Basketball

Basketball-WM - DBB-Star Maxi Kleber im Interview: "Als Fan wäre ich auch sauer"

Maxi Kleber spielte sein erstes großes Turnier für Deutschland mit der WM in China.

Maxi Kleber spielt mit Deutschland bei der WM in China sein erstes großes Turnier für den DBB. Der Forward der Dallas Mavericks sprach nun im Interview mit SPOX über die verpassten Ziele, die unerwartete Niederlage gegen die Dominikanische Republik und blickt zudem auf das letzte WM-Spiel gegen Kanada (Montag, 14 Uhr deutscher Zeit in Shanghai).

Außerdem wirft Kleber einen Blick in die Zukunft und spricht über eine mögliche Teilnahme an einem vorolympischen Turnier, in dem die DBB-Auswahl sich rehabilitieren kann.

Herr Kleber, die WM in China neigt sich dem Ende entgegen. Sie waren zuvor noch nie bei einem solchen Großevent dabei. Wie fällt Ihr persönliches Fazit, das Spiel gegen Kanada mal noch ausgeschlossen?

Maxi Kleber: Die ganzen Abläufe hier gefallen mir sehr gut. Ich glaube, wir hätten ein bisschen mehr Spaß gehabt, wenn wir erfolgreicher gewesen wären. So ist das natürlich eine riesige Enttäuschung, weil wir das Ziel ganz klar verpasst haben. Wir haben überhaupt nicht gezeigt, wie wir als Mannschaft auftreten sollen und auch können. So bleibt eine Erinnerung, die nicht wirklich schön ist.

Morgen geht es zum Abschluss gegen Kanada. Worauf wird das Team besonders achten?

Kleber: Wir haben die Spiele von den anderen auf unserem Zimmer geschaut, also wirklich von jedem Gegner. Schon bei der Vorbereitung auf den Senegal haben wir so ein bisschen was von den Kanadiern mitbekommen. Wir haben auch ihr Spiel gegen Jordanien geschaut, wir wissen also, was auf uns zukommt. Wir müssen uns aber vor allem auf uns konzentrieren. In den ersten beiden Spielen waren wir verkrampft, haben schlecht von außen geworfen und auch schlecht gespielt. Da hätten wir wohl gegen kein anderes Team gewonnen. Wir müssen einfach unser Spiel spielen, Spaß haben und im Idealfall gewinnen.

Maxi Kleber über die Probleme des DBB-Teams bei der WM

Sie sprechen den wackeligen Dreier an. Trotz der schlimmen 3/19 gegen die Dominikanische Republik stand das deutsche Team nach der Vorrunde bei 40 Prozent. Auch gegen den Senegal fiel am Anfang nichts, später wurde es etwas besser. Wie erklären Sie sich diese Ausreißer?

Kleber: Das ist eine gute Frage, die wir uns auch stellen. Natürlich gibt es so Tage, an denen du nicht triffst. Ich will da auch keine Ausreden suchen. Der Ball war wieder eine Umgewöhnung, aber das ist für die Gegner nicht anders. Die einen passen sich besser an, die anderen weniger. Hinzu kommt auch, welche Würfe man nimmt. Werden sie gut herausgespielt, dann sind sie auch leichter.

Sie hatten ebenfalls Ihre Probleme mit der Dreierlinie. War das auch für Sie eine Umstellung, da Sie den längeren Dreier aus der NBA gewohnt waren? Zum Beispiel beim Supercup war zu beobachten, dass sie teilweise deutlich hinter der FIBA-Dreierlinie standen?

Kleber: Das hat vielmehr mit dem Spacing zu tun. Du schaust nicht wirklich auf den Boden, wo genau du stehst. Robin Benzing hat gegen den Senegal auch Dreier genommen, wo er fast zwei Meter hinter der Dreierlinie stand.

Basketball-WM 2019: Die Spiele des DBB-Teams

RundeTerminGegnerErgebnis
Erste Runde1. SeptemberFrankreich74:78
Erste Runde3. SeptemberDominikanische Republik68:70
Erste Runde5. SeptemberJordanien96:62
Platzierungsspiele 17-327. SeptemberSenegal89:78
Platzierungsspiele 17-329. SeptemberKanada-

Nach dem Spiel gegen die Dominikanische Republik hat sich die Mannschaft noch einmal zusammengesetzt? Was wurde da besprochen?

Kleber: Wir waren extrem enttäuscht und keiner war annähernd zufrieden, was wir die ersten beiden Spiele gemacht haben. So konnte es nicht weitergehen. Wir wollten deswegen miteinander reden, die Gründe dafür suchen. Wir haben schließlich das Talent und eine gute Mannschaft. Deswegen war es uns wichtig, dass jeder seine Meinung darstellt und sagt, was nicht gut gelaufen ist. Die Lösung war dann, dass wir den Ball wieder mehr laufen lassen wollten, freier spielen. Die ersten beiden Spiele wirkten so, als ob wir keinen Spaß gehabt hätten. Das war gegen Jordanien und Senegal besser und prompt haben wir gewonnen.

