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Fussball

Kai Havertz zu Real Madrid? Warum wenig für einen Wechsel spricht

Kai Havertz steht auf der Wunschliste zahlreicher Top-Klubs.

Kai Havertz wird neben dem FC Chelsea auch immer wieder mit Real Madrid in Verbindung gebracht. Ein Blick auf die finanzielle Situation, den Kader sowie die taktische Ausrichtung der Königlichen verrät aber: Wenig spricht dafür, dass das deutsche Top-Talent in diesem Sommer ins Estadio Santiago Bernabeu wechselt.

  • Finanzen: Reals Situation lässt einen Transfer der Größenordnung Havertz nicht zu

Bei Real schätzen sie nicht erst seit Toni Kroos deutsche Spieler. Aus Madrid ist daher natürlich auch zu vernehmen, dass die Bosse des spanischen Rekordmeisters den 21-jährigen Havertz für einen interessanten Spieler halten. Nur: Sie können sich nicht vorstellen, den von Bayer Leverkusen geforderten dreistelligen Millionenbetrag für ihn zu stemmen. Zumindest nicht in diesem Sommer.

"Real kann 60, maximal 70 Millionen Euro bieten. Das ist zu wenig für Leverkusen. Die Corona-Krise hat den spanischen Fußball getroffen", sagt Ruben Uria, Chefredakteur von Goal Spanien.

Der 13-malige Champions-League-Sieger ist zwar seit Jahren der umsatzstärkste Klub der Welt, hat mit der etwa 575 Millionen Euro schweren Modernisierung des Estadio Santiago Bernabeu aber bereits vor der Corona-Krise einen hohen Schuldenberg angehäuft. Dabei handelt es sich nicht um kurzfristig zu entrichtende Verbindlichkeiten, der Klub kann den Betrag bis 2049 an diverse Kreditgeber abbezahlen.

Dennoch: Real-Präsident Florentino Perez will sich vor großen Geschäften auf dem Transfermarkt hüten - auch, weil er einen Transfer von Wunschspieler Kylian Mbappe nach wie vor fest im Visier hat. Dieser würde an die 200 Millionen Euro kosten. 2021, spätestens 2022, will Perez sich ernsthaft um den wie Havertz 21 Jahre alten Superstar von Paris Saint-Germain bemühen, heißt es.

Ein Wechsel von Havertz nach Madrid würde aus finanzieller Sicht demnach nur in den Bereich des Möglichen rücken, wenn Real ein bis zwei Spieler in den Deal mit Leverkusen verrechnen und damit die Ablöse für Havertz senken könnte. Danach sieht es aktuell nicht aus, zumal es neben der Zustimmung des Bundesligisten auch das Okay der an dem Deal beteiligten Spieler bräuchte. Ein kompliziertes Unterfangen.

  • Kader: Ein königliches Überangebot - und was passiert mit Ödegaard, wenn Havertz kommt?

Schon jetzt herrscht im Kader von Real-Coach Zinedine Zidane ein Überangebot an Offensivspielern - und im Sommer enden noch zahlreiche Leihgeschäfte. "Der Kader wird dann von 26 auf rund 35 Spieler anwachsen", sagt Uria. "Klar ist: Der Verein muss erst verkaufen, bevor er kaufen kann. Sechs bis sieben Spieler müssen gehen."

Aber selbst wenn man die auf dem Abstellgleis stehenden Gareth Bale (30), James Rodriguez (28) oder den aktuell noch an den FC Arsenal verliehenen Dani Ceballos (23) loswird, herrscht im offensiven Mittelfeld kein akuter Bedarf. Isco (28) spielt in den Plänen von Zidane nach wie vor eine wichtige Rolle, außerdem ist Marco Asensio (24) gerade erst nach langer Kreuzbandverletzung zurückgekehrt.

Der Spanier kann zwar auch auf die Flügel ausweichen, doch diese sind mit 100-Millionen-Neuzugang Eden Hazard (29), dem nach wie vor auf seinen bis 2022 datierten Vertrag beharrenden Bale (30), Lucas Vazquez (28) sowie den jungen Brasilianern Vinicius Junior und Rodrygo (beide 19) ebenfalls nicht allzu schlecht bestückt. Außerdem besteht Interesse an einem Transfer von Valencias Rechtsaußen Ferran Torres (20), der für deutlich weniger Geld zu haben wäre als Havertz.

Hinzu kommt, dass mit Reinier Jesus erst im Januar ein weiteres Top-Talent aus Brasilien für 30 Millionen Euro verpflichtet wurde. Der 18-Jährige ist wie Havertz eine Mischung aus Spielmacher und hängender Spitze. Und da wären ja auch noch Takefusa Kubo (19, bis zum Saisonende auf Leihbasis bei RCD Mallorca) und Martin Ödegaard (21, bis zum Saisonende auf Leihbasis bei Real Sociedad, Option auf ein weiteres Jahr), zwei weitere technisch beschlagene Offensivtalente.

Gerade von Ödegaard versprechen sie sich in Madrid sehr viel. Der Norweger spielt eine überragende Saison, steht bei sieben Toren und acht Vorlagen in 29 Einsätzen. Fraglich, ob er und Havertz kompatibel wären. Experte Uria fasst zusammen: "Nur ein großes Stühlerücken im Kader würde einen Transfer von Havertz ermöglichen."

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