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Fussball

Bayer Leverkusens Zidan Sertdemir: Der Nachfolger von Havertz und Wirtz?

Von Leon Karasch
Zidan Sertdemir von Bayer Leverkusen hat eine rosige Zukunft vor sich.

Die Rückennummer 29 steht bei Bayer Leverkusen für das wahrscheinlich größte Talent, das das Nachwuchsleistungszentrum der Werkself je hervorgebracht hat: Kai Havertz. Jetzt trägt sie ein anderes Juwel auf dem Rücken - der 17-jährige Däne Zidan Sertdemir.

Als am siebten November 2021 die Leuchtziffer 29 auf der Tafel des vierten Offiziellen im Berliner Olympiastadion die Einwechslung des damals erst 16-jährigen Zidan Sertdemir ankündigte, mag sich der ein oder andere Fan von Bayer 04 Leverkusen an die vielen Tore und Vorlagen von Kai Havertz, mittlerweile Champions-League-Spieler und Finaltorschütze für den FC Chelsea, erinnert haben. Immerhin ist auch Sertdemir ein fußballerisches Juwel.

Denn nicht nur die Rückennummer eint die beiden. Beide spielen, auch wenn Sertdemir grundsätzlich etwas defensiver einzuordnen ist, auf ähnlichen Positionen. Der 17-Jährige bringt wie Havertz das volle Paket mit: Er ist technisch stark, ein exzellenter Dribbler, der den entscheidenden Pass spielen kann, aber auch selbst weiß, wo das Tor steht.

Der Weg zum Bundesliga-Debüt verlief bei beiden aber unterschiedlich. Während Havertz seit seinem elften Lebensjahr mit dem Kreuz auf der Brust auflief, wechselte Sertdemir schon zweimal den Verein. Erst im Alter von zwölf Jahren vom dänischen Klub Bröndby IF zum FC Nordsjaelland und dann im Sommer 2021 nach Leverkusen. Trainer Kim Engstrom von Nordsjaellands Liga-Konkurrenten Odense bezeichnete Sertdemir damals als den "besten 16-Jährigen in Dänemark."

Falls der Däne mit türkischen Wurzeln bei den Profis zur festen Größe wird, wird Bayer 04 insgesamt zwei Millionen Euro an Nordsjaelland gezahlt haben; Sertdemir wäre dann der teuerste Nachwuchsspieler der Vereinsgeschichte. Zwei Millionen Euro - eine Summe, die das Vertrauen der Leverkusener Verantwortlichen zeigt, aber auch den Druck auf einen nicht einmal volljährigen Fußballer immens erhöht.

"Besonderes Talent", aber es fehlt noch die Physis

Bei seiner Verpflichtung sagte Bayers Sportdirektor Simon Rolfes: "Er ist mit einem besonderen Talent ausgestattet." An die Lizenzmannschaft soll Sertdemir - Jahrgang 2005 - "frühzeitig" und "in aller Ruhe" herangeführt werden. Das heißt: trainieren bei den Profis, spielen in der U19. Und zwar herausragend. Das beweisen die bislang elf Torbeteiligungen in 13 Spielen für die Leverkusener U19, davon acht Tore. Und das als zentraler Mittelfeldspieler.

Statistiken hin oder her, Bayers Cheftrainer Gerardo Seoane weiß auch um die anderen Qualitäten Sertdemirs, dessen Vorname in seinem Spiel wiederzufinden ist. Beobachtet man Zidan aufmerksam, so wird sein Spiel schnell klar: Er fordert den Ball, agiert trickreich, wenn auch manchmal noch etwas zu verspielt, und ist schwer vom Ball zu trennen. Oft holt sich der Linksfuß die Bälle direkt von der Innenverteidigung ab, um den Spielaufbau gezielt initiieren zu können und lässt sich in diesen Situationen auch gerne auf die Außen fallen, um Räume in der Mitte zu schaffen.

Eine seiner herausragendsten Fähigkeiten ist aber Zidan Sertdemirs gutes Auge für die Mitspieler. Oft wählt er nicht den offensichtlichsten, dafür aber den effektivsten Pass und überrascht so den Gegner (und manchmal auch seine Mitspieler). Zudem ist Sertdemir ein exzellenter Standardschütze und hat in dieser Saison seinen starken linken Fuß bereits öfter unter Beweis gestellt. Und was jeden Trainer freut: Auch defensiv ist der 17-Jährige durchaus engagiert.

Raum für Verbesserungen sieht Coach Seoane vor allem in einem Punkt: "Bei Zidan sieht man sein gutes Positionsspiel zwischen den Linien, aber ihm fehlt noch die Physis." Mit seinen 1,82 Meter Körpergröße kommt der U19-Nationalspieler Dänemarks noch etwas schmächtig daher. Wo er sich in der U19 noch oft aus Zweikämpfen herauswuseln kann, wird er im körperbetonten Profialltag wohl öfter an seine Grenzen kommen - aber klar, dass man von einem 17-Jährigen nicht erwarten kann, sich bereits Muskelmasse wie Leon Goretzka antrainiert zu haben.

Sertdemir: Henrichs, Brandt, Havertz und Wirtz als Vorbilder

Dass Leverkusen sich im vergangenen Jahr die Dienste Sertdemirs sichern konnte, galt als Coup. So waren Berichten zufolge auch Vereine wie Ajax Amsterdam, der FC Arsenal und Borussia Mönchengladbach an ihm dran. Sertdemirs Eltern bevorzugten wohl einen Wechsel nach Deutschland, auch, weil sie von Erling Haalands Entwicklung beim BVB beeindruckt waren.

Doch nicht nur deshalb könnte sich die Entscheidung, nach Leverkusen gewechselt zu sein, auszahlen. So verhilft der Werksklub seit Jahren aufstrebenden Top-Talenten zum Erfolg: Benjamin Henrichs, Julian Brandt, der schon angesprochene Kai Havertz und der momentan verletzte Shootingstar Florian Wirtz: ihnen allen gelang der Durchbruch bei Bayer 04.

Julian Brandt und Benjamin Henrichs schafften es zu Nationalspielern, über Havertz ist alles gesagt und Florian Wirtz belegte bei "NXGN" den zweiten Platz hinter Jude Bellingham. Wirtz wird den Verein wohl nicht unter 100 Millionen Euro Ablöse verlassen.

So weit ist Sertdemir freilich noch nicht. Drei Kurzeinsätze für die Profis stehen für ihn bislang zu Buche. In den kommenden Monaten sollen mehr dazukommen. Ob er sein Potenzial voll ausschöpfen kann, wird sich zeigen. In Leverkusen findet er dafür aber gute Bedingungen. Und einen Rekord hat Bayers neue Nummer 29 schon gebrochen: Durch sein Debüt gegen die Hertha am siebten November 2021 ist er der jüngste Bayer-Debütant der Geschichte.

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