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UFC

Sekundenkillerin als Superstar

Von Dominik Geißler
Rousey lässt sich von Carmouche nicht aufhalten
© getty

Ronda Rousey hat sich als ehemalige Judoka zur wohl besten MMA-Kämpferin der Welt entwickelt. Ihren Gegnerinnen lässt sie keine Chance, die Fights dauern oft nur Sekunden. Mit Bethe Correia versucht sich nun die Nächste an der US-Amerikanerin. Rousey ist das Aushängeschild der UFC, ein echter Superstar und scheut auch den Zoff mit Mayweather nicht. Dabei hätte sie ihre eigene Geburt fast nicht überlebt.

Correia ist beim UFC 190 gegen Rousey klare Außenseiterin. Dennoch zeigt sich die Brasilianerin vor dem Duell in ihrer Heimat selbstbewusst und siegessicher. "Ich werde ihr eine Revanche geben", sagte Correia und richtete ihre Worte direkt an ihre Kontrahentin: "Bitte bring dich nicht um, begehe keinen Suizid."

Eine harte Ansage. Eine Ansage, die unter die Gürtellinie ging und Rousey an dem wohl schwärzesten Punkt in ihrem Leben traf. Als die Kalifornierin acht Jahre alt war, beging ihr Vater Selbstmord. Zuvor hatte er erfahren, dass er nach einem Unfall den Rest seines Lebens querschnittsgelähmt sein würde.

Correia war sich über diesen Umstand nicht bewusst und entschuldigte sich für ihre Aussage. Doch Rousey kennt keine Gnade. "Sie hat über den größten Schmerz, den meine Familie ertragen musste, gelacht. Sie hat eine Grenze überschritten", sagte die 1,70 Meter große Kämpferin und schickte eine Drohung hinterher: "Zu dieser Tusse werde ich nicht nett sein. Sie wird eine sehr lange, schmerzvolle Lektion in dieser Nacht erhalten. Das ist das erste Mal, dass ich den Kampf absichtlich in die Länge ziehen werde, um jemanden zu bestrafen."

Lange Kämpfe sind nicht Rouseys Markenzeichen. Im Gegenteil: Seit ihrem Profidebüt 2011 stieg sie elf Mal als MMA-Kämpferin in den Ring. Immer ging sie als Siegerin, acht Mal benötigte sie für ihren Triumph weniger als eine Minute. Beim letzten Fight reichten ihr gegen Cat Zigano gar nur 14 Sekunden.

Armbars als Wunderwaffe

Auf die Frage, ob sie vor einem Kampf ein besonderes Training absolviere, antwortete Rousey offen: "Ich versuche, so viel Sex wie möglich zu haben." Das steigere den Testosteronspiegel und sei daher sehr hilfreich.

Hilfreich ist in erster Linie Rouseys perfekter Mix aus Kraft und Technik. Typischerweise versucht sie, ihre Gegnerinnen möglichst bald auf den Boden zu bringen. Mit ihren Jiu-Jitsu-Fähigkeiten gelingt ihr dann der schnelle Erfolg, meist mithilfe von sogenannten Armbars. Die Technik der Armhebel lernte das Federgewicht bereits im Alter von zwölf Jahren im Judo.

Ein Jahr zuvor begann Rousey mit der japanischen Kampfsportart. Durch die dortigen Erfolge gewann das Mädchen an dem Selbstbewusstsein, das ihr zuvor fehlte. Neben dem Selbstmord ihres Vaters litt sie als Kleinkind unter Sprachproblemen.

"Bis ich vier Jahre alt war, konnte ich keine Wörter aussprechen, bis ich sechs war, keine kompletten Sätze", erinnert sich Rousey. Der Grund für die Defizite: Bei ihrer Geburt wickelte sich die Bauchnabelschnur so um ihren Hals, dass ihr Körper zeitweise unter Sauerstoffmangel litt und sie dem Tod nur knapp entrann. Leichte Hirnschäden waren die Folge.

Vom Judo zu MMA

Für den Erfolg im Judo war Rouseys Mutter Ann-Maria mitverantwortlich. Die ehemalige Weltklasse-Judoka legte ihrer Tochter das Talent in die Wiege und zeigte beim Training eine harte Hand. "Meine erste Verletzung war ein gebrochener Zeh", erzählte Ronda einst: "Meine Mutter ließ mich für den Rest der Nacht um eine Matte laufen. Sie sagte, dass ich wissen solle, dass ich trotz des Schmerzes in Ordnung bin."

