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Handball

Handball-EM - Horror, Held und eine Legende als Papa: Das ist DHB-Youngster Till Klimpke

Till Klimpke hat beim Sieg gegen Österreich eine starke Leistung gezeigt.

Till Klimpke hat beim 34:29-Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich eine Glanzleistung abgeliefert. Der Torhüter weist Parallelen zu Andreas Wolff auf. Die Legende in der Familie ist allerdings (noch) der Vater.

Für einen Moment machte es den Anschein, als würde Till Klimpke gleich eine Träne über die Wange kullern. "Ich bin ein bisschen überwältigt, muss ich ganz ehrlich gestehen", sagte der 23-Jährige: "Mit so einem guten Spiel habe ich nicht gerechnet."

In der Tat zeigte der Torhüter gegen Österreich eine starke Vorstellung. Alleine in den ersten zehn Minuten parierte er sechs Würfe, 14 von 39 waren es am Ende, was einer Quote von 36 Prozent gehaltenen Bällen entspricht.

Dabei hatte der Turnier-Debütant nur zwei Tage zuvor eine EM-Premiere hingelegt, die der blanke Horror war. Bundestrainer Alfred Gislason setzte beim 33:29-Sieg gegen Belarus völlig überraschend von Beginn an auf den Youngster.

Der bekam in den ersten zehn Minuten keinen einzigen Ball zu packen und wurde prompt für Andreas Wolff auf die Bank beordert. Gislason ließ sich nicht beirren, setzte im nächsten Spiel erneut auf den 1,98-Meter-Mann und wurde für sein Risiko belohnt.

Gislason über Klimpke: "Er ist ein Riesentalent"

"Till hat eine sehr gute Leistung gezeigt. Er ist ein Riesentalent", sagte der Isländer, der sich vor der EM gegen den erfahrenen Silvio Heinevetter und für Klimpke sowie den 24-jährigen Joel Birlehm (SC DHfK Leipzig) entschieden hat.

Auch das Lob der Teamkollegen war Klimpke sicher. "Er hat das wahnsinnig gemacht", meinte Christoph Steinert. Timo Kastening, der mit neun Toren bester DHB-Werfer war und zum offiziellen Man of the Match gewählt wurde, ergänzte: "Eigentlicher Spieler des Spiels war Till. Er hat uns das Spiel gerettet."

Selbst Wolff, der gegen Österreich lediglich zu einigen Siebenmetern auf die Platte durfte und entsprechend kaum Einsatzzeit erhielt, saß nicht wie bei vergangenen Turnieren gesehen teilweise schmollend auf der Bank, sondern kommunizierte und unterstützte seinen Kollegen.

"Wir sind ein überragendes Team", sagte Klimpke über die Zusammenarbeit mit Wolff: "Durch ihn sind auf jeden Fall ein paar Paraden zustande gekommen."

Klimpke und Wolff kennen sich aus Wetzlar-Zeiten

Zwischen Klimpke und dem sieben Jahre älteren Wolff gibt es Parallelen. Beide sind bei der HSG Wetzlar groß geworden. Wolff spielte von 2013 bis 2016 bei den Mittelhessen, ehe es ihn erst zum THW Kiel und anschließend zum polnischen Topklub Vive Kielce zog.

Klimpke trägt bereits seit seinem sechsten Lebensjahr und damit seit fast 18 Jahren das HSG-Trikot. Die beiden Torhüter haben zu Wolffs Wetzlar-Zeiten häufiger zusammen unter der Anleitung des großen Torwarttrainers Jasmin Camdzic trainiert.

"Wir sind beide sehr ehrgeizig, aber gönnen es dem anderen auch, wenn er eine gute Leistung bringt", sagte Klimpke über sein Verhältnis zu Wolff.

Klimpke mit Kampfansage nach Rücktritt von Bitter

Ähnlich wie Wolff will Klimpke hoch hinaus. Als Johannes Bitter nach den Olympischen Spielen in Tokio seinen Rücktritt verkündet hatte, blies der leidenschaftliche Quad-Fahrer, der bereits bei der WM in Ägypten Anfang 2021 im 35er Kader stand, sofort zum Angriff.

"Ich habe jetzt eine relativ große Chance, die will ich auch nutzen. Ich versuche, diese frei gewordene Position im Tor anzugreifen und mich früher oder später in der Nationalmannschaft zu etablieren", verkündete Klimpke damals.

Nur zweieinhalb Jahre nach seinem DHB-Debüt in einem Länderspiel gegen Israel im Juni 2019 scheint er zumindest für den Moment angekommen zu sein. "Ich lebe gerade meinen Traum", erklärte der gebürtige Gießener: "Aber ich gehe die Aufgabe mit jeder Menge Demut, Respekt und Dankbarkeit an."

Dabei sind leise Töne seine Sache nicht. "Obwohl er erst so kurz dabei ist, gehört er in der Kabine zu den Lautsprechern", sagte Kastening vor der EM über Klimpke: "Er ist unser Big Foot, der Typ mit den größten Füßen bei uns an Bord. Minimum Größe 50, das sind schon richtige Autoreifen, die er da trägt."

Klimpke verlängert trotz Anfragen von Topklubs

Völlig überraschend kommt Klimpkes Entwicklung derweil nicht. 2017 wurde er mit der A-Jugend der HSG deutscher U19-Meister, im gleichen Jahr absolvierte er im Alter von 19 Jahren sein erstes von mittlerweile 139 Bundesligaspielen.

Seine Leistungen werden immer besser. In der laufenden HBL-Saison, in der er mit Wetzlar aktuell sensationell den fünften Platz belegt, kommt der Youngster auf durchschnittlich 6,7 Paraden pro Partie und eine Quote von 30,81 Prozent gehaltener Bälle.

Dies ist auch den Topklubs der Szene nicht entgangen. Doch trotz diverser Anfragen verlängerte der elfmalige Nationalspieler seinen Vertrag bei der HSG im vergangenen Jahr bis 2025.

Die ganze Familie ist eng mit dem Klub verbunden. Klimpkes Vater Wolfgang spielte bis zu seinem Karriereende 2003 insgesamt 30 Jahre für Wetzlar, war Kreisläufer, Kapitän, Identifikationsfigur und Legende. Mutter Ruth ist die Geschäftsstellenleiterin der HSG.

"Ich bin hier aufgewachsen, meine Familie und meine Freunde leben hier und die HSG Wetzlar liegt mir total am Herzen", sagte Klimpke. Geht seine Leistungskurve weiter so steil nach oben, ist es allerdings nur eine Frage der Zeit, bis die Topklubs etwas energischer wegen ihm an die HSG-Türe klopfen.

Handball-EM: Gruppe D mit Deutschland

PlatzLandSpieleSUNToreDiff.Punkte
1.Polen220065:51+144
2.Deutschland220067:58+94
3.Österreich200260:70-100
4.Belarus200249:62-130
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