Fussball

"Mein Navi ist auf Türkisch"

SID
Andreas Beck wird bei Besiktas die Rückennummer 32 tragen
© besiktas

SPOX begrüßt mit Andreas Beck einen neuen Kolumnisten. Nach Jahren in der Bundesliga wechselte der 28 Jahre im Sommer von 1899 Hoffenheim zum türkischen Traditonsklub Besiktas. In seiner ersten Kolumne erklärt Beck seine Beweggründe, die Bundesliga zu verlassen und berichtet von seinen ersten Tagen in Istanbul.

Ein herzliches Merhaba aus Istanbul,

einst hat an dieser Stelle mein lieber Freund und Kollege Roberto Hilbert aus Istanbul gegrüßt. Ich ersetze Roberto nun nicht nur auf der rechten Abwehrseite von Besiktas, sondern auch als Kolumnist aus Istanbul für die Kollegen von SPOX. Ich freue mich, dass ich euch an dieser Stelle von meinen Erlebnissen und Eindrücken aus dieser wundervollen Stadt und diesem tollen Klub berichten darf.

Roberto hat mir mal gesagt, dass er manchmal in Deutschland diesen Wahnsinn von Istanbul vermisst. Ich bin bedingt durch das Trainingslager, das fast vier Wochen gedauert hat, erst seit ein paar Tagen in der Stadt, aber ich kann Robertos Gedanken absolut nachvollziehen. Ich habe vorher in Heidelberg, eine wunderschöne Stadt, gelebt, vorher habe ich in Stuttgart gelebt, aber man kann es nicht vergleichen. Istanbul ist eine pulsierende Weltmetropole.

Ich versuche gerade ein Gefühl für alles zu entwickeln: für die Stadt, für den Verkehr, für alles. Daher lasse ich mir auch Zeit mit der Wohnungssuche. Wir trainieren auf der asiatischen Seite der Stadt, mich zieht es aber auf die europäische Seite, auch wenn es jeden Tag mindestens eine halbe Stunde Fahrzeit zum Training ist. Kollegen wie Jose Sosa oder Ramon Motta, aber auch der Trainer wohnen in Europa. Was ich schon jetzt sagen kann: Die Lebensqualität ist extrem hoch.

Andreas Beck bei Facebook

Aber auch das Sportliche ist sehr besonders: Wenn man für Besiktas spielt, spürt man, dass man für einen großen, traditionsreichen Klub spielt. Die Akzeptanz, die Aufmerksamkeit, die der Verein genießt, ist außergewöhnlich und genau dies hat mich auch gereizt. Es ist eine neue Herausforderung, denn hier ist es nicht so, dass wir um Titel mitspielen, nein, wir müssen um Titel mitspielen. Man darf es nicht falsch verstehen: Auch die TSG Hoffenheim ist ein sehr ambitionierter Klub, aber Besiktas steht dafür, Spiele zu beherrschen, man hat die absolute Verpflichtung, Spiele zu gewinnen. Die Ziele und Träume sind groß, daher ist man als Spieler auch hier in der Pflicht, in jeder Phase mit Körper und Geist voll da zu sein.

Wir formulieren unsere Ziele auch nachhaltig ambitioniert, weil wir hier etwas erreichen wollen. Besiktas lechzt nach Titeln, nach Siegen in den Derbys, die hier eine große Bedeutung haben. Leider wurden in den letzten beiden Jahren keine Derbys gewonnen, daher sind wir in dieser Saison gefordert.

Mir ist nicht verborgen geblieben, dass die türkischen Klubs eine große Transferoffensive gestartet haben. Fenerbahce hat sich mit Robin van Persie und Nani, Galatasaray mit Lukas Podolski verstärkt. Auch bei Besiktas und den anderen Klubs hat sich viel getan. Die Liga ist in der Spitze absolut ausgeglichen und es wird ein sehr harter Kampf und eine anspruchsvolle Aufgabe für alle. Es ist momentan wirklich eine gute Zeit, Fan eines türkischen Vereins zu sein.

Oft werde ich gefragt, weshalb ich diesen Schritt in die Türkei gemacht habe. Eigentlich bin ich ein Kopfmensch, aber in dieser Sache war es eine Bauchentscheidung, weil ich von Anfang an ein gutes Gefühl hatte. Ich habe fast zehn Jahre in der Bundesliga gespielt und die Zeit auch sehr genossen, aber es war Zeit für etwas Neues, auch wenn ich nicht den absoluten Willen entwickelt hatte, Hoffenheim zu verlassen.

LiveBecks Türkei-Debüt im Liveticker: Mersin Idman Yurdu - Besiktas (So., 21 Uhr)

Ich kann aber sagen, dass es dann plötzlich relativ schnell ging, als Besiktas anfragte: Zwischen dem ersten Kontakt und dem Transfer lag nicht viel Zeit. Ich hatte mir Informationen von Roberto und auch von seinem früheren Dolmetscher geholt, aber auch lange mit Tayfun Korkut über einen möglichen Wechsel gesprochen. Hinzu kommt, dass ich viele Freunde in Deutschland habe, die Besiktas-Fans sind. Alle haben nur Gutes erzählt. Daher lag es sehr nahe, dass ich das Ding durchziehe. Und bisher habe ich es keine Sekunde bereut, ich fühle mich wirklich richtig wohl. Sportlich und privat.

Was mir den Start hier enorm erleichtert hat, ist, dass viele Spieler Deutsch sprechen. Die Integration hat dadurch einfach schneller stattgefunden, zumal mit fast allen anderen auch die Kommunikation auf Englisch super klappt. Natürlich habe ich auch angefangen Türkisch zu lernen - klassische Sachen wie "Hosgeldiniz", also "Herzlich Willkommen", sitzen schon. Ich versuche mir die Sprache selbst beizubringen, ich arbeite jeden Tag eine halbe Stunde bis Stunde daran, nutze dafür auch die eine oder andere App und mein Navigationsgerät im Auto ist auch auf Türkisch, sodass ich die Richtungen und Hinweise lerne :-)

Ganz wichtig ist "Kartal Gol Gol Gol", der Schlachtruf unserer Fans... Ich freue mich schon darauf, wenn unser Stadion fertig ist und die Arena dann mit "Kartal Gol Gol Gol" bebt.

Viele Grüße

Euer Andi

Andreas Beck, geboren am 13. März 1987 in Kemerowo (Russland), durchlief sämtliche Junioren-Nationalmannschaften des DFB und spielte ab 2009 neun Mal für die Nationalmannschaft. Beck spielte über 200 Mal in der Bundesliga und wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Ein großer Erfolg war auch die Europameisterschaft 2009 mit der U21-Nationalmannschaft. Nach über zehn Jahren in der Bundesliga wechselte Beck zu Beginn der Saison zu Besiktas in die Türkei.

Andreas Beck im Steckbrief

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