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Fussball

FC Südtirol: Aufstiegs-"Märchen" in ethnischem Spannungsfeld

SID

Mit dem FC Südtirol spielt ab Sommer erstmals seit 1948 ein Klub aus der autonomen Provinz Bozen in der Serie B. Der junge Verein überwindet Grenzen.

Leroy Sane hat die "Sportzone Rungg" in Eppan nicht in allzu guter Erinnerung. Nach einer sehr durchwachsenen Vorbereitung dort wurde der hoch talentierte Jungstar 2018 vom damaligen Bundestrainer Joachim Löw aus dem WM-Kader gestrichen. Dass nahe des Montiggler Waldes auch Großes entstehen kann, beweist der FC Südtirol - nicht nur auf dem grünen Fußballrasen.

Meister und Aufsteiger in die Serie B: Mit dem FCS tritt ab Sommer erstmals seit dem AC Bozen in der Saison 1947/48 wieder ein Klub aus der autonomen Provinz Bozen/Südtirol in der zweithöchsten Spielklasse Italiens an. Klubdirektor Hannes Fischnaller sieht "eine neue Zeitrechnung" anbrechen, die Gazzetta dello Sport schreibt von einem "Märchen". Schließlich ist der Klub erst 27 Jahre alt und fing nach seiner Gründung 1995 in der Landesliga an.

Mehr noch: Er ist in einem ethnischen Spannungsfeld erfolgreich und wirkt dort sogar verbindend. Das ist alles andere als selbstverständlich. Die politischen Debatten in der Provinz drehen sich bis heute immer wieder um die Erweiterung der Autonomie.

Rechte Parteien träumen, ermuntert von der rechtspopulistischen FPÖ aus Österreich, von der Loslösung von Rom, einem Freistaat oder gleich einem Beitritt zur Alpenrepublik.

FC Südtirol und die empfindlichen Gemüter

Dem FCS sei es gelungen, "die kirchturmpolitischen Zäune niederzureißen", urteilte die Neue Südtiroler Tageszeitung. Sogar die 23 Prozent italienischsprachigen Menschen in der Region, neben den 62 Prozent deutschen Muttersprachlern klar in der Minderheit, hätten sich "daran gewöhnt, vom FC Sudtirol zu sprechen" und verstanden, dass dieses Erfolgsmodell "nicht gegen sie gerichtet ist".

Wie empfindlich die Gemüter sind, musste der Klub erfahren, als er das italienische Alto Adige (Südtirol) in seinem Wappen durch "Bolzano - Bozen" ersetzte und "ethnische Zündler" Sturm liefen.

"Jede Sekunde, die man sich mit solchen Sachen beschäftigt, ist verlorene Zeit", sagte Geschäftsführer Dietmar Pfeifer. Großklubs in aller Welt vermarkteten sich wie selbstverständlich international, doch "bei uns im kleinen Südtirol streitet man darüber, ob man einen Begriff in deutscher oder italienischer Sprache anführt". Absurd.

FC Südtirol mit über 150 Sponsoren

Zumal die Unternehmergruppe, die sich 1995 zur Klubgründung zusammen fand, den FCS bewusst als "Werbeträger" für ganz Südtirol aufbauen wollte, wie der Duschkabinenhersteller Hans Krapf einmal erklärte.

Er hält noch heute 36 Prozent am FCS, der nach dem Vorbild Bundesliga mehr als die Hälfte der Einnahmen über seine über 150 (!) Sponsoren generiert. Mit Gerhard Comper übernahm im Herbst der Verwaltungsdirektor einer Brauerei (Forst) das Präsidentenamt, seine Vizes haben Führungsposten bei der Sparkasse oder den Obstgenossenschaften inne.

Die Gazzetta widmete diesem "Modello Südtirol" (mit ü!) eine Sonderseite und lobte die Infrastruktur. Das frisch renovierte Drusus-Stadion in Bozen hat 5500 Plätze, das Trainingszentrum in Eppan ist erstligatauglich.

FC Südtirol: Wenig Gehalt, geringes Budget

Dabei wirft der Klub keineswegs mit Geld um sich, seine "Stars" verdienen mit höchstens 90.000 Euro/Jahr nicht einmal ein Drittel dessen, was die Konkurrenz bezahlt. Das Budget beträgt fünf Millionen Euro, Padua oder Triest geben doppelt so viel aus. Der Aufstieg kommt deshalb überraschend.

Als Zweitliga-Eintagsfliege sieht sich der Verein, der in den Südtiroler Landesfarben Weiß-Rot spielt, allerdings nicht. Langfristig, sagt Manager Fischnaller, könne man "vorne mitspielen" - und das Märchen weiterschreiben.

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