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Fussball

Fiete Arp und seine Situation bei Holstein Kiel: Irgendwo zwischen Glück und Sehnsucht

Von Fatih Demireli

Fiete Arp nannte das Angebot von Holstein Kiel im Sommer einen "Sechser im Lotto". Und das als Jahrhunderttalent, das immer noch einen üppigen Vertrag beim FC Bayern besitzt. Der ganz große Jackpot ist Arp für den Nord-Klub bisher aber noch nicht. Die Gefühlslage hat sich dennoch gebessert.

Es ist noch nicht allzu lange her, da hat Fiete Arp (21) im Magazin 11Freunde ausführlich über seine Erlebnisse als junger Fußballprofi gesprochen. Die Aussagen fanden sehr viel Beachtung. Sogar sehr viel für einen Zweitliga-Spieler, der von einem Absteiger der 3. Liga kommt.

Aber wenn dieser Spieler einen gültigen Vertrag beim FC Bayern hat, schon als 17-Jähriger mit Uwe Seeler verglichen wurde und sich niemand darüber beschwerte, ist das nicht besonders verwunderlich. Im besagten Interview sprach Arp auch über seine Zeit in München und einen "Tiefschlag", den er unter Niko Kovac 2019 erlitt.

Arp legte eine Top-Saisonvorbereitung hin, wie er fand. "Dann ging's in die Pflichtspielsaison", sagte Arp, "und der Trainer nahm mich nicht mit zur ersten Pokalrunde nach Cottbus." Stattdessen flog Kwasi Wriedt mit, weil dieser laut Kovac "in der 3. Liga schon vier Tore geschossen hat" und deswegen auch mit ins Trainingslager durfte.

Es sollte ein Fingerzeig für die Zeit danach werden. In der zweiten Mannschaft des FC Bayern war Wriedt gesetzt, während Arp, wenn er nicht verletzt war, zum Backup des gebürtigen Hamburgers wurde. Arp war dann Sturmpartner Wriedts, wenn Trainer Sebastian Hoeneß mit einer Doppelspitze spielen ließ. Oder er als Rechtsaußen ran durfte.

Das Wiedersehen in Kiel

Nun, der Fußball ist manchmal wie das Leben: Man weiß nie, was kommt. Im Sommer ergriff Arp die Flucht vom Süden in den Norden und ließ sich nach Kiel ausleihen. Weit weg von zwei gebrauchten zwei Jahren in München, hin zum "Sechser im Lotto", wie der junge Stürmer das Leihangebot von Holstein nannte. Und kaum ist ein halbes Jahr Rehabilitation vergangen, verkündete Kiel Ende Januar die Verpflichtung von Kwasi Wriedt.

Da war er wieder, der Konkurrent von damals, der indirekt für den ersten Tiefschlag in München sorgte. Der Konkurrent, der in 98 Spielen für die Reserve der Bayern 71 Tore und 22 Vorlagen produzierte und unter den Fans so etwas wie Kultstatus erreichte. An Arp dachte da schon keiner mehr.

Wenn aber diese schwere Zeit beim FC Bayern etwas Gutes hatte, dann dass Arp so schnell nichts mehr beeindrucken kann. "Stärker gemacht" habe ihn die Zeit in München, sagt er. Und daher hat auch die Wriedt-Verpflichtung Arps Freude auf die neue Chance in Kiel nicht gemildert.

Nach dem Sieg bei Jahn Regensburg vor der Länderspielpause postete Arp ein Foto bei Instagram, das ihn und Wriedt beim Selfie auf dem Platz zeigt. Arp schrieb darunter: "Sieger-Selfie mit dem Neuen!" So kann man es auch machen. Arp stellt sich seinen Herausforderungen. Ohnehin verstanden sich die beiden Nordlichter in München sehr gut. Wriedt gab Arp sogar häufig Tipps und lobte ihn öffentlich für sein Talent. Warum also jetzt eine negative Energie?

Seit dem Trainerwechsel nur auf der Bank

Dass Kiel sich im Winter auf dem Stürmermarkt umsah, Wriedt von Willem II holte und ihn mit einem langfristigen Vertrag bis 2025 ausstattete, hatte natürlich einen Grund. Kiel spielt zwar oft sehr ansprechend, aber was die Torausbeute angeht, ist der Fast-Aufsteiger der vergangenen Saison maximal mittelmäßig.

Marcel Rapp, der bereits vor Ole Werners Weggang zu Werder Bremen den Trainerposten übernahm, verfolgt zwar einen offensiven Ansatz und lässt auch gerne mit zwei Spitzen spielen, aber 26 Tore in 20 Spielen bezeugen kein Aufstiegskampf-Niveau. Wriedt könnte die Probleme lösen. Arp dagegen hat in dieser Saison erst ein einziges Tor geschossen. Ein Traumtor gegen Erzgebirge Aue am 5. Spieltag. Mitte Oktober verlor er nach dem Trainerwechsel seinen Stammplatz und kommt seither nur noch von der Bank.

Dass man davon ausging, dass Arp in Kiel durchstartet, nur weil er vom FC Bayern kommt und von den Fans des Hamburger SV in Anlehnung an Uwe Seeler "Uns Fiete" gerufen wurde, sah man bei Holstein sowieso nicht. Schon Ex-Coach Werner dämpfte alle Erwartungen. "Das Bild, das man manchmal von außen von ihm hat, ist völlig verzerrt. Er ist nach wie vor ein junger und unerfahrener Spieler, auch wenn er beim HSV und bei Bayern gespielt hat."

Werner hatte damals nicht die Erwartung, dass Arp Kiel in die Bundesliga schießt, sondern, "dass er so an sich arbeitet, dass aus einem talentierten Spieler ein richtig guter Profispieler werden kann. Auf dem Weg ist er." Nachfolger Rapp äußerte sich bei Sport1 zuletzt ähnlich: "Bei Fiete muss man das Gesamtpaket sehen. Wie normal war es, so schnell gehypt zu werden? Er ist ein sehr guter Spieler. Er ist aber auch abseits des Platzes ein sehr ausgewogener und kluger Junge, der alles sehr gut einzuschätzen weiß. Er hat sehr viele Qualitäten, die er hier in Kiel wieder unter Beweis stellt."

Wohl keine Rückkehr zum FC Bayern

Zwar ist Arp der Durchbruch in Kiel noch nicht gelungen, aber dennoch ist er jetzt in einem Umfeld, in dem ihm das Vertrauen geschenkt wird und keine Helden-Taten erwartet werden. Er darf Fiete Arp, der talentierte Stürmer aus Bad Segeberg sein und nicht der Fritz-Walter-Medaillengewinner, der vom FC Bayern kommt und dort einen Vertrag bis 2024 hat, der ihm jährlich fünf Millionen Euro garantiert.

"Er hat diesen Weg gewählt, um sich auf etwas höherem Niveau wieder heranzuarbeiten. Er war vom ersten Moment Feuer und Flamme. Er hat gesagt: 'Holstein Kiel ist ein Umfeld mit Leuten im Verein, die um meine Situation wissen und bereit sind, einen gemeinsamen längeren Weg zu gehen'", so Kiels Sportdirektor Uwe Stöver.

Arp ist irgendwo zwischen Glück und Sehnsucht gefangen. Das Glück fand er im gewohnten Umfeld im Norden, aber die Sehnsucht nach der Erfüllung aller Erwartungen ist sicherlich ebenbürtig. Doch dafür muss Arp in Kiel zeigen, dass er Profifußball wirklich kann. Eine dauerhafte Rückkehr nach München im Sommer erscheint unwahrscheinlich. Für die 3. Liga, in der die zweite Mannschaft im Optimalfall spielen wird, ist er sich zu schade und wohl auch überbezahlt. Für die erste Mannschaft wird es nicht reichen.

Bei 11Freunde sagte Arp: "Ich kam als Niemand zum FC Bayern. Nicht mal mehr als aufstrebender Bundesligaspieler, sondern als Zweitligaspieler, der zwischen Reservisten- und Rotationsrolle gewippt hat." Gemeint war seine Zeit beim HSV, doch in Kiel sieht die sportliche Rolle nicht anders aus. Noch hat er aber Zeit, ein Jemand zu werden.

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