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Basketball

BBL - Johannes Thiemann im Interview: "Basketball hat mehr Aufmerksamkeit verdient"

Von Thomas Lehmitz
Johannes Thiemann spricht über ungerechte Gehälter im Profi-Sport.

Der deutsche Nationalspieler Johannes Thiemann von Alba Berlin spricht im Interview mit SPOX über die fehlende Aufmerksamkeit im Basketball, die anstehende Europameisterschaft und die Zeit nach der Profi-Karriere.

Außerdem verrät Thiemann warum er schon mit 28 Jahren an das Karriere-Ende denkt.

Herr Thiemann, der ewige Rickey Paulding hat seine Karriere bei Oldenburg diese Saison mit 39 Jahren beendet. Sie sind mit 28 Jahren im Vergleich noch relativ jung. Denken Sie trotzdem schon an die Zeit nach dem Profisport?

Johannes Thiemann: Erstmal unglaublichen Respekt an Rickey, dass er diese lange Zeit auf dem Level gespielt hat. Aber ja, man ist im Basketball in gewisser Weise gezwungen, an die Zeit danach zu denken. Die Gehälter sind nunmal anders als beispielsweise im Fußball. Deswegen muss man sich Gedanken machen, was nach der Karriere kommt.

Sie studieren derzeit nebenbei noch Wirtschaftspsychologie.

Thiemann: Genau. Das Studium habe ich vor zwei Jahren angefangen. Es ist sicherlich schlau, sich auf die Zeit nach der Spielerkarriere vorzubereiten. Aber es ist nicht leicht, neben dem Basketball noch zu studieren. Gerade mit der Anzahl an Spielen, die wir haben.

Letzte Saison waren das 32 Spiele in der EuroLeague, 45 in der Bundesliga und noch 5 im Pokal. Das macht 82 Spiele.

Thiemann: Deswegen läuft das jetzige Studium auch nur in Teilzeit und wenn der Terminkalender es zulässt. Basketball hat für mich allerhöchste Priorität. Ich spiele jetzt noch sieben oder acht Jahre und wenn ich dabei den Bachelor hinkriege, wäre das top. Ich kann mich wirklich nur nebenher darum kümmern. Es darf nicht meine Leistung beim Basketball beeinflussen.

Ihre Leistung ist ja auch mit viel Einsatz verbunden. Hat man da auch mal Angst vor einer Verletzung, wenn man dem Ball hinterher hechtet?

Thiemann: Nein. Mit solchen Gedanken wäre es schwer, normal zu spielen. Verletzungen gehören zum Sport dazu. Das kann immer passieren. Sobald man mental versucht, Verletzungen zu vermeiden, verliert man die Spannung und gerade das führt dann leicht zu Verletzungen. Ich spiele immer konzentriert und denke gar nicht an so etwas.

Sie sind im Januar an Corona erkrankt. Hat man da Existenzängste?

Thiemann: Jein. Es gab eine Phase, in der ich über drei Wochen verstärkt müde war und wenig Energie hatte, um meine Leistung zu bringen. Da habe ich mir natürlich Gedanken gemacht. Es war eine schwierige Situation, aber ich wusste, dass ich wieder der alte JT werde und nur Geduld haben muss.

Johannes Thiemann: "Basketball hat eine größere Aufmerksamkeit verdient"

In der BBL beginnen jetzt die Playoffs, die Bayern hatten in der EuroLeague Barca am Rande des Ausscheidens, dennoch wird irgendwie alles vom Fußball überlagert. Wie empfinden Sie das?

Thiemann: Basketball hat auf jeden Fall eine größere mediale Aufmerksamkeit verdient. Es ist ein sehr attraktiver Sport. Selbst Menschen, die zum allerersten Mal in eine Basketballhalle kommen und gar nichts mit dem Sport anfangen können, sind nach dem Spiel immer begeistert und kommen auch wieder zurück. Eine größere Aufmerksamkeit wäre auf jeden Fall gerechtfertigt.

Ihr Verein ALBA BERLIN versucht, einiges in diese Richtung zu bewirken.

Thiemann: ALBA BERLIN macht einen großartigen Job. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Der Verein ist ständig präsent - auch in sozial benachteiligten Gegenden - geht in Schulen und versucht, die breite Masse mit Bewegungsprogrammen zu erreichen. Basketball spricht vielleicht andere Leute als der Fußball an, aber er kann eine Struktur geben und helfen.

Im Fußball wird demnächst das Sommer-Transferfenster eröffnet. Dabei geht es teilweise um riesige Summen. Neidisch?

Thiemann: Nein, neidisch bin ich nicht. Man muss hier auch mal die Kirche im Dorf lassen. Als Basketballer verdient man nicht schlecht. Vor allem im Vergleich mit anderen Sportarten ist man im Basketball schon gut aufgestellt. Es wäre einfach schön, wenn sich dieses Verhältnis in allen anderen Sportarten angleicht und das geht nur mit mehr Aufmerksamkeit.

Sie sind da ja als Fanliebling besonders im Fokus.

Thiemann: Ich versuche mein Bestes, um den Sport attraktiv zu machen. Ich animiere Leute, zu den Spielen zu kommen, bin auf Social Media präsent und will auch Leute außerhalb des Basketball-Kosmos ansprechen.

Thiemann: Kurze Verträge sind "wie Roulette"

Sie sind seit 2018 bei Alba Berlin und haben im Sommer Ihren Vertrag bis 2024 verlängert. Lieben Sie Berlin auch wegen dieser Sicherheit?

Thiemann: Solche langen Verträge bei einem Klub sind schon ungewöhnlich, gerade im Basketball. Das gibt mir sehr viel Sicherheit. ALBA ist ein toller Verein, der sehr viel richtig macht. ALBA ist so positiv und deswegen fühle ich mich hier auch so wohl. Die Stadt mit ihren Möglichkeiten gefällt mir super. Da gibt es wenige Standorte, die mit Berlin mithalten können.

Kürzere Verträge über nur ein Jahr können einzelne Spieler aber auch zu Höchstleistungen motivieren.

Thiemann: Klar. Aber man kann ja nie vorhersehen, wie die Saison läuft. Das ist dann wie ein kleines Roulette, ob die Puzzleteile zusammenpassen. Die finanziellen Möglichkeiten sind natürlich nicht überall gleich. Aber mit kürzeren Verträgen ist die Unsicherheit größer.

Was wäre denn besser?

Thiemann: Mit mehr Kontinuität ist es leichter, einen Kader aufzubauen und die Entwicklung voranzutreiben. Wie bei ALBA BERLIN. Längere Verträge helfen sowohl den Spielern - gerade wenn sie noch jung sind - als auch den Vereinen. Klar es ist nicht so leicht, aber ich denke, andere Teams können hier von uns lernen. Gerade das Vertrauen in die jüngeren Spieler zahlt sich oft aus.

Was würden Sie denn gern dem 18-Jährigen Johannes Thiemann von den Baunach Pikes mit auf den Weg geben? Spiel lieber Fußball, da verdient man mehr?

Thiemann: (lacht) Nein, nein. Ich bin, wie schon gesagt, super happy, dass ich Basketball bei ALBA BERLIN spiele. Ich würde ihm raten, sich mehr um seinen Körper zu kümmern. Immer schön dehnen, damit er lange spielen kann.

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