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Fussball

FC Liverpool und Jürgen Klopp nach 1:4 gegen Manchester City unter Beschuss: "Ausreden über Ausreden. Sie sind schlechte Champions"

Von Neil Jones/Filippo Cataldo
Der FC Liverpool ist seit über 400 Minuten ohne eigenen Treffer.

Der FC Liverpool verabschiedet sich nach dem 1:4 gegen Manchester City langsam aus dem Titelrennen in der Premier League und stellt zudem einen Negativ-Rekord auf. Jürgen Klopps Mannschaft scheint reif für den Umbruch, der Trainer wird von einer Legende hart angegangen.

Es ist immer gefährlich, aus einem einzelnen Spiel allzu viel ableiten zu wollen. Und doch schien am Sonntag allen Beteiligten klar zu sein, dass dieses 1:4 des FC Liverpool gegen Manchester City mehr war als nur die erste Heimniederlage der Reds gegen City seit 2003 und die Vorentscheidung im Titelrennen zugunsten der Skyblues.

Die jüngsten Zahlen aus Sicht des Noch-Meisters und Champions-League-Siegers von 2019 sind alarmierend. Jürgen Klopps Mannschaft hat ...

  • ... nach 23 Saisonspielen 27 Punkte weniger als in der vergangenen Saison zu diesem Zeitpunkt. Das ist der größte Punkte-Unterschied eines englischen Meisters in der Geschichte.
  • ... zehn Punkte weniger als Manchester City, das zudem ein Spiel weniger hat.
  • ... 18 Punkte in den vergangenen neun Spielen in der Premier League liegengelassen.
  • ... zum ersten Mal seit 1963 drei Heimspiele in Serie verloren. Vor Beginn der Negativserie hatte Jürgen Klopp mit Liverpool in der Premier League übrigens erst viermal im Anfield Stadium verloren.

Klopp war bemüht, das 1:4 gegen die von den überragenden Ilkay Gündogan (verschoss einen Elfmeter und traf dann doppelt) und Phil Foden (zwei Vorlagen, ein Tor) angeführten Skyblues richtig einzuordnen und bemerkte bei Sky Sports nicht ganz zu Unrecht , dass er Phasen seines Teams gesehen habe, "die brillant waren". Doch die Niederlage war letztlich auch so deutlich, dass zahlreiche Beobachter existentiellere Fragen aufwerfen. "Zum ersten Mal in Jürgen Klopps Amtszeit gibt es ernsthafte Fragen über die Zukunft", schrieb etwa Sports Illustrated.

FC Liverpool: Gewisse Motivationsprobleme verständlich

Liverpooler Spieler und Klopp wirkten gegen Manchester City wie Menschen, die schon länger keinen Spaß mehr haben am Fußball. Das ist nachvollziehbar, die Reds plagen die ganze Saison schon Verletzungsprobleme, vor allem in der Abwehr ist die Lage bedrohlich.

Auch gewisse Motivationsprobleme sind verständlich, wenn man bedenkt, dass Liverpool die drei Spielzeiten zuvor mit dem im Grunde gleichen Team wie im Rausch gespielt und alles gewonnen hat. Den größten Triumph aber, den ersten Premier-League-Titel nach 30 Jahren, konnte die Mannschaft wegen der Pandemie kaum feiern. Die Mannschaft könnte satt sein und reif für den Umbruch. Schlüsselspieler wie Alisson (28), van Dijk (29), Henderson (30), Salah (28), Mane (28), Firmino (29) sind noch nicht wirklich alt, gehen aber immerhin auf die 30 zu.

Doch es muss auch jetzt etwas geschehen, wenn sich die mit so großen Hoffnungen begonnene Spielzeit nicht in einen endlosen Albtraum verwandeln soll.

Richtig hart mit Klopp und seiner Mannschaft ins Gericht ging Roy Keane. Die Vereinsikone von Manchester United, heute TV-Experte, bezeichnete die Reds als "schlechte Champions". Liverpools Spieler hätten "ihrem eigenen Hype geglaubt und gedacht: 'Wir können andere Teams schlagen.' Wenn man den Titel gewinnt, sollte man denken: 'Können wir ihn noch mal holen?' Das habe ich von dieser Truppe nie erwartet. Sie sagten sich: 'Lass uns das genießen.' Ich hörte nie einen Spieler sagen: 'Lass es uns noch einmal machen.'"

FC Liverpool: "Wird wieder 30 Jahre dauern bis zum Titel"

Dass Klopp nun die Qualifikation für die Champions League als neues Saisonziel ausgab und der Coach einen der zwei kapitalen Abspielfehler von Keeper Alisson vor zwei Gegentoren, mit der tatsächlich reichlich grotesk anmutenden Theorie ("klingt komisch, könnte aber sein") begründete, dass der Weltklassekeeper "vielleicht "kalte Füße" gehabt habe, stieß Keane richtig sauer auf.

"Liverpool ist angeblich ein riesiger Verein. Doch große Klubs müssen mit Rückschlägen umgehen können. Klopp sagte, vielleicht seien die Füße des Torhüters kalt. Es sind Ausreden über Ausreden. Wenn sie sich weiter so verhalten, wird es wieder 30 Jahre dauern, bis Liverpool den nächsten Titel gewinnt."

Für Liverpool steht in den kommenden Wochen viel auf dem Spiel. Nach dem Spiel beim derzeitigen Dritten Leicester City kommenden Samstag steht das Derby gegen Everton, derzeit auf Platz sieben, an - und dazwischen das Achtelfinal-Hinspiel gegen RB Leipzig in Budapest.

FC Liverpool: Tabelle der Premier League nach dem 23. Spieltag

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Manchester City2243:142950
2.Manchester United2349:301945
3.Leicester City2339:251443
4.FC Liverpool2344:291540
5.FC Chelsea2338:241439
6.West Ham United2334:28639
7.FC Everton2134:28637
8.Tottenham Hotspur2236:221436
9.Aston Villa2136:241235
10.FC Arsenal2327:23431
11.Leeds United2136:38-229
12.FC Southampton2229:37-829
13.Crystal Palace2227:37-1029
14.Wolverhampton Wanderers2323:31-827
15.Brighton & Hove Albion2325:30-525
16.Newcastle United2325:38-1325
17.FC Burnley2214:29-1523
18.FC Fulham2217:31-1415
19.West Bromwich Albion2318:54-3612
20.Sheffield United2315:37-2211
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