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Olympia

Moderner Fünfkampf: Raisner disqualifiziert - der Fünfkampf muss sich neu erfinden

SID
Annika Schleus Pferd Saint Boy verweigerte mehrfach.

Für Klaus Schormann war "alles genial, alles super" - doch mit dieser Meinung steht der greise Präsident des Weltverbandes ziemlich alleine da. Der Fünfkampf kann und darf in der aktuellen Form nicht weiter bestehen.

Erste Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Einen Tag nach ihrem fragwürdigen Auftritt im Drama um Annika Schleu war Olympia für Fünfkampf-Bundestrainerin Kim Raisner beendet. Der Weltverband UIPM disqualifizierte die 48-Jährige mit der Begründung, Raisner habe am Freitag das von Schleu gerittene Pferd Saint Boy mit der Faust geschlagen. Eine solche Handlung, so das offizielle Statement, stehe im klaren Widerspruch zu den Regularien des Verbandes.

Wenige Stunden zuvor hatte die Mannschaftsleitung von "Team D" Raisner bereits abgezogen, im Männerwettbewerb werde sie weder am Parcours noch am Abreiteplatz im Einsatz sein, hieß es. DOSB-Präsident Alfons Hörmann sprach von einer "gemeinsamen Entscheidung" und einem "richtigen Schritt".

DOSB fordert Regeländerungen

Den Verbänden blieb nach den skandalösen Ereignissen in der Teildisziplin Reiten keine andere Wahl. Sowohl die tränenüberströmte Annika Schleu als auch der panische Saint Boy hatten keine Kontrolle mehr über die Situation, die Raisner mit dem Zuruf "Hau mal richtig drauf, hau richtig drauf" erst recht befeuerte. Das Video ging viral, im TV liefen die Bilder rauf und runter, die Sozialen Netzwerke explodierten.

Der DOSB forderte als logische Konsequenz der Ereignisse eine Änderung der Regeln der umstrittenen Teildisziplin Springreiten im Fünfkampf. "Das internationale Regelwerk bedarf dringend einer Überholung", sagte Hörmann. Die Vorgänge seien "inakzeptabel" und würden das Tierwohl gefährden: "Es schadet dem Ansehen von Sportart und Sportlern."

Weltverband verblüfft mit Aussage: "Alles war genial"

Klaus Schormann (75) hatte eine bemerkenswert andere Sicht der Dinge. "Alles war genial, alles war super", wird der Präsident des Weltverbandes auf der Homepage der UIPM zitiert: "Vielleicht gab es ein paar Momente, von denen man sagen kann, dass sie nicht so schön waren, aber (...) es gibt keinen Grund für die Sportler, sich zu beschweren. Es liegt nur an den Athleten selbst, wenn sie in einigen Teilen des Wettkampfes nicht erfolgreich waren."

Schormann dürfte mit dieser Meinung alleine dastehen, auch wenn Annika Schleu bei ihrem emotionalen Ausbruch im Sattel nicht unbedingt den Eindruck einer souveränen Athletin vermittelte. Das Regelwerk im Fünfkampf muss angepasst und neu gestaltet werden, das fordert auch die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN. "Unser Verständnis der Reiterei liegt in der Partnerschaft zwischen Mensch und Pferd und nicht darin, das Pferd als Sportgerät zu betrachten", sagte FN-Geschäftsführer Dennis Peiler.

Annika Schleu "persönlich beschimpft und beleidigt"

Der Deutsche Verband der Modernen Fünfkämpfer (DVMF) hat ebenfalls "dringenden Handlungsbedarf" angemahnt. Man wehre sich zudem "entschieden dagegen, dass eine Sportlerin persönlich beschimpft und beleidigt wird", dazu wünscht sich der DVMF "eine konstruktiv-sachliche Debatte rund um den Modernen Fünfkampf".

Athleten Deutschland forderte gleichfalls eine faire Behandlung für Annika Schleu. "Die Anfeindungen und der teils offene Hass, der ihr (...) in den sozialen Netzwerken entgegenschlägt, ist inakzeptabel und aufs Schärfste zu verurteilen", hieß es in einem Statement am Samstag.

Kritik an den Vorkommnissen im Wettkampf sei allerdings "völlig legitim und sollte Anlass zu einer Debatte um Änderungen des Reitreglements sein. Der Weltverband UIPM muss jetzt handeln, um den Schutz der Tiere und angemessene Wettkampfbedingungen zu gewährleisten".

 

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