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Golf

Im Stechen! Johnson holt Claret Jug

Von Benedikt Treuer
Zach Johnson gewann die 144. Open Championship
© getty

Zach Johnson hat die 144. Auflage der Open Championship im schottischen St. Andrews gewonnen. An einem spannenden Finaltag setzte sich der Amerikaner erst im Stechen gegen den Südafrikaner Louis Oosthuizen und den Australier Marc Leishman durch. Top-Favorit Jordan Spieth schrammte nur knapp an der Sensation vorbei, Martin Kaymer beendete das Turnier mit einer starken Runde.

Als Louis Oosthuizen an der 18, dem vierten Extra-Loch im Stechen, seinen Birdie-Putt knapp links am Loch vorbeischob, wusste Zach Johnson gar nicht so recht, ob er sich schon freuen durfte. Die Zuschauer nahmen ihm die Entscheidung ab - er durfte! Mit einem Ergebnis von 1 unter Par im Playoff setzte sich der Amerikaner gegen seinen südafrikanischen Widersacher Oosthuizen (Even Par) sowie den Australier Marc Leishman (+2) durch und schnappte sich die 1,8 Millionen Dollar Preisgeld für den Sieger.

Leishman hatte seine Chancen auf den Sieg bereits nach den ersten drei Extra-Löchern verspielt, nachdem er diese mit Bogey, Par, Bogey beendet hatte und damit schon drei Schläge hinter Johnson (Birdie, Birdie, Bogey) und Oosthuizen (Birdie, Par, Bogie) zurücklag.

Zuvor hatte sich das Trio mit einer Gesamtzahl von 273 Schlägen (15 unter Par) nach 72 Löchern spektakulär die Führung geteilt. Nachdem Johnson und Leishman, die in früheren Flights gespielt hatten, bereits gleichauf im Klubhaus lagen, gelang Oosthuizen erst an der 18 das entscheidende Birdie, das ihn ebenfalls ins Playoff brachte.

"Träume und Ziele erfüllt"

"Es ehrt mich wahnsinnig, dass ich Teil dieses geschichtsträchtigen Turniers bin. Ich kann diese Emotionen nicht in Worte fassen", sagte Johnson sichtlich gerührt und mit Tränen in den Augen: "Ich bin komplett sprachlos. Träume sind wahrgeworden und Ziele erfüllt worden. Es ist unbeschreiblich, der Champion-Golfer des Jahres zu sein."

Auch den Greenkeepern und Verantwortlichen dankte Johnson noch einmal explizit für den herausragenden Zustand des Platzes: "Es war für uns alle nicht einfach, bei diesem Wetter auf den Platz zu gehen. Aber der Platz war in einem unbeschreiblichen Zustand. Davon können sich andere Turniere viele Scheiben abschneiden", so der Sieger, dessen Worte durchaus auch als Seitenhieb gegen die schlechten Grüns bei der US Open verstanden werden konnten.

Spieth schrammt an der Sensation vorbei

Top-Favorit und Sieger der beiden vorangegangenen Majors, Jordan Spieth, verpasste den sensationellen Hattrick nur knapp. Am Abschlag der 17. Spielbahn (Par 4), die das schwerste Loch der Woche darstellte (im Schnitt 4,7 Schläge), war Spieth ebenfalls mit -15 noch in geteilter Führung gewesen.

Durch ein Bogey, welches er durch einen schwachen Abschlag verschuldete, und das verfehlte Birdie am letzten Loch schrammte er nach seiner 69er-Abschlussrunde letztlich mit nur einem Schlag Rückstand am Stechen vorbei (-14).

Hätte der 21-jährige Spieth auch die Open Championship gewonnen, wäre er der erste Golfer seit Ben Hogan 1953 gewesen, der die ersten drei Majors der Saison gewinnt. Ein Saison-Grand-Slam gelang bisher noch keinem Spieler.

Zudem verpasste Spieth mit dem geteilten vierten Platz den Sprung auf Rang 1 in der Weltrangliste. Mit einem Sieg wäre der Amerikaner an Rory McIlroy vorbeigezogen, der aufgrund einer Verletzung, die er sich bei einem Hobby-Kick zugezogen hatte, nicht mitwirken konnte. Die nächste Chance, McIlroy zu überholen, bietet sich Spieth vom 6. bis 9. August beim Bridgestone Invitational.

Spannung pur am Nachmittag

Neben den Führenden spielte das gesamte vordere Feld des Leaderboards sehenswertes Golf mit niedrigen Scores.

Als die letzten zehn Flights auf den Platz kamen, begann die Schlussrunde eine unfassbare Dramatik zu entwickeln - die Spannung war über den gesamten Nachmittag greifbar. Fast im Minutentakt verschob sich das Leaderboard an der Spitze: Zahlreiche Führungswechsel und unfassbare Birdie-Serien trugen zum Enthusiasmus der Fans bei.

Das Turnier hatte sich schon vor dem ersten Tee-off zu einem historischen entwickelt: Erst zum zweiten Mal in der 144-jährigen Geschichte der Open Championship wurde der Finaltag an einem Montag ausgespielt, was dem katastrophalen Wetter in St. Andrews vom Wochenende geschuldet war. Aufgrund zahlreicher Regen- und Windunterbrechungen war die zweite Runde erst am Samstag beendet, die Tage drei und vier entsprechend aufgeschoben worden.

Kaymer marschiert nach vorne

Martin Kaymer spielte unterdessen zum Abschluss des Turniers seine beste Runde. Nach den Ergebnissen von 71, 70 und 70 aus den Vortagen schoss der beste Deutsche am Montag eine 68 und verbesserte sich mit dem Gesamtscore von -9 um 21 Plätze auf den geteilten 12. Platz.

Bernhard Langer beendete sein Turnier mit einer Par-Runde. Durch die 72 kam er mit einem Gesamtergebnis von +1 ins Klubhaus, was den geteilten 78. Rang bedeutete. Ebenfalls eine Par-Runde zum Abschluss spielte der vierte deutschsprachige Spieler Bernd Wiesberger. Mit einem Ergebnis von 1 unter Par belegte er schlussendlich den geteilten 68 Platz.

Marcel Siem war nach Runden von 70 und 75 bereits am Samstag am Cut gescheitert. Gleiches Schicksal ereilte auch Tiger Woods, der mit einem katastrophalen Ergebnis von +7 (76, 75) das sechstschlechteste Ergebnis aller Turnierteilnehmer gespielt hatte.

Dunne bricht ein - Niebrugge holt "Silver Medal"

Der Amateur und geteilte Führende vor der Schlussrunde, Paul Dunne, landete nach einer schwachen 78er-Runde, die das zweitschlechteste Ergebnis des Tages darstellte, mit einem Gesamtergebnis von -6 auf dem geteilten 30. Platz.

Dem Iren, der im letzten Flight mit Oosthuizen startete, waren die Aufregung und der große Druck zu Beginn deutlich anzumerken. Dunne begann mit zwei Bogeys an den ersten beiden Löchern und verabschiedete sich auf den Back Nine, die er insgesamt 6 über Par spielte, endgültig aus dem Titelrennen.

Auch das "Silver Medal" für den besten Amateur-Spieler verpasste Dunne damit. Das schnappte sich der 21-jährige Amerikaner Jordan Niebrugge, der durch eine 70er-Schlussrunde ein Gesamtergebnis von -11 erzielte und damit zwei Schläge besser war als sein Landsmann Oliver Schniedermans.

Mickelson mit Kuriosum - Robsons letzter Auftritt

Für ein Kuriosum sorgte Phil Mickelson. Am 17. Abschlag verzog der linkshändige Amerikaner seinen Abschlag dermaßen, dass der Ball auf dem Zuschauer-Balkon des Hotels liegen blieb. Das geschah beim Versuch, die Kugel mit einem Schlag über das Old-Course-Hotel hinweg auf dem Fairway zu platzieren. Angaben des Veranstalters zufolge wurde beim missglückten Schlag glücklicherweise niemand verletzt.

Mickelson, der zu diesem Zeitpunkt noch auf dem geteilten fünften Platz lag und Chancen auf eine Top-Ten-Platzierung hatte, beendete das Loch anschließend mit einem Triple-Bogey und verabschiedete sich so von den vorderen Rängen. Am Ende belegte er mit -7 den geteilten 20. Platz.

Einen besonders emotionalen Moment erlebte Ivor Robson, der Kult-Ansager der Open Championship: Nach 41 Jahren als Stadionsprecher am ersten Tee legte er sein Amt mit dem letzten Tag der diesjährigen British Open nieder.

Die Golf-Weltrangliste im Überblick

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