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Fussball

Stripperinnen, Nachtklubs, Haft! Wie sich Aleksandr Kokorin eine Chance bei Real Madrid verbaute

Von Andreas Pfeffer

Aleksandr Kokorin gilt nicht nur in Russland als großes Talent. Eskapaden abseits des Platzes bringen ihn in Haft - und nicht zu einem Topklub.

"Ich beschränke mich auf das, was ich auf dem Platz gesehen habe, und ich versichere Ihnen, dass Kokorin ein Champion ist. Einer, der mit den verfügbaren Mitteln für jede Mannschaft hätte spielen können, auch für Real."

Diese Sätze sagte Roberto Mancini im Januar 2021 in einem Interview mit La Nazione über den russischen Fußballprofi Aleksandr Kokorin. Der heutige italienische Nationaltrainer kann sich ein näheres Bild über die Qualitäten des heute 31 Jahren Kokorin erlauben, trainierte er ihn doch 2017 und 2018 bei Zenit St. Petersburg.

Kokorin spielte aber nie für Real Madrid, ebenso wenig für einen anderen Topklub in der Größenordnung der Königlichen. Grund dafür sind etliche Skandale, die Kokorin - zurecht - das Image des 'Bad Boy' einbrachten.

Bereits im sehr jungen Alter von zehn Jahren wagt "Sasha" gegen den Willen seiner Mutter den Sprung in die Jugendakademie von Lokomotive Moskau. 700 Kilometer von seiner Heimatstadt Valujki ist Kokorin als Kind in der großen Stadt auf sich alleine gestellt. Der überaus talentierte Stürmer beißt sich aber durch und durchläuft alle Nachwuchsteams von Lokomotive.

Erstes Tor in der Champions League und Nationalteam-Debüt

Sein Profi-Debüt gibt er allerdings bei anderem Klub: Stadtrivale Dinamo Moskau. Dort wird Kokorin 2008 mit 17 Jahren und 199 Tagen zum jüngsten Stürmer, der jemals ein Tor mit dem blau-weißen Trikot in der russischen Top-Liga erzielt hat. Es ist der Beginn eines kometenhaften Aufstiegs. 2009 schießt er sein erstes Tor in der Champions League, 2011 gibt er sein Debüt in der russischen Nationalmannschaft, mit der er 2012 an der Europameisterschaft teilnimmt.

Der mit einer tollen Physis und exzellenter Technik ausgestattete Kokorin gilt nicht nur als eines der größten Talente des russischen Fußballs der letzten Jahrzehnte, sondern möglicherweise auch als einer der besten Spieler seiner Generation.

2014 sorgte Kokorin dann erstmals außerhalb des Platzes für negative Schlagzeilen. Von einer russischen Boulevardzeitung veröffentlichte Bilder zeigen den verlobten Jungstar in Begleitung zweier Stripperinnen - doch das war erst der Anfang.

Im Juli 2016, damals stand Kokorin bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag, wurde er mit seinem Nationalmannschaftskollegen Pavel Mamaev in einem Nachtclub in Monte Carlo erwischt, um kurz nach dem Ausscheiden der russischen Nationalmannschaft aus der Europameisterschaft zu feiern. Gerüchte machten die Runde, wonach er mehr als 250.000 Euro nur für Champagner ausgegeben haben soll.

Kokorin zu 1,5 Jahren Straflager verurteilt

2018 war das Jahr, dass seiner Karriere endgültig einen Knick nach ganz unten versetzte. Kokorin zog sich im März eine Bänderverletzung im rechten Knie zu, weshalb er nicht bei der Heim-WM spielen konnte. Im Oktober griff er zusammen mit Mamaev als Teil einer Gruppe in einem Moskauer Cafe hohe Beamte des russischen Handelsministeriums an. Einer der Offiziellen wurde mit einem Stuhl attackiert. Zuvor hatten sie den Fahrer eines Fernsehmoderators auf offener Straße angegriffen und dabei Hirnschäden verursacht.

Kokorin und Mamaev stellten sich der Polizei. "Ich schäme mich", sagte Kokorin damals laut der Nachrichtenagentur TASS. Im Mai 2019 wurden er und Mamaev zu einem Jahr und sechs Monaten Haft in einem Straflager verurteilt. Die beiden ehemaligen Nationalspieler wurden dann im September auf Bewährung freigelassen.

Es war auch der Fußball, der Kokorin eine zweite Chance gab. Sein alter Verein Zenit St. Petersburg nahm ihn wieder auf, verlieh in aber an FK Sotschi. Mit sieben Toren in zehn Spielen wusste er sofort wieder auf dem Platz zu überzeugen - so zu überzeugen, dass ihn 2020 Spartak Moskau verpflichtete. Im Januar 2021 wechselte er schließlich für 4,5 Millionen Euro zur AC Florenz in die Serie A.

Kokorin: "Werde nie wieder solche Fehler machen"

"Was mir in der Vergangenheit passiert ist, ist eine sehr schlimme Episode in meinem Leben, für die ich bereits viel bezahlt habe. Ich habe mir und meiner Familie versprochen, dass ich nie wieder solche Fehler machen werde", sagte Kokorin bei seiner Präsentation in Florenz.

Bisher hat er gehalten, was er versprochen hat - neue Skandale des 'Bad Boys' gab es nicht. Auf dem Platz hat er hingegen noch nicht zu alter Stärke zurückgefunden. In dieser Saison lief er für das Team in violett lediglich 49 Minuten in sechs Spielen auf.

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