Cookie-Einstellungen
Fussball

Kepa und seine bittere Beziehung zum Ligapokal: Vom Hoffnungsträger zum Schattenmann

Von Chris Lugert

Kepa wird mit seinem verschossenen Elfmeter zur tragischen Figur des FC Chelsea im Ligapokal. Der Wettbewerb passt zur Lage des Spaniers.

Zumindest eine Kontroverse samt Tobsuchtsanfall des Trainers gab es dieses Mal nicht, aber die Beziehung zwischen Chelsea-Torwart Kepa Arrizabalaga und dem englischen Ligapokal scheint keine positive mehr für den Spanier zu werden.

Der 27. Februar 2022 im Londoner Wembley Stadium knüpfte auf kuriose Art und Weise an den 24. Februar 2019 an, der Kepa zwischenzeitlich zumindest im Internet zu dem machte, was er im Klub heute nicht mehr ist - die Nummer eins.

An jenem Tag traf Chelsea im Finale des EFL Cups, wie der Wettbewerb zumindest in den offiziellen Statuten ohne Sponsorennamen heißt, auf Manchester City.

Kurz vor Ablauf der Verlängerung ließ sich Kepa von den Physios der Blues behandeln und der damalige Trainer Maurizio Sarri bereitete bereits die Auswechslung gegen Ersatztorwart Willy Caballero vor. Der Argentinier galt zu dieser Zeit als Elfmeterkiller.

Kepa über verweigerte Auswechlung: "Großes Missverständnis"

Doch Kepa weigerte sich stur, den Platz zu verlassen. Auch, als der vierte Offizielle bereits die Tafel mit den beiden Rückennummern hochhielt, dachte er gar nicht daran, seinen Platz zu räumen. Schließlich wurde die Auswechslung nicht durchgeführt, was Sarri an der Seitenlinie fuchsteufelswild werden ließ.

Noch mehr nach Ende des Elfmeterschießens, das Chelsea verlor. Zwar parierte Kepa einen Strafstoß von Leroy Sane, doch das war aufgrund zweier Fehlschüsse der Chelsea-Spieler nicht genug, um den Titel zu holen.

Sarri, so machten es die Mimik und die Gestik des Italieners klar, wäre Kepa am liebsten an die Gurgel gesprungen, Antonio Rüdiger musste seinen Trainer zurückhalten. Mehr als zwei Jahre später erklärte sich Kepa und sprach von einem "großen Missverständnis". Zwar habe er einen Schmerz am Bein verspürt, doch dieser sei niemals ein Grund gewesen, ausgewechselt werden zu müssen. Stattdessen habe er seiner Mannschaft nur etwas Zeit zum Durchschnaufen geben wollen - als er plötzlich sah, dass sich die Auswechslung anbahnte.

"Ich wollte signalisieren, dass ich okay war. Aber wir waren vor 80.000 Leuten in Wembley, da hat mich Sarri natürlich nicht verstanden. Als der vierte Offizielle die Anzeigetafel hochgehalten hat, hätte ich natürlich runtergehen sollen. Es tut mir leid, dass ich es nicht getan habe", sagte er bei Players' Tribune. Zumindest das Internet füllte er unfreiwillig mit jeder Menge Memes in den Tagen nach dem Finale 2019.

Kepa im EFL-Cup-Finale 2022: Kein weiterer Geniestreich

Nun, drei Jahre später, waren die Vorzeichen umgekehrt. Der Trainer heißt inzwischen Thomas Tuchel, doch auch unter dem Deutschen ist Kepa nur zweite Wahl. Zumindest im Ligapokal durfte der inzwischen 27-Jährige in jedem Spiel ran, allerdings nicht im Finale gegen den FC Liverpool. Hier bekam Stammtorwart Edouard Mendy den Vorzug, der eine überragende Leistung zeigte. Bereits zuvor aber gab es die Absprache, dass Kepa im Falle eines Elfmeterschießens eingewechselt werden sollte. Das passierte auch, ohne Kontroverse beim Spielertausch. Doch erneut sollten Kepa im Nachhinein die Schlagzeilen gehören.

Denn die Überlegung mit dem Spanier ging - anders als im UEFA-Supercup gegen den FC Villarreal - nicht auf. Im August hatte der kurz zuvor eingewechselte Kepa im Elfmeterschießen zwei Versuche der Spanier pariert und wurde damit zum Matchwinner für die Blues. In London gegen die Reds aber hielt er keinen einzigen von elf Strafstößen, selbst den Versuch von Liverpools Keeper Caoimhin Kelleher konnte er nicht entschärfen. Da aber auch alle Chelsea-Spieler mehr oder weniger sicher verwandelten, musste auch Kepa selbst als Schütze ran - und jagte den Ball in den Londoner Nachthimmel.

Tuchel nahm seinen Torhüter nach der Niederlage in Schutz. "Wenn ihr jemandem die Schuld geben wollt, gebt sie mir. Ich treffe die Entscheidungen, und ich treffe sie nicht, um der Held zu sein", sagte er und ergänzte: "Es ist hart und wir fühlen mit ihm, aber geben ihm nicht die Schuld. Wir haben die Entscheidung wie schon vor dem letzten Elfmeterschießen getroffen, weil Kepa mit den Spielern täglich trainiert. Und sie wissen, wie gut er ist."

Kepa selbst postete bei Instagram ein Bild von sich und der Mannschaft, die ihn nach seinem Fehlversuch aufbaute. "Fallen und aufstehen. Enttäuscht nach der großen Anstrengung während des Turniers. Wir arbeiten weiter. Danke Chelsea-Familie für Eure Unterstützung", schrieb er dazu.

Kepa beim FC Chelsea: Im Schatten von Mendy

Der Ligapokal und Kepa, eine Liebesbeziehung wird das wohl nicht mehr. Und auch sonst droht der immer noch teuerste Torwart der Welt in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden. 2018 war er für 80 Millionen Euro von Athletic Bilbao gekommen - weit über Wert, aber die Basken pochten auf die bestehende Ausstiegsklausel. Und Chelsea hatte nach dem Abgang von Thibaut Courtois zu Real Madrid dringend Bedarf. Doch Kepa konnte die Erwartungen nicht erfüllen und patzte zu oft.

Nachdem Frank Lampard das Traineramt von Sarri übernommen hatte, fand sich Kepa häufiger auf der Bank wieder. Endgültig ins zweite Glied rückte er allerdings erst nach der Verpflichtung von Edouard Mendy im September 2020. Zwei Jahre, nachdem Chelsea 80 Millionen Euro für den als langjährigen Stammkeeper eingeplanten Kepa ausgegeben hatte, folgte nun der nächste millionenschwere Torwart-Transfer. Seither ist Mendy in den "großen" Spielen - also Premier League und Champions League - gesetzt.

Und während Mendy mit seiner Biografie beeindruckte, die ihn von den Niederungen des Fußballs zum Welttorhüter brachte, bleibt Kepa nur die Rolle des Schattenmanns. Auch seinen Platz im Kader der spanischen Nationalmannschaft hat er inzwischen verloren. Und somit bleibt ihm wohl auch weiterhin nur im Netz die Aussicht auf eine Rolle als Nummer eins.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung