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Fussball

FC Liverpool - Kein Chiesa, kein Saul: Können sich die Reds diesen ruhigen Transfersommer leisten?

Von Neil Jones / Oliver Maywurm
Jürgen Klopp geht in seine siebte Saison mit dem FC Liverpool.

Es ist wieder diese besondere Zeit des Jahres: Das Transferfenster ist geöffnet. Wenn bei den Fans die Hoffnungen wachsen, die Spekulationen über die ganz großen Deals die Schlagzeilen beherrschen. Der FC Liverpool macht da im Sommer 2021 noch nicht so wirklich mit. Oder anders gesagt: Die Reds sind bis dato sicherlich nicht der Gewinner dieses Transferfensters.

Die vergangenen Monate waren sehr ruhig an der Anfield Road. Ende Mai war es, als Liverpool mit Ibrahima Konate den bislang einzigen Neuzugang für die kommende Saison offiziell vorstellte. Für 40 Millionen Euro kam der 22-jährige Innenverteidiger von RB Leipzig - aber auf weitere Neuzugänge warteten die Anhänger des 19-maligen englischen Meisters danach vergeblich. Und weil die neue Premier-League-Spielzeit schon in rund zwei Wochen beginnt, sorgt das allmählich für Unruhe.

Vor dem genaueren Blick darauf, warum Liverpool eigentlich sehr wohl noch Bedarf hat, neue Spieler dazuzuholen, sei das Positive eingeschoben: In puncto Abgänge war die laufende Transferperiode nämlich erfolgreich für Jürgen Klopp und Co. Gleich mehrere Streichkandidaten wurden an den Mann gebracht, der Kader ausgedünnt und durch die Verkäufe erzielte man wichtige Einnahmen in Höhe von insgesamt rund 35 Millionen Euro.

FC Liverpool smart in Sachen Verkäufe: "Sie verwandeln Wasser in Wein"

Für Harry Wilson zahlte Fulham 14 Millionen Euro, Marko Grujic wurde erneut an den FC Porto verliehen und bringt 2022 voraussichtlich eine Ablöse in Höhe von neun Millionen Euro ein, wenn er fest zu den Portugiesen wechselt. Taiwo Awoniyi ging für 6,5 Millionen Euro fix zu Union Berlin, für Ersatzkeeper Kamil Grabara fand man mit dem FC Kopenhagen einen Käufer. Und für Liam Millar erhielt Liverpool vom FC Basel immerhin auch noch 1,5 Millionen Euro.

Gute Geschäfte, das muss man festhalten. Denn keiner jener Spieler hatte jemals bei einem Ligaspiel in Liverpools Startelf gestanden. Und es sah auch nicht so aus, als wäre das in absehbarer Zeit der Fall gewesen. All diese Spieler sind Anfang oder fast schon Mitte 20, haben ihren Marktwert durch gute Leistungen bei ihren Leihvereinen gehalten oder gar gesteigert. Für beide Seiten war es daher eine gute Entscheidung, dass sie ihre Laufbahn woanders fortsetzen und sich dort entfalten können.

Auch in den vergangenen Jahren leistete Liverpool in Sachen Spielerverkäufe stets gute Arbeit. Dominic Solanke (2019 für rund 21 Millionen Euro zu Bournemouth), Rhian Brewster (2020 für 26 Millionen Euro zu Sheffield United) oder Philippe Coutinho (2018 für 135 Millionen Euro zu Barcelona) sind einige Beispiele, die das belegen. Die Reds pochen auf angemessene Ablösesummen, nutzen das Leihsystem klug und gelten ohnehin als einer der smartesten Vereine im Business. "Sie verwandeln Wasser in Wein", sagt eine Quelle, die bei einem rivalisierenden Klub arbeitet. "Jedes Jahr fädeln sie Deals ein, bei denen man sich fragt: 'Wie haben sie das geschafft?'"

Aber neue Spieler einkaufen? Das war zuletzt ein deutlich schwierigeres Thema. Eines, das den Fans immer wieder Sorgenfalten auf die Stirn bringt, auch in diesem Sommer.

FC Liverpool im Mittelfeld: Wie will man die Wijnaldum-Lücke schließen?

Nun ist Konate, 22 und bereits mit reichlich Erfahrung in der Bundesliga und in Europa ausgestattet, sicherlich eine kluge und sinnvolle Verpflichtung. Ein typischer Liverpool-Transfer, an dem sie in Anfield in den nächsten Jahren viel Freude haben werden, der sich zudem im Trainingslager in Österreich bereits bestens in die Mannschaft eingefügt hat.

Zumal es das einzig richtige Vorgehen war, nach den Problemen der Vorsaison mit den langen verletzungsbedingten Ausfällen von Virgil van Dijk, Joel Matip und Joe Gomez einen neuen Innenverteidiger auf der Prioritätenliste ganz oben hinzuschreiben. Eine Situation wie im Januar, als Klopp im Abwehrzentrum plötzlich höchste Personalnot zu beklagen hatte, musste zwingend vermieden werden. Und mit der Verpflichtung Konates und der Rückkehr von van Dijk, Matip und Gomez dürfte diese Baustelle auch nachhaltig geschlossen sein.

Aber reicht das schon aus, um zum Angriff auf Meister Manchester City anzusetzen und sich die anderen Titelfavoriten wie Chelsea oder Manchester United vom Leib zu halten? Nein, vermutlich reicht das nicht. Denn es gibt andere Positionen, um die man sich in Liverpool auch noch kümmern sollte.

Zuallererst braucht es einen neuen Mittelfeldspieler. Mit Georginio Wijnaldum, der nach Ablauf seines Vertrages ablösefrei zu Paris Saint-Germain wechselte, hat Klopp hier schließlich einen seiner konstantesten und verlässlichsten Spieler überhaupt verloren. Und ja, quantitativ ist Liverpool im Mittelfeldzentrum zwar gut besetzt. Aber qualitativ? Soll man darauf vertrauen, dass Naby Keita und Alex Oxlade-Chamberlain eine ganze Saison verletzungsfrei bleiben? Dass James Milner auch mit 35 noch regelmäßig auf höchstem Level performen kann? Dass der erst 20-jährige Curtis Jones einfach mal so in Wijnaldums Fußstapfen treten kann? Positiv formuliert könnte man das riskant nennen. Wenn man ehrlich ist, wäre es aber wohl eher naiv.

FC Liverpool: Saul oder Chiesa derzeit utopisch

Klopps bevorzugte Besetzung für sein Mittelfeld ist und war bereits letzte Saison Fabinho in der Mitte, Jordan Henderson rechts und Thiago links von ihm. Wegen der vielen Ausfälle konnte er dieses Trio jedoch nur ein einziges Mal aufbieten - und Wijnaldum wurde inmitten all der Verletzungssorgen zu einer der ganz wenigen Konstanten. Der Niederländer wird an allen Ecken und Enden fehlen, daran besteht kein Zweifel.

Wie könnte man ihn mit einem Zugang ersetzen? Liverpool wurde auch diesen Sommer bereits mit so manchem Mittelfeldspieler in Verbindung gebracht. Mit Leicesters Youri Tielemans zum Beispiel, vor allem aber auch mit Saul Niguez von Atletico Madrid. Rund um Anfield war man allerdings jeweils rasch bei der Hand, wenn es darum ging, derlei Spekulationen zu dementieren. Finanziell seien Transfers in der Größenordnung von Tielemans oder Saul nicht zu stemmen, entweder hinsichtlich der Ablösesumme oder des zu zahlenden Gehalts - oder beidem zusammen.

Diese finanziellen Einschränkungen rühren auch daher, dass einige wichtige Vertragsverlängerungen anstehen. Van Dijk, Fabinho, Alisson und Mohamed Salah müssen allesamt mit neuen Arbeitspapieren ausgestattet werden, während Henderson, Keita, Oxlade-Chamberlain, Sadio Mane und Roberto Firmino in ihren zwei finalen Vertragsjahren angekommen sind.

Auf die Verantwortlichen wartet also viel Arbeit und die Verpflichtung eines hochkarätigen Spielers wird auf diese Weise noch einmal deutlich komplizierter. Man müsste sich vermutlich auf jüngere, entwicklungsfähige Akteure fokussieren, die zudem nicht den unbedingten Anspruch haben, auf Anhieb garantiert Teil der Stammelf zu sein.

