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Fussball

Arveladze: "Ich bin van Gaal für immer dankbar"

Von Interview: Haruka Gruber
Arveladze obenauf: Der Georgier gewann mit den Rangers zwei Meisterschaften
© Getty

Mit Kayserispor lehrt Shota Arveladze den Istanbul-Klubs das Fürchten. Am Montagabend gewann die Truppe des Georgiers mit 1:0 gegen Bernd Schusters Besiktas und greift in der Süper Lig ganz oben an. Dabei wäre Arveladze fast beim FC Bayern gelandet. Der Ex-Ajax-Star über Mentor Louis van Gaal, seine Freundschaft mit Christian Nerlinger und den Beginn einer neuen Ära.

SPOX: Sie mischen mit dem international unbekannten Kayserispor die türkische Liga auf und liegen auf Platz drei. Wächst in Zentral-Anatolien etwas Großes heran?

Shota Arveladze: Ach, das geht mir alles schon zu schnell, wir haben doch erst ein paar Spieltage absolviert. Um einen Trend zu erkennen, ist es zu früh.

SPOX: Jedoch gehört Kayseri neben Meister Bursa und Trabzon immerhin zu den Vereinen, die kräftig am Thron der Istanbuler Top-Klubs rütteln.

Arveladze: Erst einmal müssen wir aber sehen, ob sich mittelfristig tatsächlich etwas an den Kräfteverhältnissen ändert. Die großen Klubs machen das, was sie schon immer machen und gaben in diesem Sommer erneut viel Geld aus. Wir hingegen verfügen nur über ein Viertel oder Fünftel von deren Budget. Deswegen bleibt uns nur die Möglichkeit, uns mit Geduld und der nötigen Lockerheit Schritt für Schritt zu entwickeln und zu hoffen, dass die Philosophie aufgeht.

SPOX: Es bleibt dennoch der Eindruck, dass Kayseri mit aller Macht nach oben will. Zuletzt haben Sie Ex-Juventus-Stürmer Marcelo Zalayeta verpflichtet, außerdem wurden Mikael Silvestre, Kris Boyd und Mido Angebote vorgelegt.

Arveladze: Aber es ist ja kein Widerspruch zu unserem Plan, mit Bedacht zu wachsen. Nur weil wir mit einigen Spielern in Verbindung gebracht wurden, heißt es nicht automatisch, dass wir das Geld aus dem Fenster schmeißen. Wir haben eine klare Marschroute: Priorität hat die Infrastruktur. Deswegen bauen wir derzeit einen neuen, hochmodernen Trainingskomplex für die Profimannschaft und die Jugendspieler, der alle Wünsche erfüllt. Wenn er eingeweiht wird, bricht für Kayseri eine neue Ära an. Das ganze Geld für Spieler auszugeben, die vielleicht nach einem Jahr schon gehen, ist ein Glücksspiel, an dem wir nicht teilnehmen wollen.

SPOX: Dafür stattete Kayseri den ehemaligen Bundesliga-Profi Selim Teber mit einem Zwei-Jahres-Vertrag aus. Wie hat er sich eingefunden?

Arveladze: Sehr gut. In meiner Mannschaft sind zehn Spieler 22 Jahre alt oder jünger, deswegen brauche ich jemanden wie ihn. Er hat Jahre lang in der Bundesliga gespielt und ist mit seinem Trainingsfleiß ein Vorbild für die anderen. Auf ihn kann ich mich verlassen.

SPOX: Tebers Wechsel kam überraschend, Ihre Verpflichtung jedoch auch. Warum haben Sie sich für Kayseri entschieden?

Arveladze: Ganz einfach: Ich bekam keine Angebote. (lacht) Als Co-Trainer hätte ich einige Optionen gehabt, ich wollte aber den Sprung zum Chefcoach schaffen - und da hatte ich nur die Wahl zwischen Kayseri und dem georgischen Verband. Ohne Erfahrung wollte ich jedoch keine Nationalmannschaft übernehmen.

