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Handball - Andreas Wolff nicht mehr unumstritten: Der große Verlierer der WM

Andreas Wolff hat bei der WM enttäuscht.

Andreas Wolff stand nach seinen schwachen Leistungen bei der WM in Ägypten beim Sieg gegen Brasilien nicht einmal mehr im 16er Kader des DHB-Teams. Schon jetzt ist klar: Der Torhüter ist der große Verlierer des Turniers.

Von "Wolff haut sich morgens zwei Pfannen in die Eier" bis zu "Was hält Wolff von Spanien? Alles!" Kein Spruch war nach den Heldentaten des Torhüters beim deutschen EM-Triumph 2016 in Polen davor sicher, mit Andreas Wolff in Verbindung gebracht zu werden.

Fünf Jahre später ist davon nicht mehr viel übrig. Nach seinen beiden schwachen Auftritten in den entscheidenden Spielen in der Vorrunde gegen Ungarn (2 von 15, 13 Prozent) und in der Hauptrunde gegen Spanien (4 von 18, 22 Prozent), wo er jeweils in der ersten Halbzeit ausgewechselt wurde, fand sich der 29-Jährige gegen Brasilien auf der Tribüne wieder.

Alfred Gislason hatte den vor dem Turnier in Ägypten als "1A-Lösung" angekündigten Wolff zugunsten von Jogi Bitter ("1B") und Silvio Heinevetter ("1C") aus dem 16er Kader gestrichen.

"Mich ärgert das kolossal. Ich bin richtig, richtig sauer und tief enttäuscht", sagte Wolff bereits nach der Niederlage gegen Spanien über seine Leistungen: "Die Frustration ist einfach riesig, insbesondere in Verbindung mit dem Ungarn-Spiel. Ich weiß eigentlich gar nicht, wohin mit meiner Energie."

Wolff: "Ein Zusammenspiel dieser beschissenen Situation"

"Vielleicht ist es insgesamt ein Zusammenspiel dieser beschissenen Situation", vermutete Wolff weiter und meinte damit vor allem seine zweimonatige Pflichtspielpause aufgrund der Corona-Pandemie. Vielleicht fehle deshalb "dieses Quäntchen Verrücktheit, dieses Quäntchen Reaktionsfähigkeit".

Man kann sich jedenfalls nur grob ausmalen, wie sehr es in dem extrem ehrgeizigen Euskirchener nach der Degradierung durch den Bundestrainer gebrodelt haben muss.

Wolffs Leistung auch bei vergangenen Turnieren überschaubar

Dabei kam die maue Performance des Keepers vom polnischen Spitzenklub KS Vive Kielce keineswegs völlig überraschend. Wolff überzeugte schon bei den vergangenen Turnieren mit der Nationalmannschaft nur sporadisch.

Anstatt konstant in dem seinem eigenen Anspruch entsprechenden Stil eines Weltklassetorhüters zu halten, zeigte der frühere Kieler enorme Leistungsschwankungen. Auch Totalausfälle waren dabei, man erinnere sich nur an seine desaströsen Auftritte in der EM-Vorrunde 2020, als er in den Spielen gegen Spanien und Lettland insgesamt nur einen einzigen Ball zu packen bekam.

Irgendwie scheint es für Wolff zuletzt beim DHB-Team immer nach dem gleichen Muster abzulaufen. Er lässt vor den Turnieren mit markigen Ansagen aufhorchen und wird diesen dann nicht ansatzweise gerecht.

"Er hat vor Turnierbeginn die Erwartungshaltung mit seinen Aussagen sehr hoch gesetzt. Wenn er die Erwartungen nicht erfüllt, dann muss er mit der Kritik leben. Das ist das Geschäft, dem muss Andi Wolff sich stellen", sagte DHB-Torhüterlegende Henning Fritz.

Wolff mit harscher Kritik an Pekeler, Wiencek & Co.

Dabei ging es diesmal nicht in erster Linie um Aussagen in Form von sportlichen Zielsetzungen. Vor der Weltmeisterschaft in Ägypten sorgte Wolff mit seiner völlig überflüssigen, dafür umso harscheren Kritik an Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold für Aufsehen. Das Trio des THW Kiel hatte sich aufgrund der allgemeinen Corona-Situation gegen eine Teilnahme an den Titelkämpfen in Afrika entschieden.

"Das sehe ich natürlich sehr, sehr kritisch", polterte Wolff in einem Podcast der Rhein-Neckar Löwen: "Dass sie dieses Jahr das Turnier fahren lassen, nachdem sie selbst permanent in der Champions League aktiv waren, stört mich."

Auch in der Königsklasse seien die Spieler in Länder gereist, die als Risikogebiete eingestuft worden sind. "Und jetzt auf einmal bei der WM ist es so ein großes Problem, obwohl die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen deutlich höher sind als beispielsweise in internationalen Wettbewerben", sagte Wolff.

"Und was mich noch mehr daran stört, ist, dass ihre Mannschaftskameraden aus anderen Ländern offenbar kein Problem damit haben, ihre Familien zurückzulassen und zur WM zu fahren", sagte Wolff. Er finde es "bedenklich, dass sich nur die deutschen Spieler so um ihre eigenen Familien sorgen."

Wolff offenbar mannschaftsintern nicht mehr unumstritten

Wolff kassierte daraufhin einen ordentlichen Rüffel von Gislason. Den könnte es öffentlich auch noch von Pekeler geben, der bereits ankündigte, sich nach der WM zum Thema äußern zu wollen.

Längst ist außerdem zu hören, dass der Torhüter mannschaftsintern aufgrund seines Verhaltens außerhalb der Platte nicht mehr unumstritten sei.

Ob sich Wolff, wie teilweise bereits spekuliert wird, mit seinem Paket aus schwachen Leistungen und unnötigen Äußerungen für die kommenden Aufgaben sogar komplett aus dem DHB-Team manövriert haben könnte, bleibt abzuwarten.

Sicher ist: Er ist aus deutscher Sicht der große Verlierer der WM.

Handball-WM: Tabelle der Hauptrundengruppe I

RangNationSpieleDifferenzPunkte
1.Ungarn4+378
2.Spanien4+207
3.Deutschland4+314
4.Polen4+194
5.Brasilien4-231
6.Uruguay4-840
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