Federico Chiesa: Leistungsdaten im Verein 20/21

WettbewerbSpieleToreVorlagenGespielte Minuten
Serie A33992.469
Champions League841552
Coppa Italia421101
Supercoppa Italiana1--45
GESAMT4615112.469

FC Liverpool: Schleppende Weiterentwicklung im Kader seit CL-Triumph

Das gilt natürlich auch für die Suche nach einer notwendigen Verstärkung für die Offensive. In italienischen Medien kursierte zuletzt das Gerücht über ein Interesse an Europameister Federico Chiesa. Dieses kann man allerdings getrost ignorieren: Klar, Liverpool mag den Spieler, hat ihn während seiner Zeit in Florenz auch genau beobachtet. Allerdings könnte man Chiesas Ablöse in diesem Sommer keinesfalls bezahlen, während Juventus ohnehin kaum bereit sein wird, den Flügelspieler zu verkaufen.

Die schleppende Weiterentwicklung von Liverpools Kader, die seit dem Champions-League-Triumph 2019 zu beobachten ist, dürfte also weitergehen. Im Sommer nach dem Gewinn des Henkelpotts tätigte man keinen einzigen großen Transfer, im Januar danach kam mit Takumi Minamino ein Spieler, der nicht Top-Niveau verkörpert.

Klar ist jedenfalls, dass frisches Blut auch für den Angriff noch benötigt wird. Minamino hat bis dato ebenso wenig wie Divock Origi oder der ohnehin vor einem Abgang stehende Xherdan Shaqiri nachweisen können, dass er über einen längeren Zeitraum ein Leistungsträger in Liverpools Offensive sein kann.

Firmino ließ vergangene Saison indes die Form der Vorjahre zuweilen vermissen, zudem geht er genau wie Salah und Mane auf die 30 zu. So gut die Drei auch sind, sie stehen bereits vor der fünften Saison, in der sie Klopps offensive Dreierreihe bilden. Diogo Jota hat zwar frischen Wind gebracht, die Reds brauchen aber zumindest noch eine weitere verlässliche Option für den Angriff.

FC Liverpool: Wird der Sommer 2022 groß?

Was der aktuelle Kader in dieser Hinsicht hergibt? Während der Vorbereitung kam die Idee auf, dass sich Oxlade-Chamberlain mal auf der Neun probiert. Ein Experiment, dessen Gehalt erst noch abgewartet werden muss.

Der erst 16-jährige Kaide Gordon hat diesen Sommer bisher einen guten Eindruck hinterlassen, das 18-jährige Top-Talent Harvey Elliott soll ab kommender Saison verstärkt eingebaut werden. Wunderdinge darf man von ihnen jedoch nicht erwarten, vielmehr brauchen sie Zeit, um sich zu entwickeln, Fehler zu machen und daraus zu lernen - Voraussetzungen, die bei einem Top-Klub der Premier League kaum gegeben sind.

Es wäre daher eine große Überraschung, sollte Liverpool bis zum Ende des Transferfensters tatsächlich keinen neuen Spieler mehr verpflichten. Wenngleich im Umfeld des Klubs viele schon vom Sommer 2022 als perfekten Zeitpunkt für die nächsten ganz großen Deals sprechen.

Premier League: Die Abschlusstabelle 20/21

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Manchester City3883:325186
2.Manchester United3873:442974
3.FC Liverpool3868:422669
4.FC Chelsea London3858:362267
5.Leicester City3868:501866
6.West Ham United3862:471565
7.Tottenham Hotspur3868:452362
8.FC Arsenal3855:391661
9.Leeds United3862:54859
10.FC Everton3847:48-159
11.Aston Villa3855:46955
12.Newcastle United3846:62-1645
13.Wolverhampton Wanderers3836:52-1645
14.Crystal Palace3841:66-2544
15.FC Southampton3847:68-2143
16.Brighton & Hove Albion3840:46-641
17.FC Burnley3833:55-2239
18.FC Fulham3827:53-2628
19.West Bromwich Albion3835:76-4126
20.Sheffield United3820:63-4323

 

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