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Leichtathletik

Bolt siegt vor Gatlin

SID
Bolt verteidigte seinen WM-Titel im Vogelnest von Peking
© getty

Usain Bolt genoss seinen süßesten Triumph zunächst ganz still. Der Superstar aus Jamaika hatte es allen gezeigt, seinen Rivalen Justin Gatlin geschlagen, seinen Status als Nummer eins der Sprint-Welt eindrucksvoll zementiert - doch ein ausgelassener Jubel mit den bekannten Mätzchen blieb aus. Erst Minuten später, mit der Jamaika-Fahne über den Schultern, zeigte Bolt seinen Fans wieder seinen berühmten Blitz.

Bolt rannte bei der WM in Peking in 9,79 Sekunden zu Gold über 100 m und verwies Gatlin um eine Hundertstelsekunde auf Rang zwei (9,80). Bronze gewannen zeitgleich (9,92) Trayvon Bromell aus den USA und der Kanadier Andre De Grasse.

Vor dem Showdown klatschten Bolt und Gatlin sogar noch kurz ab, die beiden respektieren sich. Dabei könnte ihr Image nicht unterschiedlicher sein. Schließlich wurde das Rennen zum Duell Saubermann gegen Bad Boy, Liebling der Massen gegen den umstrittensten Läufer seit Ben Johnson hochgejazzt. Am Ende hatte Bolt die besseren Nerven und bewahrte die Leichtathletik davor, noch weiter in ihrer Krise zu versinken.

Auch der neue IAAF-Präsident Sebastian Coe dürfte aufatmen. Ein 100-m-Weltmeister Gatlin wäre nach den jüngsten Doping-Enthüllungen schlicht nicht vermittelbar gewesen.

Wo alles begann...

Und so strickte Bolt an dem Ort, wo vor sieben Jahren bei Olympia alles begann, seine Legende weiter. Der Schlaks aus Kingston sicherte sich seinen insgesamt neunten WM-Titel. Über die 100 m gewann der Olympiasieger nach 2009 und 2013 sein drittes Gold und zog damit mit den US-Amerikanern Carl Lewis (1983, 1987 und 1991) und Maurice Greene (1997 bis 2001) gleich.

In Peking will der ohnehin schon erfolgreichste Athlet der WM-Geschichte seinen Trophäenschrank weiter auffüllen und wie 2013 in Moskau das Triple über 100, 200 und mit der 4x100-m-Staffel wiederholen.

Gatlin hatte den Zweikampf vor der WM schon mit dem legendären Box-Kampf zwischen Muhammad Ali und George Foreman 1974 verglichen und sich voller Selbstvertrauen gezeigt. "Das wird wie der Rumble in the Jungle", hatte er gesagt. Doch wie damals Ali gewann auch diesmal der Favorit der Fans. Gatlin kassierte seine erste Niederlage seit 716 Tagen.

Bolt mit Problemen

Dabei sah es während der Saison lange so aus, als wäre Gatlin in Peking nahezu unschlagbar. Bolt kam zunächst überhaupt nicht in die Gänge und lief Zeiten, die er früher in Flip-Flops hingelegt hätte. Doch dann meldete sich Bolt nach akuter Schwächephase und einem Besuch bei seinem Lieblingsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München plötzlich zurück. "Er hat mir schon oft aus der Patsche geholfen", sagte Bolt nach seinem Sieg gegen Justin Gatlin: "Ich bin glücklich, dass ich ihn habe."

Bei einem Meeting in London rannte er Ende August 9,87 Sekunden. Spätestens da wusste die Welt, dass in China mit dem Weltrekordler zu rechnen sein wird.

Gatlin gilt in der Szene als äußerst umstritten. Mit einem Sieg wäre er zum ältesten 100-m-Weltmeister der Geschichte aufgestiegen, obwohl er bereits zwei Mal wegen Dopings gesperrt (2001 und 2006 bis 2010) war. In diesem Jahr lief er trotzdem so schnell wie nie zuvor. Doch für Bolt reichte es im entscheidenden Moment dann doch nicht.

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