Haben Sie mitbekommen, was rund um die WM über die Nationalmannschaft geschrieben und gesagt wurde? An Kritik wurde nicht gespart ...

Kleber: Das ist schwer, das nicht mitzubekommen.

Verstehen Sie denn die Kritik oder finden Sie diese teils ungerecht formuliert?

Kleber: Jeder hat seine Meinung und darf diese auch äußern. Viele Dinge sind auch offensichtlich, wenn man das Spiel sieht. Viele Leute, die das kommentieren, sehen vieles richtig, aber es gibt auch viele, die einfach nur irgendwas sagen, um zu kritisieren. Klar, als Fan wäre ich auch sauer, weil wir als Mannschaft haben versagt und nicht das erreicht, was wir erreichen wollten. Manche Meinungen kann ich aber nicht ernst nehmen, weil diejenigen gar nicht dabei sind und gar nicht wissen, was im Team los ist, wer welche Rolle hat und so weiter. Darüber dürfen wir Spieler uns aber nicht den Kopf zerbrechen.

Maxi Kleber über Dennis Schröder: "Unser bester Spieler"

Sind Sie teilweise froh, nicht so im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen wie zum Beispiel Dennis Schröder, der wieder viel Kritik einstecken musste?

Kleber: Für Dennis ist es anders, als für die anderen Spieler. Er ist unser bester Spieler und bekommt darum auch das meiste Fett weg, wenn es nicht läuft.

Er selbst sieht sich als Anführer dieser Mannschaft, wollte aber meist nach den Spielen nicht sprechen. Können Sie ihn da verstehen?

Kleber: Ich mag das eigentlich auch nicht, direkt nach dem Spiel ein Interview zu geben. Ich gehe lieber in die Umkleide, mache mir ein paar Gedanken zum Spiel und komme dann noch einmal raus. Ich finde diese Mixed Zone nervig, weil du direkt nach dem Spiel gefragt wirst, unabhängig ob Sieg oder Niederlage. Du hast da ein paar Dinge im Kopf, die du erst einmal verarbeiten möchtest, hast aber keine Zeit, weil du gleich zum Interview musst. Nach zwei solchen Niederlagen willst du auch erst einmal gar nicht reden. Es wäre gut, wenn die Spieler ein bisschen mehr Zeit haben würden, über das Spiel nachzudenken, um dann zu verstehen, was da eigentlich passiert ist. Keiner hat mit der Niederlage gegen die Dominikanische Republik gerechnet und auf einmal musst du da stehen und etwas sagen. Du bist selbst perplex, hast keine Worte dafür und musst etwas erzählen. Für mich geht das alles zu schnell. Dass die Niederlage bitter und eine riesige Enttäuschung war, musst du niemandem erzählen, das versteht sich von selbst.

Mit dem möglichen Traum Olympia 2020 in Tokio gibt es immerhin noch ein Ziel. Eventuell reicht gegen Kanada sogar eine moderate Niederlage. Vermutlich wollen Sie aber nicht den Rechenschieber anwerfen?

Kleber: Richtig, wir wollen einfach gewinnen. Diese Einstellung hatten wir bereits vor dem Turnier. Es ist egal, was Fans, Medien oder andere sagen: Wir haben eine gute Mannschaft und wir haben einfach nicht gezeigt, was wir können. Deswegen werden wir uns da nicht verstecken und alles daran setzen, für einen positiven Abschluss zu sorgen.

Ein mögliches Quali-Turnier für Olympia würde im Juni stattfinden. Das scheint ein etwas unglücklicher Termin zu sein, da die meisten Ligen gerade erst zu Ende gehen.

Kleber: Das Timing könnte bei allen Turnieren etwas besser sein. Auch die Quali-Spiele waren zumeist mitten in der Saison, das ist nicht optimal gelöst. Die NBA-Jungs müssten dann direkt nach Europa kommen, anderer sind vielleicht noch nicht fertig. In Spanien geht die Saison zum Beispiel sehr lange. Nach so einer langen Saison bist du dann erst einmal platt, da brauchst du eigentlich eine Pause. Klar, wenn wir spielen müssen, dann machst du da mit, aber mit Erholung hat das nichts zu tun und der DBB hat dann nicht die ausgeruhten Spieler, die er braucht.

DBB-Präsident Ingo Weiss war zuletzt sehr optimistisch, dass trotzdem alle dabei sein würden, wenn die Qualifikation für ein solches Turnier gelingt. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Kleber: So weit im Voraus kann ich das nicht sagen. Ich muss dazu gesund bleiben. Ich glaube aber, dass jeder, der hier dabei war, etwas gutmachen will und dann zur Verfügung stehen wird.

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