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NBA Above the Break - Takeaways vom Saisonstart: Trae Youngs Freiwürfe, Bostons Layups und die Probleme der Warriors

Jayson Tatum und Jaylen Brown übernehmen in Boston ohne Kemba Walker noch mehr Verantwortung.

Seit knapp zwei Wochen ist die neue NBA-Saison im Gange und hat schon etliche Blowouts sowie interessante Entwicklungen bei Teams und Spielern hervorgebracht. Above the Break präsentiert eine erste Auswahl mitsamt Einordnungen.

Die ersten Wochen sind in jeder Saison eine Phase der Überreaktionen; in jede Statistik, jeden Blowout wird alles Mögliche hineininterpretiert, was dann womöglich nach wenigen Wochen wieder umgestürzt oder verworfen werden muss. Jedes Jahr gibt es dafür mal mehr, mal weniger einprägsame Beispiele.

Erinnert sich noch jemand an die Process-Sixers, die im ersten Saisonspiel hinter 22 Punkten, 12 Assists, 9 Steals und 7 Rebounds von Rookie Michael Carter-Williams 2013 den amtierenden Meister Miami Heat besiegten und danach auch noch die nächsten beiden Spiele gewannen? Nein? Dann liegt das vermutlich daran, dass in der Folge nur noch 16 Siege in der gesamten Spielzeit hinzukamen.

Der Saisonstart ist also mit Vorsicht zu genießen und in dieser Saison scheint das ganz besonders stark zu gelten. Einige Faktoren haben dazu beigetragen, dass in den knapp zwei Wochen dieser Spielzeit allein schon eine Heerschar an Blowouts gefeiert wurde, darunter die 51-Punkte-Abschlachtung der Clippers seitens der Mavs und der 47-Punkte-Auswärtssieg Milwaukees in Miami. Eine Auswahl:

  • Die kurze Saisonvorbereitung: Keine Summer League, eine sehr kurze Preseason und ein Training Camp, das aufgrund von COVID-19 bei etlichen Teams nicht mit voller Kapelle stattfinden konnte, sorgen zumindest dem Eindruck nach für weniger Automatismen und Kohärenz bei vielen Teams, insbesondere denen, die viele neue Spieler integrieren müssen. Auch die Fitness einiger Spieler ist beeinträchtigt, nicht nur bei den offensichtlichen Beispielen (L. Doncic).
  • Der veränderte Spielplan: 72 Spiele, die in einen ziemlich kurzen Zeitraum gepresst werden, sorgen fast schon zwangsweise dafür, dass nicht jede Partie mit dem gleichen Einsatz und der gleichen Konzentration angegangen werden kann, geschweige denn mit dem identischen Kader. Was hinzukommt: Viel häufiger als sonst spielen Teams nun zweimal in Folge gegeneinander, um Reisestrapazen zu minimieren. Die "Chance auf Wiedergutmachung" liegt so nah, limitiert das die Bereitschaft zum Aufbäumen bei -20 im dritten Viertel, und auch die Bereitschaft für Adjustierungen?
  • Wenig bis keine Zuschauer: Dieser Aspekt ist natürlich etwas spekulativ, schon in der Disney-Bubble allerdings haben sich die veränderten Bedingungen unter anderem durch eine andere Tiefenwahrnehmung und weniger Fremdeinflüsse teilweise positiv auf das Shooting ausgewirkt. Gerade der Sieg Milwaukees in Miami wäre ohne absurdes Shooting nicht möglich gewesen, 29 getroffene Dreier waren nicht aus Zufall ein NBA-Rekord. Gleichzeitig könnten Heim-Fans womöglich natürlich auch bei stolzen Teams wie den Heat noch einen gewissen Unterschied machen.

Auch hier ist aber zu erwähnen, dass der Faktor Zufall eine Rolle spielen kann - womöglich normalisieren sich die Ergebnisse in den kommenden Wochen etwas stärker. Für den Moment jedenfalls sind etliche Statistiken zum frühen Zeitpunkt noch weniger zu gebrauchen als sonst, wo die kleine Stichprobe ohnehin schon so eine große Rolle spielt.

