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Fussball

Fußball-Kolumne: FC Barcelona mit Milliardenschulden - darum geht der Klub trotzdem nicht pleite

Antoine Griezmann vom FC Barcelona: Sein Klub hat über eine Milliarde Schulden.

Angesichts der unfassbar hohen Verbindlichkeiten von mehr als einer Milliarde Euro steht der künftige Präsident des FC Barcelona vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Schmerzliche Einschnitte sind unvermeidbar, trotzdem ist ein totaler Bankrott unwahrscheinlich. Die Fußball-Kolumne.

Fast 18 Jahre ist es her, dass Joan Laporta überraschend zum Präsidenten des FC Barcelona gewählt wurde. Nassgeschwitzt, aber glücklich präsentierte sich der als krasse Außenseiter angetretene Rechtsanwalt in einer schwülen Juninacht seinen jubelnden Anhängern.

Der damals 40-Jährige stand für Aufbruch, doch die Zukunft des katalanischen Traditionsvereins sah damals düster aus. "Beim FC Barcelona sind das größte Problem für den neuen Vorstand die hohen Schulden, zurzeit sind es angeblich etwa 220 Millionen Euro ", schrieb die FAZ.

Am 7. März kandidiert Laporta erneut als Präsident, diesmal aber als klarer Favorit - bei den vereinsinternen Vorwahlen erhielt er mehr Stimmen als seine verbliebenen Konkurrenten Victor Font und Toni Freixa zusammen.

Sollte Laporta die Wahl gewinnen, müsste er Barca erneut aus der Krise führen. Allerdings unter wesentlich erschwerten Bedingungen.

Barca: 1,17 Milliarden Euro Verbindlichkeiten

Wie der Verein in seinem unter der Woche veröffentlichten Wirtschaftsbericht bekanntgab, waren die aktuellen Verbindlichkeiten rund fünfmal so hoch wie zu Laportas erster Amtszeit. Und das rekordverdächtige Minus von 1,17 Milliarden (!) Euro zum 30. Juni 2020 dürfte angesichts der Verluste der Corona-Pandemie sogar noch mal deutlich gewachsen sein.

Vor allem der coronabedingte Verlust der Zuschauereinnahmen im fast 100.000 Plätze fassenden Camp Nou trifft den Klub hart. Auch eine von Laportas damaligen Maßnahmen zum Schuldenabbau ist nun nicht wiederholbar: Seinerzeit erhöhte er die Ticketpreise um bis zu 40 Prozent. Zudem verkleinerte er den 102-köpfigen Vorstand, reduzierte die Mitarbeiterzahl und senkte die Spielergehälter.

Barca: 74 Prozent der Ausgaben für Spielergehälter

Auch jetzt könnten den mehr als 700 Vereinsangestellten Entlassungen drohen, ihr Gehalt wurde wegen der Pandemie schon im vergangenen Jahr ebenso wie das der Profis um 70 Prozent gekürzt. Trotzdem weist der Finanzbericht noch immer rund 600 Millionen Euro an Spielergehältern aus, was 74 Prozent der gesamten Ausgaben ausmacht. 2014, als der Ende Oktober zurückgetretene Präsident Josep Maria Bartomeu ins Amt gekommen war, lagen diese Kosten noch bei etwa 320 Millionen Euro.

Eins von mehreren Beispielen der horrenden Misswirtschaft unter Bartomeu, der von Vielen als Hauptverantwortlicher der drohenden Pleite ausgemacht wurde. Die neue Führung wird vermutlich einen Großteil des Tafelsilbers verscherbeln müssen, allein die kurzfristigen Schulden belaufen sich auf 730 Millionen Euro.

Coutinho, Dembele, Malcom - Barcas lange Liste an Transferflops

Das liegt neben den ungesund hohen Lohnzahlungen vor allem an der langen Liste von Bartomeus Transferflops. In seine Amtszeit fallen vier der fünf teuersten Einkäufe der Vereinsgeschichte, allen voran die (bislang) gescheiterten Philippe Coutinho (145 Millionen Euro Ablöse an Liverpool) und Ousmane Dembele (120 Millionen an Borussia Dortmund). Unter den All-Time-Top-20 finden sich aber noch größere Fehleinkäufe Bartomeus wie die Brasilianer Malcom (41 Millionen) und Paulinho (40 Millionen).

Gleichzeitig hat Barca noch immer nicht allen Vereinen die kompletten Ablösesummen bezahlt, so wartet unter anderem Liverpool noch auf 29 Millionen für Coutinho und Bordeaux auf knapp zehn Millionen für Malcom. "Es ist völlig normal, dass Ablösesummen über die Zeit amortisiert und in verschiedenen Raten gezahlt werden, aber was nicht so normal ist, ist, dass so viele Zahlungen ausstehen, auch für Spieler, die den Verein inzwischen verlassen haben", erklärte die Sportzeitung Marca dazu.

"Barca am Rande des Bankrotts"

Die Ratenzahlungen helfen den Großklubs, die Bilanzen schönzurechnen und gehören zu den bilanziellen Tricks, mit denen zahlreiche Großklubs hantieren. Die verpflichteten Spieler fließen mit ihrem gesamten Marktwert in die Habenseite der Bilanz ein, ihre Marktwerte dienen auch als Sicherheit für Kredite. Doch irgendwann müssen die dadurch generierten Kredite an die Banken zurückgezahlt werden, bis Ende Juni fallen stolze 266 Millionen Euro an. "Barca am Rande des Bankrotts", schrieb die Zeitung El Mundo daher nach Bekanntgabe des Schuldenstands. Und Marca titelte: "Abgrund ohne Boden. "

Trotzdem wird Barca mit ziemlicher Sicherheit keine Insolvenz anmelden müssen. Einerseits verfügt der laut Forbes hinter Real Madrid zweitwertvollste Fußballklub der Welt als Besitzer des Stadions und des 14 Hektar großen Vereinsgeländes über hohes Eigenkapital, hinzu kommt der Marktwert des aktuellen Kaders.

Außerdem werden Sport und Politik alles tun, um den Konkurs abzuwenden. Gerade in der nach Unabhängigkeit strebenden autonomen Region Katalonien kann sich die Landesregierung nicht erlauben, im Notfall auf großzügige Staatshilfe für Barca zu verzichten und damit Millionen von Barca-Fans (und potenziellen Wählern) vor den Kopf zu stoßen. Zumal der Klub durch seine Rolle in der verhassten Diktatur unter Franco (1939 bis 1975) bis heute als Symbol der Unabhängigkeit gegenüber der Zentralmacht in Madrid gilt.

Barca und Real überlebensnotwendig für Primera Division

Doch auch die Konkurrenten in der Primera Division sind wirtschaftlich auf die weltweite Strahlkraft des FC Barcelona angewiesen, ebenso auf die von Real Madrid. Nach einer Studie aus dem Jahr 2016 wären die Gesamteinnahmen der Liga, unter anderem für TV-Rechte, Sponsoring und Werbung, ohne die beiden Topklubs um rund 1,3 Milliarden Euro niedriger ausgefallen.

Gleichwohl wird das neue Präsidium nicht umhinkommen, unangenehme Entscheidungen zu treffen. Neuzugänge dürften nur finanzierbar sein bei einer deutlichen Reduzierung des aktuellen Kaders und eines Verkaufs von Leistungsträgern wie Ansu Fati (Marktwert rund 80 Millionen Euro), Marc-Andre ter Stegen (75 Millionen) oder Frenkie de Jong (65 Millionen). Auch ein Verbleib von Klubikone Lionel Messi, den alle Präsidentschaftskandidaten eigentlich halten wollen, ist extrem unwahrscheinlich. Messis Weggang würde das Gehaltsbudget deutlich entlasten.

Da der laut Spiegel mit 71 Millionen Euro Fixgehalt pro Jahr dotierte Vertrag des Argentiniers ausläuft, kann er im Sommer gehen. Als Favorit gilt Paris St. Germain, angeblich lernen Messi und seine Familie bereits Französisch. Barcelona wollte der 33-Jährige bereits nach der missratenen vergangenen Saison verlassen und eine Verlängerung hat er immer an eine sportliche Perspektive geknüpft.

Barca: Abgabe der Namensrechte des Camp Nou oder gar Ausgliederung?

Doch der einzige Weg aus der Schuldenfalle ohne sportlichen Qualitätsverlust wäre der Ausverkauf an anderer Stelle. Etwa durch die Abgabe der Namensrechte des Camp Nou an einen potenten Geldgeber, die Beleihung der eigenen Immobilien oder den Verkauf der weltweit so umsatzstarken Merchandising- und Marketingrechte.

Alles schwer zu schlucken für die stolzen Mitglieder des siebtgrößten Sportklubs der Welt. Noch schlimmer wäre aber sicherlich die Ausgliederung der Profifußballer in eine AG aus dem eingetragenen Verein, auch wenn das der schnellste Weg zu neuem Reichtum (und zum geplanten neuen Stadion) durch Investoren aus Arabien oder China sein könnte.

Gut möglich, dass Laporta daher von vielen Mitgliedern schon allein aus nostalgischen Gründen wieder zum Präsidenten gewählt wird. Fünf Jahre lang hatte Barca keinen Titel gewonnen, als er antrat. Seitdem holten die Blaugrana zehn der 26 Meisterschaften, zehnmal den Pokal und viermal die Champions League. Trotzdem zeigt ein genauer Blick zurück, dass man durchaus Zweifel an Laportas wirtschaftlicher Kompetenz haben kann: Am Ende seiner Amtszeit 2010 hatte er den Schuldenstand keineswegs verringert - sondern auf 400 Millionen fast verdoppelt.

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