Olympia

Bolt fehlt ein Gold zum Triple-Triple

SID
Usain Bolt (M.) sicherte sich überlegen Gold über die 200 Meter

Superstar Usain Bolt (Jamaika) hat bei den Olympischen Spielen seine zweite von drei möglichen Goldmedaillen gewonnen. Der 29-Jährige kürte sich in 19,78 Sekunden als erster Sprinter der Geschichte zum dritten Mal in Serie zum Olympiasieger über 200 m. Silber holte wie schon über 100 m der Kanadier Andre de Grasse in 20,02 Sekunden vor dem Franzosen Christophe Lemaitre (20,12).

Usain Bolt biss die Zähne zusammen, er warf sich mit vorgerecktem Kopf und letzter Kraft über die Ziellinie. Auf dem Weg zur sportlichen Unsterblichkeit hatte der Superstar mehr Mühe als erwartet, doch wirklich rütteln am Thron des Sprintkönigs konnte keiner seiner Konkurrenten.

"Die Leute hier haben mir so viel Energie gegeben, so viel Liebe, das fühlt sich großartig an", sagte Bolt nach seinem achten Olympiasieg. Zu Hause in Jamaika spielten "die Leute jetzt sicher verrückt", ergänzte er.

Letztlich sicherte sich Bolt in Rio doch recht souverän seine zweite von drei möglichen Goldmedaillen. Mit persönlicher Jahresbestleistung von 19,78 Sekunden kürte sich der 29-Jährige als erster Sprinter der Geschichte zum dritten Mal in Serie zum Olympiasieger über 200 m. Die eher schwache Zeit, fast sechs Zehntelsekunden über seinem Weltrekord (19,19), schien ihn aber zu ärgern.

Es war die langsamste Zeit, mit der Bolt jemals ein Finale über seine erklärte Lieblingsstrecke gewann. Doch die Fans im Olympiastadion feierten ihren Helden mit Sprechchören. Und so wich bei Bolt die Unzufriedenheit bald der gewohnten Lässigkeit. Wie nach seinem Triumph über 100 m genoss er das Bad in der Menge, schoss Selfies und winkte immer wieder lächelnd ins Publikum.

Sensationssilber an Lemaitre

Hinter Bolt holte sich Andre de Grasse, Olympiadritter über 100 m aus Kanada (20,02), mit gebührendem Abstand die Silbermedaille. Bronze ging an Christophe Lemaitre aus Frankreich (20,12). Bolts eigentlich schärfster Rivale, der US-Amerikaner Justin Gatlin, war überraschend im Halbfinale wegen Knöchelproblemen gescheitert.

Seit der WM 2007 (Silber hinter Tyson Gay) vor neun Jahren hat Olympiasieger Bolt kein großes Finale mehr über die 200 m verloren. "Das ist mein Baby", sagt der Weltrekordler über die halbe Stadionrunde.

Bolt peilt nun endgültig das Triple-Triple an: Den dritten Gold-Hattrick über 100 m, 200 m und 4x100 m nach 2008 und 2012. Mit dann neun Goldmedaillen würde er mit dem Finnen Paavo Nurmi (1920 bis 1928) und Carl Lewis aus den USA (1984 bis 1996) gleichziehen. Das Finale in der Staffel, Bolts letzter Auftritt auf der großen Bühne Olympia, steigt am Freitag (22.35 Uhr OZ/03.25 Uhr MESZ). "Ich freue mich darauf, wiederzukommen, und werde euch eine großartige Show liefern", sagte Bolt.

Bereits vor dem Rennen präsentierte sich Bolt siegesgewiss und völlig entspannt. Mit dicken Kopfhörern über seiner schwarzen Basecap tanzte und rappte er vor seinen "Gegnern". Bolt sang, Bolt warf die Hände durch die Luft, er hüpfte und wackelte mit den Hüften, scherzte mit seinem neuen Buddy de Grasse, breitete beim Betreten des Stadions die Arme aus - und dann machte er ernst: Und "Lightning Bolt", der Blitz, schlug wieder ein.

Gold nach Müller-Wohlfahrt

Schon über die 100 m (9,81) hatte der Mann aus Trelawny gezeigt, dass er in Rio nicht zu schlagen sein würde. Dabei hatte er während der Saison immer wieder mit Verletzungsproblemen zu kämpfen, die jamaikanischen Ausscheidungen hatte Bolt wegen Muskelbeschwerden abbrechen müssen. Erst nach einem Besuch bei seinem Lieblingsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, dem Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, waren die Probleme behoben. Und am Ende war es wie immer: Bolt gewann.

"Alles andere als drei Goldmedaillen wären eine Enttäuschung", hatte Bolt über seine Olympia-Mission nach dem Triumph über 100 m gemeint: "Jemand hat gesagt, ich kann unsterblich werden. Ich brauche noch zwei Goldmedaillen, dann kann ich's unterschreiben: Unsterblich!" Die Spiele in Rio hätten nur einen Zweck: Der Welt zu zeigen, dass er der "größte Sprinter der Geschichte" ist. Der nächste Schritt dahin ist getan.

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