Zur Veranschaulichung: Die Clippers stehen über die Saison bisher bei einem recht positiven Net-Rating von +3,5 (also der Punktedifferenz pro 100 Ballbesitzen). Rechnet man die -52,9 (!!!) aus dem Mavs-Spiel heraus, steht man allerdings schon bei +16,7, was der beste Wert der NBA-Geschichte wäre. Will sagen: Es wird noch eine Weile dauern, bis die Aussagekraft solcher Zahlen wirklich gegeben ist.

In der Folge blicken wir nun dennoch auf einige Trends und Entwicklungen der ersten Saisonwochen und evaluieren, inwieweit diese haltbar sind oder nicht.

Trae Young und sein Leben an der Freiwurflinie

Viel wurde über die Offseason von den offensiven Verstärkungen der Hawks gesprochen. Und siehe da, tatsächlich stellte Atlanta bisher eine der besten Offensiven der Liga (116,7 nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Cleveland). So gut wird es nicht bleiben, einige Stärken sind aber offenkundig und sollten den Hawks über die gesamte Spielzeit zu einem starken Angriff verhelfen.

Alles beginnt dabei mit Trae Young, der sein Spiel auch aufgrund der zusätzlichen Unterstützung auf einen neuen Level gehoben hat. Der Point Guard hat mehr Platz und nutzt diesen meisterhaft; vor allem aber scheint er in der Offseason diverse Videos von Chris Paul, James Harden und Jimmy Butler gesehen zu haben. Young lebt an der Freiwurflinie.

In den ersten vier Saisonspielen nahm Young unfassbare 62 Freiwürfe; trotz seiner geringen Größe und nicht unbedingt beeindruckender Explosivität kommt er an jeden Ort auf dem Court und manipuliert Verteidiger sowie Schiedsrichter genug, um ihm genau das zu geben, was er haben will.

Die Wendigkeit, gepaart mit dem von überall gefährlichen Wurf sorgt für Panik und teils sehr unbeholfene Defense. Wie Young sich auf dem Court bewegt, gibt nicht nur seinen Gegenspielern Rätseln auf.

Die Art, wie Young Fouls schindet, wird so indes womöglich nicht ewig funktionieren. Beispielsweise hat er sich angewöhnt, sich nach dem Pick'n'Roll vor den Verteidiger zu schieben, der ihn verfolgt, und dann einfach stehenzubleiben oder hochzuspringen und sein Hinterteil auszufahren; das verschafft ihm derzeit Freiwürfe, der Verteidiger hat aber keinerlei Ausweichmöglichkeit.

Nicht nur Steve Nash schimpfte während dem Offensivspektakel zwischen seinen Nets und den Hawks mehrfach darüber, dass dies "kein Basketball" sei. NBA-Refs brauchen oft eine Weile und bis zur einheitlichen Linie dauert es womöglich noch (ein Beispiel: Daniel Theis' patentierter "Seal-Screen" wird neuerdings manchmal als Offensivfoul abgepfiffen, manchmal aber auch nicht), aber mit der Zeit könnte dieses Play vielleicht auf der schwarzen Liste landen, zumindest in der Version, in der sich Young aktiv nach hinten bewegt.

Wie dem auch sei: Young zog schon vergangene Saison 9,3 Freebies pro Spiel. Es ist eine offensichtliche Stärke des früheren Sooners, der sich langsam zu einem der besten Offensivspieler der Liga entwickelt.

Young bewegt sich bei den Hawks noch immer recht wenig abseits des Balles und kann hier noch dazulernen, aus dem Pick'n'Roll gehört er aber schon jetzt zu den gefährlichsten Spielern der Association. Auf diesem Fundament kann die Hawks-Offense auch in Zukunft weiter bauen.

SaisonSpielePunkteFG%3FG%FT%FTAAssists
18/198119,141,832,482,95,18,1
19/206029,643,736,1869,39,3
20/21628,245,236,188,611,78,3
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