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Fussball

Auswärtsspiel - die SPOX-Kolumne: Drei Abstiege für den Stolz des Imperators

Ozan Kabak gilt nach wie vor als eine der größten Abwehrtalente Europas, doch die Karriere des 22 Jahre alten Türken bekam hier und da einen Knick. Bald drei Abstiege, fünf Klubs und Verletzungen stoppten vorerst den Weg nach ganz oben. Aber Kabak hat nicht nur Potenzial, sondern auch einen mächtigen Freund.

Im Januar 2019 kam es bei Galatasaray zu einer Führungskrise. In der ganzen Woche wurde darüber spekuliert, dass Fatih Terim, der ewige Imperator, vor dem Rücktritt steht. Die Anhänger in Aufruhr, die Medien unter Dauerstrom, der Vorstand unter Druck.

Hintergrund der Krise war Ozan Kabak. Der VfB Stuttgart legte ein Angebot vor, das die von Finanzproblemen gebeutelten Vorstandsmitglieder sofort annehmen wollten. Terim dagegen wehrte sich, wollte nicht mitten in der Saison sein wertvollstes Talent verlieren.

Außerdem war er der Meinung, dass man später mehr verdienen kann, als die von Stuttgart angebotenen elf Millionen Euro. Terim legte sein Veto ein, doch der Vorstand um den inzwischen verstorbenen Mustafa Cengiz winkte den Transfer durch. Kabak ging in die Bundesliga. Terim war sauer.

Er sagte: "Ich wollte nicht, dass Ozan geht, aber der Präsident und meine Freunde im Vorstand sahen es anders. Wenn es so kommt, gibt es zwei Optionen. Entweder man akzeptiert die Entscheidung oder man macht was anderes. Dieses andere habe ich nicht gemacht, weil ich den Fans von Galatasaray etwas versprochen hatte."

Kabak in Stuttgart: Abstieg trotz guter Leistungen

Terim kokettierte offen mit dem Rücktritt - und der Kabak-Verkauf war auch der Startschuss für eine komplizierte Beziehung, die nie wieder gekittet werden konnte. Denn Kabak war damals nach langer Zeit wieder mal ein Spieler aus der früher so erfolgreichen Talentschmiede Galatasarays. Terim hatte den erst 17 Jahre alten Innenverteidiger zu den Profis geholt und auf Anhieb zum Stammspieler gemacht. Kabak durfte noch nicht mal Auto fahren, da spielte er schon mit 18 in der Champions League gegen Schalke, Lok Moskau und Porto.

So unglücklich Terim über die Entscheidung auch war, so gespannt sah er zu, wie sich sein einstiger Ziehsohn entwickelte. Noch heute gilt der Imperator als enger Ansprechpartner Kabaks. Einen guten Rat wird der heute 22 Jahre alte Abwehrspieler auch gut brauchen. Es ist vielleicht kein Karriereknick, den Kabak erlebt, aber der Weg in die große weite Welt hinaus gestaltet sich für den Türken schwieriger als gedacht.

Beim VfB Stuttgart, wohin er wechselte, weil er trotz vieler Alternativen einen behutsamen Start in seine internationale Karriere haben wollte, erlebte er nur ein halbes Jahr später den ersten Abstieg, obwohl seine eigenen Leistungen vielversprechend waren. In 17 Spielen gelangen ihm sogar drei Tore. Von der Bundesliga wurde er einmal gar zum Rookie des Monats gewählt.

Reschke holte Ozan Kabak auch zu Schalke

Im anschließenden Sommer konnte sich Kabak seinen neuen Verein aussuchen, entschied sich aber für Schalke 04. Federführend war dabei Michael Reschke, der als Sportvorstand Kabak erst nach Stuttgart holte, dann als Technischer Direktor nach Gelsenkirchen. In Stuttgart machte er ihn zum teuersten Einkauf der Klubgeschichte. Bei Schalke nutzte er die Klausel, die er selbst ausgehandelt hatte, wonach Kabak beim Abstieg für 15 Millionen Euro gehen kann.

Schon vor dem Wechsel nach Stuttgart waren neben vielen internationalen Topklubs auch der FC Bayern interessiert. Auch beim Wechsel zu Schalke gab es in München Überlegungen, aber Kabak wollte spielen und nicht als vierter oder fünfter Innenverteidiger auf Kurzeinsätze warten.

Bei Schalke kam er auf die erhofften Einsätze, er stach sogar als einer der besten Spieler heraus, doch dann kam die unsägliche Pandemie, die bei Schalke so einiges veränderte. Plötzlich ging es um die Existenz des Klubs. Schalke stürzte in eine der größten Krisen der Vereinsgeschichte, überlebte nur durch Kredite. Sportlich dagegen kam es mit Anlauf zum Desaster. Negativrekorde über Negativrekorde, Abstieg am Saisonende.

