Olympia

Karsch holt Sensationssilber mit Sportpistole

SID
Monika Karsch geriet im Finale schnell ins Hintertreffen

Monika Karsch senkte die Pistole und fiel ihrer Gegnerin nach dem denkwürdigen Duell um Gold lachend in die Arme. Dass die Sportschützin aus Regensburg gerade im "Shootout" mit der Griechin Anna Korakaki olympisches Gold in Rio hauchdünn verpasst hatte, schien sie nicht im Geringsten zu stören.

Mit Tränen in den Augen feierte sie ihren Coup und vollführte noch während der Siegerehrung Freudensprünge.

"Meine Augen sind noch feucht vor Glück. Ich bin einfach nur froh. Es war schon ein Traum für mich, überhaupt hierher zu kommen. Das ist unglaublich, unbeschreiblich", sagte Karsch.

Um ein Haar wäre sie gar nicht in Rio dabei gewesen. Das Olympia-Ticket war ein Geschenk des Verbandes gewesen, in Rio zahlte sie das Vertrauen zurück, auch wenn es im Finale ganz knapp nicht zu Gold reichte. Karsch war's nach dem bislang größten Erfolg ihrer Karriere völlig egal.

Mit der sicheren Medaille im Rücken war sie vor dem Finale gegen Korakaki, die sie aus der Bundesliga kennt, mit einem breiten Grinsen an den Schießstand getreten. Die Sportsoldatin setzte die Schutzbrille auf, zog die schwarz-rot-goldenen Kopfhörer über die Ohren und hauchte einen Kuss in die Kamera, bevor sie hochkonzentriert die schwarzen Zielscheiben ins Visier nahm.

Im Finale schnell weit zurück

Dort lief zunächst nichts wie geplant. Von den ersten sieben Schüssen traf nur einer das Ziel, Korakaki zog nach Punkten schnell auf 6:0 davon. Doch Karsch kämpfte, legte eine Serie hin und glich zum 6:6 aus, bevor die Griechin das entscheidende Duell für sich entschied und 8:6 gewann.

Nach dem Silber-Coup pusteten auch die Verantwortlichen des deutschen Verbandes kräftig durch, denn Karsch befreite den in London medaillenlosen DSB vom großen Erfolgsdruck. Auch der zu Tagesbeginn tief enttäuschte Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) durfte nach zwei Erfolgen der Vielseitigkeitsreiter ein weiteres Mal jubeln.

Im Halbfinale hatte sich die Qualifikations-Vierte Karsch zu Beginn ebenfalls zu viele Fehlschüsse geleistet, anschließend aber deutlich präziser gezielt. Karsch blieb im Rennen um die Qualifikation für die Medaillenduelle - und auch in der letzten von fünf Serien zu je fünf Schüssen cool. Mit dem letzten erfolgreichen Schuss besiegelte sie die Teilnahme am Duell um Gold. Schon da sammelte Karsch einen Haufen Sympathiepunkte: Überwältigt riss sie die Arme in die Höhe, hüpfte um den Schießstand und fiel ihrer Finalgegnerin um den Hals.

"Denen muss ich jetzt einen ausgeben"

Karsch hatte sich als Vierte der Qualifikation für die Vorschlussrunde qualifiziert. Nach dem Präzisionsdurchgang lag sie auf dem 15. Platz, zeigte sich im folgenden Duelldurchgang aber stark verbessert und kletterte in der Rangliste nach oben.

Dass Karsch in Rio überhaupt starten konnte, verdankt sie einem Winkelzug des DSB: Die Regensburgerin hatte sich nicht für die Spiele qualifiziert, profitierte letztlich aber vom Erfolg der Gewehrschützen. Da in den Gewehrwettbewerben jeweils ein Doppelstarter (Barbara Engleder und Daniel Brodmeier) vertreten ist, beantragte der DSB beim Weltverband ISSF erfolgreich einen Tausch des Quotenplatzes. Karsch: "Denen muss ich jetzt richtig einen ausgeben. Das wird richtig teuer für mich."

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