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Pfeifkonzert! Hernandez bleibt Champ

Yoan Pablo Hernandez konnte seinen Titel umstritten gegen Firat Arslan verteidigen
© getty

Yoan Pablo Hernandez (29-1-0) hat seinen IBF-Titel im Cruisergewicht erfolgreich verteidigt. Der 29-Jährige bezwang Firat Arslan (34-8-2) in Erfurt durch Split Decision.

Die Zuschauer in der Erfurter Messehalle sahen von Anfang an den erwarteten Kampf. Ein offensiver Arslan, der den In-Fight suchte. Und ein technisch versierterer Hernandez, der seine Vorteile in der Distanz sah, allerdings Probleme hatte, dies in die Tat umzusetzen.

Trotzdem behielt der gebürtige Kubaner den IBF-Titel, weil zwei Punktrichter den Kampf zugunsten des Champions werteten. Die Quittung: ein gellendes Pfeifkonzert für den Sieger und die Verantwortlichen.

Für Arslan, der es verpasste, sich zum ältesten Cruisergewichts-Weltmeister aller Zeiten zu krönen, dürfte durch die Niederlage das Karriereende indes einen großen Schritt näher rücken.

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Reaktionen:

Yoan Pablo Hernandez: "Es war ein harter Kampf. Ich glaube, ich habe verdient gewonnen. Ob es ein Rematch gibt, kann ich nicht sagen."

Firat Arslan: "Ich möchte dem lieben Gott für alles danken, für die Tiefen und die Höhen. Auch ein Dank an Yoan Pablo Hernandez. Er ist ein großartiger Kämpfer. Er kann nichts für das Urteil. Nach der zehnten Runde hat mein Trainer gesagt, ich liege vorn. Das Urteil ist so gefallen, ich kann es nicht mehr ändern."

Ulli Wegner (Trainer Hernandez): "Für mich lag Pablo mit zwei, drei Runden vorne. Aber es war ein spannender Kampf. Pablo hätte sicherlich ein paar Sachen besser machen können. Aber am Ende hatte er einfach die klareren Treffer. Trotzdem habe ich viel Respekt vor Firat Arslan."

Fritz Sdunek (Trainer Arslan): "Es war ein großer, dramatischer Kampf. Firat ist der Weltmeister der Herzen."

...über die Punktrichter: "So dumm sind die Kampfrichter. Solche Leute machen das Boxen kaputt."

Kalle Sauerland (Promoter): "Es war eine großartige Leistung von beiden Boxern. Trotzdem lag Pablo meiner Meinung nach klar vorne. Sowohl die Aktivität als auch die Effektivität sprechen für ihn."

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SPOX-Scoreboard1. Runde23456789101112Score
Yoan Pablo Hernandez (GER)10999109109109109113
Firat Arslan (GER)9101010910910910910115

Die Wertungen der Punktrichter:

Leszek Jankowiak (POL): 115-113 Arslan

Jean-Francois Toupin (FRA): 115-113 Hernandez

Jan Christensen (DEN): 116-113 Hernandez

Der Ringrichter: Randy Neumann. Der erfahrene Mann aus New Jersey hatte mit dem Geschehen kaum Probleme. Neumann, der in der Vergangenheit für zahlreiche WM-Kämpfe im legendären Madison Square Garden verantwortlich war und weltweit einen guten Ruf genießt, ließ beide Boxer im In-Fight viel Freiraum und bescherte dem Publikum damit einen weitestgehend flüssigen Fight.

Der Schlag des Kampfes: Arslans Aufwärtshaken. Eigentlich müsste man hier das komplette In-Fight-Repertoire des 43-Jährigen nennen. Das ist zwar technisch nicht auf höchstem Niveau, aber gegen Hernandez war dies schlicht und ergreifend das perfekte Mittel. Insbesondere der Aufwärtshaken - wenn er mal durchkam - schüttelte Hernandez mächtig durch und hinterließ Eindruck.

Das fiel auf:

  • Typischer Beginn von Arslan. Der Oldie versteckte sich hinter seiner Doppeldeckung und marschierte wie ein Büffel nach vorne. Das Ziel: der In-Fight, damit Hernandez seine Größen- und Reichweitenvorteile nicht ausspielen konnte.
  • Auch Hernandez' Taktik wurde schnell deutlich. Sobald Arslan ihm zu nahe kam, machte der Weltmeister einen Schritt zurück, um die Distanz zu vergrößern. Aus dieser Position versuchte Hernandez mit Jabs und Uppercuts zum Erfolg zu kommen, das meiste blieb aber in der Anfangsphase an der Deckung des Gegners hängen.
  • Das Publikum in der Messehalle feuerte größtenteils den Herausforderer an. Es gab lautstarke "Firat"-Sprechchöre, unterstützt vom ehemaligen Schwergewichtler Luan Krasniqi, der aus der ersten Reihe eine Art zusätzlichen Trainer spielte.
  • Anders als im zweiten Duell gegen Huck wartete Arslan ganz geduldig auf seine Chance, diktierte durch seine nach vorne marschierende Art aber gleichzeitig das Tempo. Das war zwar nicht schön anzuschauen, aber erfolgreich.
  • Hernandez konnte sich nur langsam auf Arslans physischen Stil einstellen. Statt in Bewegung zu bleiben, ließ sich der Champion eher auf einen Schlagabtausch auf kürzester Distanz ein, bei dem er meistens den Kürzeren zog.
  • Der Weltmeister versuchte erst im Mittelteil des Kampfes durch Schläge zum Körper wieder in den Fight zu finden. Arslan konnte er damit zwar nicht in Gefahr bringen, aber der gebürtige Kubaner hinterließ mit klaren Treffern zumindest auf den Zetteln der Punktrichter Eindruck.
  • Bedenkenswert: Hernandez' Lächeln zwischen den Runden, trotz seiner Probleme. Selbst als er in der neunten Runde ausrutschte und auf dem Hosenboden landete, huschte ein Grinsen über sein Gesicht.
  • Die Schlussphase glichen einem Survival of the Fittest. Auf der einen Seite ein aus dem Ohr blutender Arslan mit seiner Pferdelunge, auf der anderen Seite ein nach Luft schnappender Hernandez, der einen Weg durch die Doppeldeckung suchte. In den letzten beiden Runden traten beide allerdings auf die Bremse - mit dem vermeintlich sicheren Sieg im Hinterkopf.
  • Die Split Decision zugunsten von Hernandez sorgte dementsprechend für reichlich Diskussionen. "ARD"-Experte Henry Maske sprach sogar von einem "Skandal-Urteil".

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