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SPOX: Stimmt es, dass Sie fast beim FC Bayern als Co-Trainer von ihrem Mentor Louis van Gaal unterschrieben hätten? Und dass sich München dann doch gegen Sie entschieden hat, weil Sie kein Deutsch sprechen?

Arveladze: Es gab andere Gründe als die Sprache, aber ins Detail kann ich leider nicht gehen, weil ich es schlichtweg nicht weiß.

SPOX: Eine Zusammenarbeit mit van Gaal hätte Sinn gemacht, immerhin verbindet sie ein besonderes Verhältnis. Wie lässt sich die Beziehung beschreiben?

Arveladze: Ich habe bereits in Alkmaar unter ihm gespielt. Nachdem mein letztes Karrierejahr bei Levante wegen vielen Verletzungen sehr schlecht lief, hat er sich bei mir gemeldet und mir den Co-Trainer-Job in Alkmaar angeboten. Ich habe selbstverständlich sofort zugesagt. Wer bekommt schon die Chance, von einem der besten Trainer der Welt umsonst Nachhilfe zu bekommen? Und das täglich! Ich werde ihm für immer dankbar sein, dass er mich angerufen hat.

SPOX: Was genau haben Sie von van Gaal gelernt?

Arveladze: Er hat mir einige Geheimnisse verraten, wie man eine Mannschaft führt und wie man mit Problemen umgeht.

SPOX: Und?

Arveladze: Leider darf ich die Geheimnisse nicht verraten. (lacht)

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SPOX: Noch immer fällt es schwer, van Gaal einzuschätzen. Vor allem zu Beginn hatten einige Journalisten Angst vor ihm. Wie ist er privat?

Arveladze: Ich kann die Journalisten beruhigen: Angst braucht man vor van Gaal nicht zu haben. Mit ihm lässt sich über alles reden - solange eine Voraussetzung erfüllt ist: Die Fragen müssen logisch sein. Er ist offen für jedes Argument. Wenn die Unterhaltung aber nur aus Blabla besteht, wird er völlig zu Recht sauer. Er ist ein Arbeitstier und hat wenig Zeit, das muss jeder verstehen und ihm Respekt zollen, indem man sich vorbereitet. Es kann nicht funktionieren, wenn ein Journalist denkt: "Heute ist schönes Wetter, dann gehe ich mal zu Louis und frage ihn irgendwas." Ich hatte nie Probleme mit ihm und konnte immer mit ihm reden, wenn mich etwas beschäftigt hat.

SPOX: Sie schossen unter van Gaal in zwei Jahren bei Alkmaar 36 Tore, auch für die Glasgow Rangers und Ajax Amsterdam trafen sie beständig zweistellig. Welche Station war ihre erfolgreichste?

Arveladze: Eindeutig meine Zeit in Amsterdam zwischen 1997 und 2001. Ajax war damals eine der dominierenden Kräfte im europäischen Fußball und hat mich dennoch von Trabzonspor verpflichtet, obwohl ich ein Nobody war. Auf einmal stehe ich gemeinsam mit Michael Laudrup, Danny Blind den de Boers und Jari Litmanen auf dem Platz und spiele in der Champions League und im UEFA-Cup eine entscheidende Rolle. Mir kommt es nach wie vor wie ein Traum vor.

SPOX: In Glasgow standen Sie wiederum mit Christian Nerlinger in einer Mannschaft. Hätten Sie gedacht, dass er wenige Jahre später beim FC Bayern die Nachfolge von Uli Hoeneß antrittt?

Arveladze: Nicht wirklich. Christians Intelligenz ist mir damals natürlich aufgefallen, aber ich dachte eher, dass er irgendwo bei einem kleineren Verein eine gute Stelle annimmt und dort sein Glück findet. Dass es jetzt der Manager-Posten bei einem der größten Vereine der Welt wurde, kommt deswegen schon überraschend. Aber ich freue mich sehr für ihn, er hat einen guten Charakter. Es gibt nur einen Nachteil.

SPOX: Nämlich?

Arveladze: Bis letztes Jahr haben wir uns häufiger unterhalten, aber seit er Bayern-Manager ist, hat er leider nicht mehr so viel Zeit. (lacht)

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