Handball

Handball-EM - Panel: "Prokop fällt unter Stress in alte Verhaltensmuster zurück"

Für Andreas Wolff (r.) lief die EM bisher mäßig.

Vor dem Hauptrundenauftakt der deutschen Mannschaft gegen Weißrussland (Do., 20.30 Uhr im LIVETICKER) gibt es viele offene Fragen. Schafft es Deutschland noch ins Halbfinale? Welche Vorwürfe kann man Bundestrainer Christian Prokop machen? Und wer wird eigentlich Europameister? Die SPOX-Redakteure Florian Regelmann und Felix Götz diskutieren im Panel mit Sky-Handball-Kommentator Markus Götz und Sascha Staat, dem Macher des Podcasts Kreis Ab.

1. Das DHB-Team schafft es trotzdem noch ins Halbfinale

Markus Götz: Nur wenn verrückte Dinge passieren - und das kann ich mir momentan nicht vorstellen. Die Deutschen müssten alle ihre Spiele gewinnen und aufgrund der hohen Niederlage gegen Spanien darauf hoffen, dass Kroatien nicht gegen Spanien gewinnt. Ich kann derzeit nicht erkennen, wie das DHB-Team in der Hauptrunde verlustpunktfrei bleiben sollte. Es sei denn, es findet in dieser Mannschaft jetzt eine Entwicklung statt, die aktuell nicht absehbar ist. Es müssten sich innerhalb kürzester Zeit alle Mannschaftsteile enorm steigern. Also die Torhüter, die Abwehr, der Rückraum und das Tempospiel an sich.

Florian Regelmann: Niemals. Die Konstellation ist zwar generell ja wirklich die günstigste in der Geschichte. Weißrussland? Tschechien? Österreich? Come on, das ist wirklich ein Geschenk des Himmels für eine Hauptrunde. Aber ich sehe einerseits wie Markus überhaupt nicht, warum wir in Wien plötzlich eine ganz andere Mannschaft erleben sollten. So wie das DHB-Team in der Vorrunde gespielt hat, reicht das nicht mal gegen Weißrussland, Tschechien oder Österreich. Und selbst wenn sich das Team steigert, machen die Kroaten bislang einen viel stabileren Eindruck. Die Kroaten werden auch in Wien bekanntermaßen wieder viel Fan-Support haben und Duvnjak und Co. müssen jetzt auch endlich mal wieder was reißen bei einem großen Turnier. Einfacher kommen die so schnell auch nicht mehr in ein Halbfinale. Und selbst wenn Deutschland alle vier Spiele gewinnen sollte, könnte es am Ende unter Umständen ja wie schon angesprochen nicht reichen, weil die Klatsche gegen Spanien für einen möglichen Dreiervergleich jetzt schon tödlich ist. Im besten Fall schafft Deutschland das furchtbare Spiel um Platz 5, aber ich kann mir auch vorstellen, dass es total in die Hose geht.

Der Spielplan der deutschen Mannschaft

TerminTeam 1Team 2
16. Januar, 20.30 UhrWeißrusslandDeutschland
18. Januar, 20.30 UhrKroatienDeutschland
20. Januar, 20.30 UhrÖsterreichDeutschland
22. Januar, 20.30 UhrTschechienDeutschland

Felix Götz: Den Einzug ins Halbfinale kann ich mir auch nicht mehr vorstellen. Ich bin bei Florian: Mich würde es nicht einmal mehr überraschen, wenn es in Wien komplett den Bach runter gehen würde. Mich hat die Niederlage gegen die Spanier, denen eine normale Leistung gereicht hat, um die DHB-Auswahl in ihre Einzelteile zu zerlegen, weniger erschrocken als der Auftritt gegen Lettland. Diese unvorstellbare Verunsicherung in der Schlussviertelstunde gegen einen maximal zweitklassigen Gegner hat mich an meinen Aufenthalt im kroatischen Varazdin im Januar 2018 erinnert. Damals hat Deutschland in der EM-Hauptrunde absolut grauenhaft gespielt, schlechter habe ich das DHB-Team anschließend nicht mehr gesehen - bis eben zu diesen beiden letzten Spielen in der jetzigen Vorrunde. Momentan muss man in der Tat davon ausgehen, dass Deutschland in der Hauptrunde längst nicht nur gegen Kroatien große Schwierigkeiten bekommen wird.

Sascha Staat: Ich bin bei euch: Auch ich kann mir den Einzug ins Halbfinale aktuell nicht vorstellen. Denn um das Weiterkommen selbst in der Hand zu haben, muss eben ein hoher Sieg gegen Kroatien her. In Wien vor den verrückten kroatischen Fans sehe ich das einfach nicht. Ein Erfolg mit zwei oder drei Toren ist möglich, aber Kroatien fällt selten komplett auseinander. Und alle anderen Spiele müssten auch gewonnen werden. Weißrussland, Österreich und Tschechien sind aber alle deutlich stärker einzuschätzen als Lettland. Wenn ich mir dann ansehe, wie verunsichert das deutsche Team teilweise auftritt, sind diese Spiele auch keine Selbstläufer. Ein Chance besteht noch, groß erscheint sie aber derzeit nicht.

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