Ozan Kabaks Intermezzo beim FC Liverpool

Da war Ozan Kabak schon beim FC Liverpool. Der Klub von Jürgen Klopp lieh ihn aus, um die vielen Ausfälle in der Innenverteidigung aufzufangen. Es war nicht die sportlich beste Saison unter Klopp für die Reds, aber wenn Kabak spielte, wusste er durchaus sein Potenzial zu zeigen. "Du hast mein Vertrauen zu Stolz verwandelt, dein Gesicht soll immer lachen", schrieb Fatih Terim damals bei Instagram. Kabak bei Liverpool - das löste viel Begeisterung in der Türkei aus, zumal der Klub von der Merseyside eine breite Unterstützung in der Türkei genießt.

Die Schalker (und die türkische) Hoffnung, dass Liverpool am Ende der Saison die Kaufoption zieht, zerschlug sich allerdings. Nach Informationen von SPOX und GOAL legte man sich in Liverpool schon vor Kabaks Ankunft auf Leipzigs Ibrahima Konate fest. Am Ende der Saison kam es dann auch zum Wechsel. Kabak ging zurück nach Gelsenkirchen. Die Schalker Bosse setzten bei der Neugestaltung des Kaders auch auf die potenziellen Erlöse aus einem Kabak-Transfer.

Doch bei Schalke verfestigte sich die Meinung, dass man nicht unter 15 Millionen Euro verkaufen will. Viele Angebote, die der Klub unter dieser Summe erhielt, wurden abgelehnt. Auch aus der Bundesliga gab es wieder Interessenten, wie auch aus Spanien und aus Italien. Allerdings war man bei Schalke nicht bereit, von der ursprünglichen festgelegten Ablöseforderung abzusehen.

Ozan Kabak fällt bis Saisonende aus

Erst als sich zum Ende der Transferperiode abzeichnete, dass es die geforderte Summe nicht geben wird und der Topverdiener Kabak auf der Gehaltsliste bleiben könnte, hörte sich Schalke Leihangebote, die es auch schon zuvor gab, an. Dass die Wahl kurz vor Transferschluss dann auf Norwich City fiel, lag auch an den Schalkern. Der englische Premier-League-Aufsteiger bot 4,5 Millionen Euro Leihgebühr - für Schalke das lukrativste Angebot, das man annehmen wollte.

Unter Daniel Farke spielte Kabak in England anfangs regelmäßig. Doch es folgten Verletzungen, eine längere Krankheit und ein Trainerwechsel zu Dean Smith, der dann eine andere Idee als Kabak hatte. Dass der Verteidiger fast gar nicht mehr spielte, vermuteten englische Medien, lag auch daran, dass man die verpflichtende Kaufoption nicht aktivieren wollte, wenn Kabak eine Mindestanzahl an Pflichtspielen erreicht.

Bei Stefan Kuntz in der Nationalmannschaft dagegen war Kabak gesetzt. Im wichtigen WM-Playoffspiel in Portugal machte Kabak gegen Cristiano Ronaldo und Co. sein bestes Länderspiel für die Türkei. Im danach belanglosen Spiel gegen Italien erlitt der Youngster dann in der neunten Minute eine schwere Oberschenkelverletzung und fällt nun bis Saisonende aus. Dass ihn Norwich danach behält, ist genauso unwahrscheinlich wie eine Zukunft bei Schalke 04.

Wie geht es mit Ozan Kabak im Sommer weiter?

Auch im Falle des Aufstiegs wäre Kabak den Schalkern wohl zu teuer, auch wenn der Vertrag noch bis 2024 läuft und er sportlich sicher eine große Verstärkung wäre. Aber sowohl der Klub als auch der türkische Nationalspieler haben wohl andere Pläne. Zwar wird Kabak in Norwich bald den dritten Abstieg seiner noch jungen Karriere erleben, aber nach Informationen von SPOX und GOAL gibt es nach wie vor lukrative Interessenten, die ihm ab Sommer eine Perspektive bieten könnten.

Mit erst 22 Jahren ist Kabak noch relativ am Anfang seiner Karriere, allerdings benötigt der Youngster nun auch eine Station, in der er dauerhaft spielen kann. Fünf Klubs seit 2019 sprechen nicht gerade für eine Kontinuität.

Spannend wird es sein, wie die Schalker Forderungen im Sommer aussehen werden. Aus den Leihgeschäften mit Liverpool und Norwich nahm der Klub fast 7,5 Millionen Euro ein. Dass man nun erneut auf eine mittlere zweistellige Millionensumme pocht, ist daher wohl nicht zu erwarten. Eine Rückkehr in die Premier League ist denkbar. Auch ein Verbleib anderorts in der Bundesliga. So der so: Fatih Terim wäre mächtig stolz auf ihn.

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