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Fussball

Christoph Metzelder: Probleme im Kerngeschäft

Von Andreas Lehner
Christoph Metzelder wechselte 2007 abslösefrei von Borussia Dortmund zu Real Madrid
© Getty

Der Wechsel zu Real Madrid war für Christoph Metzelder der logische Schritt in seiner Entwicklung. Nach zweieinhalb Jahren in Spanien steckt seine Karriere in der Sackgasse. Es gibt nur einen Ausweg.

Christoph Metzelder ist ein intelligenter Mensch. Er gehört zu der Sorte Fußballer, die über den Tellerrand ihres Sports hinausblicken und sich auch in anderen Bereichen des Lebens auskennen und engagieren.

Da kommt es schon mal vor, dass Metzelder an der Humboldt-Universität in Berlin einen Vortrag zum Thema "Die Bedeutung von Bildung bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise" hält. Oder seinem Heimatverein TuS Haltern finanziell unter die Arme greift, weil er die Hilfe als sozialen Auftrag versteht.

"Logischer Schritt in meiner Entwicklung"

In seinem Kerngeschäft Fußball steckt er selbst seit einiger Zeit in einer Krise. Genauer gesagt, seitdem er bei Real Madrid spielt. Metzelder hatte den Wechsel von Borussia Dortmund zu einem europäischen Topverein als "logischen Schritt in meiner Entwicklung" bezeichnet.

Dementsprechend gut vorbereitet war er bei seiner Vorstellung als neuer Spieler der Königlichen.

Immerhin stand er 2003 schon einmal kurz vor einem Wechsel zu den "Blancos". 2005 hatte er zusammen mit Sebastian Kehl zu Dortmunder Zeiten begonnen, Spanisch zu lernen.

Der moderne Verteidiger

Während Kehl die Fremdsprache im Bereich Persönlichkeitsentwicklung abheften kann, nutzte Metzelder seine zweite Real-Chance und hielt seine Antrittsrede in fast perfektem Spanisch.

Die Sympathien der Fans hatte er sofort auf seiner Seite. Die der Trainer allerdings nicht. Sportlich brachte ihn der Wechsel nicht nach vorne, es war eher ein Rückschritt.

Zu seiner Hochzeit galt Metzelder noch als Prototyp des modernen Verteidigers, inzwischen hängt ihm das Bild des verletzungsanfälligen Bankdrückers nach.

Nur 13 Spiele im ersten Jahr

Mit Bernd Schuster, Juande Ramos und Manuel Pellegrini hat er schon drei Trainer mitgemacht, unter keinem konnte er sich nachhaltig durchsetzen.

"Wir haben einen portugiesischen, einen italienischen, einen argentinischen und mit mir einen deutschen Nationalspieler in der Abwehr", sagte Metzelder vor Beginn der letzten Saison. "Wenn ich gesund bin, werde ich aber spielen - auch wenn ich vielleicht keine 60 Spiele mache. 40 wären auch in Ordnung."

Am Ende waren es 27. Immerhin mehr als doppelt so viele wie in seinem ersten Jahr (13), aber deutlich zu wenig für einen Spieler mit seinen Ansprüchen.

Blamage in Alcorcon

In der laufenden Spielzeit sind es bisher zwei. Und im Moment deutet wenig darauf hin, dass noch viele hinzukommen werden. Das 0:4 im Pokal beim Drittligisten AD Alcorcon war sein letzter Pflichtspieleinsatz, danach wurde er aus dem Kader gestrichen.

Aber Metzelder beklagt sich nicht. Er ist ein Musterprofi, wie auch Reals Sportdirekter Miguel Pardeza bestätigt, und hat immer das Wohl der Mannschaft im Blick. Aber er muss auch anerkennen, dass seine Karriere in Madrid in einer Sackgasse angekommen ist.

Dabei sah es in der Vorbereitung noch gut aus. 488 Spielminuten absolvierte er in den Testspielen - nur fünf Spieler hatten mehr. Metzelder war zuversichtlich, seinen Platz auch nach der Rückkehr des gesperrten Pepe verteidigen zu können, und auch die Aussagen von Pellegrini durften ihn positiv stimmen. Der Chilene bezeichnete ihn als unantastbar, was Spielerverkäufe anbelangt.

Die WM-Teilnahme wackelt

Metzelder wird aber bald selbst die Initiative ergreifen müssen, um seine Ziele nicht zu gefährden. Zwar sagte Metzelder einst, dass es ein tolles Gefühl sei, "zur Nationalmannschaft zu reisen und in der Nominierung hinter dem eigenen Namen als Verein Real Madrid zu lesen", nur fährt er im Moment nicht mehr zur DFB-Auswahl.

Und Bundestrainer Joachim Löw wird den Innenverteidiger nicht noch einmal ohne Spielpraxis mit zu einem großen Turnier nehmen. Und die WM 2010 ist nicht mehr weit.

"Wenn Christoph zurück zur Nationalmannschaft will, dann muss er spielen, entweder bei Real oder bei einem anderen Verein", kündigte Löw bereits vor einem Jahr an. Schon damals hatte ihm Löw einen Vereinswechsel nahegelegt.

Metzelders Vertrag läuft im Sommer 2010 aus, im Winter könnte Real also noch ein paar Euro kassieren. Ein Gewinngeschäft für beide Seiten. Zumal es bisher keine Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit den Real-Verantwortlichen gegeben hat, wie Metzelders Berater Jörg Neubauer auf Nachfrage von SPOX bestätigte.

Kein beständiges Duo im DFB-Team

Noch hat Löw keinen perfekten Partner für Per Mertesacker gefunden. Arne Friedrich, Heiko Westermann und Serdar Tasci durften sich abwechselnd beweisen, konnten ihre Tauglichkeit aber nicht nachhaltig unter Beweis stellen.

Ein Rückgriff auf das bewährte Duo der WM 2006 und der EM 2008 könnte Abhilfe schaffen. Dann könnten sich die Fans auch wieder auf ein modisches Highlight freuen.

"Wenn ich nächstes Jahr in Südafrika dabei sein sollte, werde ich mir wieder einen Bart wachsen lassen. Dieses Ritual hat uns bisher immer weit gebracht."

Christoph Metzelder im Steckbrief

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