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NBA-Legendenserie - Paul Arizin: Wie ein Pionier der jungen NBA den Sprungwurf salonfähig machte

Paul Arizin war in seinen zehn Spielzeiten in der NBA einer der besten Scorer seiner Generation.

Heute kaum vorstellbar, doch in den Anfangsjahren der NBA war der Sprungwurf verpönt. Erst als Paul Arizin das Scoring in den 1950er-Jahren dominierte, machte er den Jump-Shot salonfähig. Dabei schien seine Profi-Laufbahn eigentlich schon nach der High School vorbei zu sein.

In unserem Legenden-Archiv findet Ihr alle Porträts zu den Größen der NBA.

Es muss ein merkwürdiger Anblick gewesen sein, Paul Arizin auf einem Basketball-Court zu beobachten. Immer und immer wieder näherte sich der Forward mit ein oder zwei Dribblings der Zone, nur um dann aber doch bereits ein ganz Stück vor der Freiwurflinie in die Luft zu steigen - beide Beine stark angewinkelt - und einen Wurf auf die Reise zu schicken.

Ein Sprungwurf? So etwas bekamen die NBA-Fans in den 1950er-Jahren nur äußerst selten zu Gesicht. Außer sie sahen eben jenen Paul Arizin spielen. Gemeinsam mit George Mikan, Bob Cousy oder Dolph Schayes war er einer der ersten Legenden des Mitte des 20. Jahrhunderts stetig wachsenden Sports.

Arizin war ein Hall of Famer, einer der beste Scorer seiner Ära und doch immer ein wenig verborgen im Schatten der Mikans und Cousys. Dabei war er nichts geringeres als ein Pionier. Dank eines simplen Wurfs aus dem Sprung heraus.

Paul Arizin: Zu schlecht fürs High-School-Team

Der Sohn einer irischen Mutter und eines französischen Vaters kommt am 9. April 1928 in Philadelphia zur Welt. Der Start seiner basketballerischen Laufbahn wird von seinem damaligen High-School-Coach jedoch im Keim erstickt. Der junge Arizin kommt kaum zum Einsatz und wird schließlich aus dem Team geworfen. Angeblich ist er nicht gut genug.

An seiner Begeisterung für Sport im Allgemeinen und Basketball im Speziellen ändert die Beurteilung des Coaches aber nichts. Stattdessen geht Arizin in unabhängigen Ligen seiner Leidenschaft nach. Zeitweise läuft er für sechs oder sieben Teams gleichzeitig auf, absolviert zwei Spiele am Tag. "Ich habe das einfach gemacht, weil ich es geliebt habe, zu spielen", sagte Arizin einmal gegenüber dem Christian Science Monitor.

Zu dieser zeigt entdeckt er den Jump-Shot für sich. Mehr notgedrungen als aus einem Erfindergeist heraus verabschiedet sich Arizin von dem damals universell anerkannten Standwurf. "Manche unserer Spiele absolvierten wir auf Tanzböden. Das war ziemlich rutschig", erklärte Arizin gegenüber NBA.com.

"Als ich aus dem Stand geworfen habe, hat es meine Füße weggezogen. Also bin ich gesprungen." Die Logik dahinter ist simpel: Mit seinen Füßen in der Luft muss sich Arizin keine Sorgen mehr machen, die Bodenhaftung zu verlieren. "Je öfter ich das gemacht habe, desto besser wurde ich. Bevor ich es gemerkt habe, waren alle meine Würfe Sprungwürfe."

Vom normalen Student zum 85-Punkte-Scorer

Und viele davon landen im Korb. 1946 schreibt sich Arizin als "normaler" Student an der Villanova University nicht weit von seiner Heimatstadt entfernt ein. Er studiert Chemie, bereitet sich auf ein normales Leben mit einem normalen Job vor.

Ein Jahr später entdeckt jedoch Al Severance, der Basketball-Coach des Colleges, einen großgewachsenen, jungen Mann mit einem Jump-Shot auf den Freiplätzen der Stadt. Ob er sich nicht an der Universität einschreiben möchte, fragt Severance. "Ich bin doch schon da", antwortet Arizin.

Von nun an ist der Forward Teil des College-Teams und die Basketball-Karriere nimmt so richtig an Fahrt auf. Arizins Fähigkeiten als Scorer sind schon damals offenkundig, in seinem letzten Jahr an der Universität wird er zum Sporting News College Player of the Year ernannt. Sein Bewerbungsschreiben für die NBA enthält unter anderem eine 85-Punkte-Explosion, wenn auch gegen ein niederklassiges College.

Paul Arizin: In zweiten Jahr zum Star

Im Draft 1950 lassen sich die Philadelphia Warriors den Lokalhelden nicht entgehen. Mit ihrem Territorial Pick, der es den Teams bis 1966 erlaubte, unabhängig der eigentlichen Draft-Position einen beliebigen Spieler von Colleges aus der näheren Umgebung ins Team zu holen, sichert sich der erste Meister der Basketball Association of America die Dienste des damals 22-Jährigen.

Hätte es damals schon den Award für den Rookie of the Year gegeben (die Auszeichnung wurde 1953 erstmals vergeben), Paul Joseph Arizin wäre ein heißer Anwärter gewesen. Doch spätestens in seinem zweiten Jahr in der jungen, mittlerweile als NBA bekannten Liga steigt er endgültig zum Star auf.

Mit 25,4 Punkten pro Spiel führt Arizin die komplette Association im Scoring an. Bis dato hatten nur Mikan und Teamkollege Joe Fulks einen höheren Punkteschnitt in einer Saison vorzuweisen. Es ist erst der Anfang. Arizin wird noch viele weitere Jahre seine Gegner in der NBA mit seinem Sprungwurf terrorisieren.

Der Jump-Shot? Nicht zu verteidigen!

"Ich war definitiv nicht der erste mit einem Jump-Shot", betonte Arizin einmal in einem Beitrag für NBA TV. Vor ihm waren schon in den 20er- und 30er-Jahren vereinzelte Spieler mit dieser merkwürdigen Angewohnheit aufgefallen. Auch Teamkollege "Jumpin' Joe" Fulks, der von 1946 bis 1954 für die Warriors auflief und Mitglied der Hall of Fame ist, hatte einen gefährlichen Sprungwurf im Arsenal, wie sein Spitzname eindrucksvoll beweist.

Doch Fulks, Arizin und Co. sind in den 1950ern immer noch eine Ausnahme. Nur wenige Spieler haben zu dieser Zeit einen Jump-Shot im Repertoire, kaum einer meistert ihn so sehr wie Arizin. Erhebt sich der 1,93-Meter-Mann in die Lüfte, ist er kaum zu verteidigen.

"Ich hatte einen Größenvorteil von etwa zwölf Zentimetern", erinnert sich Syracuse-Big Red Rocha gegenüber ESPN. "Aber das hat nie gereicht, wenn er für seinen Wurf hochgesprungen ist." Joe Lapchick, ehemaliger Coach der New York Knicks, soll Arizins Jumper einmal mit einem Gemälde von Renoir oder Rembrandt verglichen haben: "Es war reine Perfektion."

Wieder andere zeigen sich wenig begeistert von Arizins Markenzeichen. "Der Jump-Shot ist das schlimmste, was dem Basketball in den vergangenen zehn Jahren passiert ist", erklärt Celtics-Legende Cousy 1963 gegenüber der Associated Press. Aus heutiger Sicht durchaus eine Fehleinschätzung.

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