken an den verstorbenen Bruder, die seinen Arbeitseifer untermauern: "Er hatte diesen Drive, den ich auch wollte. Er hat Football gespielt und ist anschließend einmal quer durchs Land gerannt, einfach weil er die Arbeit liebte. Das bin ich heute. Ich versuche nicht, den leichten Weg zu gehen."

Die Entwicklung des Jumpshots setzt sich in Dallas unter Shooting-Coach Peter Patton fort, wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten. Nach einer Rookie-Saison mit 29,3 Prozent Dreierquote legt er trotz der Arbeit im Sommer in seinem zweiten Jahr, in dem er zusätzlich verletzungsbedingt lange ausfällt, nur magere 29,9 Prozent von Downtown auf. "Das war hart, weil trotz der Veränderungen die Resultate nicht sofort da waren", sagt Finney-Smith rückblickend. "Dann wollen die meisten zurück zu ihrer alten Wurfbewegung." Finney-Smith bleibt aber bei seinem neuen Jumper. Gut so.

Mavs: Finney-Smith kratzt an 40 Prozent Dreierquote

In den folgenden Jahren steigert er seine Quote aus der Distanz kontinuierlich. In der abgelaufenen Regular Season kratzt er sogar an der Marke von 40 Prozent - und das bei 5 Versuchen pro Partie. So ist Finney-Smith mit 4 Mio. Dollar pro Jahr bis 2022 mittlerweile ein echtes Schnäppchen für Dallas. Fast jeder seiner Dreier kommt dabei aus dem Catch and Shoot, 80 Prozent seiner Treffer gehen ein Assist voraus. Die meisten davon kommen von Luka Doncic.

Der Slowene zieht den Fokus der gegnerischen Verteidigung auf sich und öffnet somit Räume für die Teamkollegen. "Wenn Luka in Fahrt kommt, dann versuche ich einfach, bereit zu sein, denn ich weiß, dass sie beginnen werden, ihn zu trappen", erklärt Finney-Smith nach Spiel 1 gegen die Clippers. "Ich weiß, dass sie irgendwann zwei Spieler auf Luka schicken werden. Dann findet er uns, wenn wir offen sind. Man muss einfach für den Wurf bereit sein."

Genau so lief es im Auftaktspiel in Los Angeles. Doncic passte aus den - teils schlampig ausgeführten - Double-Teams der Clippers heraus und spätestens nach einem Extra-Pass (den auch Finney-Smith spielen kann) stand einer der Schützen der Mavericks frei. Das war unter anderem Tim Hardaway Jr. (21, 5/9 Dreier) oder eben "Doe-Doe", der 18 Zähler bei 4/5 von Downtown auflegte, inklusive eins enorm wichtigen Triples gut drei Minuten vor dem Ende, der die Mavs mit 103:100 auf die Siegerstraße brachte.

Trotz seiner starken Quoten in der regulären Saison nehmen die meisten Defenses Finney-Smith aber weiterhin nicht ernst. 4,2 seiner 5,0 Dreierversuche pro Partie werden als "weit-offen" deklariert, was der Quote natürlich zusätzlich guttut. In Spiel 1 parkten die Clippers oftmals Center Ivica Zubac bei Finney-Smith und ließen ihn offen stehen, wenn sein Verteidiger anderswo zur Hilfe eilte.

NBA: Die Entwicklung der Wurfquoten von Dorian Finney-Smith bei den Mavs

SaisonSpiele / MinutePunkteFG%3FG%3PM/3PA
2016/1781 / 20,34,337,229,30,7/2,4
2017/1821 / 21,35,938,029,91,0/3,2
2018/1981 / 24,57,543,231,11,0/3,1
2019/2071 / 29,99,546,637,61,6/4,3
2020/2160 / 32,09,847,239,42,0/5,0

Finney-Smith bei den Mavs: Endlich passen beide Komponenten

So zwang L.A. die Rollenspieler der Mavs sie zu schlagen - das taten sie in Spiel 1 mit Bravour, doch gelingt Finney-Smith, Hardaway Jr. und Co. dies auch über eine komplette Serie? Die Clippers werden darauf setzen, dass die Antwort "Nein" lautet, schließlich werden sie auch weiterhin lieber DFS offene Würfe geben als Doncic. Und abseits von seinem Shooting hat er weiterhin zahlreiche Schwachstellen in seinem Offensiv-Spiel.

Doch auch wenn der Dreier mal nicht fallen sollte, ist Finney-Smith mit seiner Defense ein wichtiger Bestandteil im Erfolgsrezept der Mavs. In Spiel 1 machte er beispielsweise einen sehr guten Job gegen Paul George, der Mavs-Forward übernahm die Aufgabe als Hauptverteidiger von PG-13 und hielt ihn laut nba.com/stats in sieben Minuten des direkten Matchups bei 2/6 aus dem Feld (und 4 Freiwürfen).

"Luka ist ein großartiger Spieler, K.P. (Kristaps Porzingis, Anm. d. Red.) ist ein großartiger Spieler. Aber als Team wissen wir, dass jeder seinen Beitrag leisten muss", betonte Carlisle die Bedeutung des Supporting Casts der Mavs. Dass bei Finney-Smith nun endlich beide Komponenten eines brauchbaren 3-and-D-Spezialisten passen, ist dabei eine große Hilfe.

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