Der Drill zahlte sich aus. Mit 17 Jahren nahm Rousey als jüngste Judoka an den Olympischen Spielen 2004 in Athen teil. Zudem sicherte sie sich die Goldmedaille in der Juniorenweltmeisterschaft. 2006 erhielt sie in diesem Wettbewerb die Bronzemedaille und war damit die erste US-Amerikanerin, die dort zwei Medaillen sammeln konnte.

Ein Jahr später gewann sie Silber bei den Weltmeisterschaften und Gold bei den panamerikanischen Spielen. 2008 in Peking holte sie die Olympische Bronzemedaille, ehe sie ihre Judo-Karriere beendete.

Ohne Ausbildung und ohne große Zukunftsperspektive schlug sich Rousey zwei Jahre lang als Barkeeperin durchs Leben, ehe sie das tat, was sie am besten konnte: Kämpfen. 2010 gab sie ihr MMA-Debüt als Amateurin. Nach drei Siegen in drei Kämpfen zog es den Blondschopf zu den Profis.

Die WWE ruft

Rousey ist die aktuelle Bantam-Titelträgerin und die erste Frau überhaupt, die von der UFC unter Vertrag genommen wurde. In der Regel wird Frauenkämpfen eine geringe öffentliche Beachtung geschenkt - nicht so, wenn Rowdy in den Ring steigt. Sie erreicht ein Millionenpublikum und ist zum echten Superstar gereift.

Innerhalb weniger Jahre hat sie sich zum Aushängeschild der UFC entwickelt. Sie zeigte sich als Covermodel für das Männermagazin Maxim und posierte nackt für die ESPN-Zeitschrift The Body Issue. Zudem wurde sie für die Hollywoodstreifen The Expendables 3 und Fast & Furious 7 engagiert.

Einen Höhepunkt der Aufmerksamkeit erreichte Rousey im März 2015. Sie nahm an der Wrestlemania 31 teil, beförderte Stephanie McMahon aus dem Ring und ließ sich anschließend mit The Rock feiern. Dem Auftritt folgte ein großer öffentlicher Hype, sodass Rousey eine Rückkehr zur WWE ankündigte: "Wir haben gerade erst begonnen!"

Rowdy vs. Mayweather

Rousey hat in Amerika mittlerweile eine Popularität erreicht, der nur wenige im Kampfsport folgen können. Doch als ein gewisser Floyd Mayweather vor rund einem Jahr über die MMA-Fighterin befragt wurde, antwortete er knapp: "Ich weiß nicht, wer das ist."

Rousey sah diese Aussage als pure Provokation. Bei den ESPY-Awards im Juli konterte die kampfeslustige Dame schließlich. Beide waren in der Kategorie "Best Fighter" nominiert, Rousey sicherte sich den Preis vor dem Jahrhundert-Boxer und gewann zusätzlich den Award für die beste Athletin. "Ich frage mich, wie es sich für Floyd anfühlt, einmal selbst von einer Frau geschlagen zu werden", stichelte Rousey in Anspielung auf Mayweathers Vorgeschichte mit häuslicher Gewalt.

Den Plan, sich am extravaganten Boxer zu rächen, hegte sie lange: "Ich habe ein ganzes Jahr gewartet, bis ich etwas sagte. Und wisst ihr was? Hätte ich den Award nicht gewonnen, hätte ich nochmal zwei oder drei Jahre gewartet." Wer sich mit Rousey anlegt, verliert.

Cyborg als einzige Gegnerin?

So erging es allen Gegnerinnen, die sich mit Rousey in den Ring wagten. Und so wird es wohl auch Correia in der Nacht auf Sonntag ergehen. Wenn es bereits als Erfolg gilt, länger als eine Minute gegen Rousey zu bestehen, wird die hoffnungslose Unterlegenheit nahezu jeder UFC-Kämpferin deutlich.

Kein Wunder, dass Fans und Experten nach möglichen Gegnerinnen suchen. Bei der Jagd nach einer echten Gegnerin, die Rowdy das Leben schwer macht und sie wirklich fordert, fällt immer wieder ein Name: Cristiane Justino.

Die als Cyborg bekannte Brasilianerin stand beim MMA-Kampfveranstalter Strikeforce unter Vertrag und ist ehemalige Champion im Federgewicht der Frauen, mittlerweile kämpft sie für die UFC. Würden Cyborg und Rousey aufeinandertreffen, würde das dem Jahrhundertkampf zwischen Mayweather und Pacquiao gleichen. Und Rousey wäre ein noch größerer Star.

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