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Wayne Rooneys Derby County im Insolvenzverfahren: Wie in einer Liverpooler Sozialsiedlung

Wayne Rooney mit seinem defensiven Mittelfeldspieler Graeme Shinnie.

Beim englischen Zweitligisten Derby County herrscht pures Chaos: Transferbeschränkungen, Insolvenzverfahren, zwölf Punkte Abzug und ein unerreichbarer Besitzer. Etwas Hoffnung machen immerhin die sportlichen Leistungen unter Trainer Wayne Rooney und die Aussichten auf eine Übernahme.

Wayne Rooneys Schlaf war in Derby zuletzt omnipräsent. Ende Juli kursierten Party-Bilder im Internet, auf denen der 35-Jährige zwischen halbnackten Frauen in einem Sessel schlummert. "Ein Fehler" sei das gewesen, gab er später zu, und erklärte die Geschichte damit für beendet.

Wenige Tage später thematisierte Rooney seinen Schlaf selbst, diesmal aus anderen Gründen. "Ich habe letzte Nacht auf der Couch meines Büros übernachtet und werde das heute wieder tun", berichtete er damals. Derbys Trainer hatte viel zu tun: Wenige Tage vor dem Saisonstart der zweitklassigen englischen Championship fehlte ihm schließlich eine Mannschaft.

Wegen der prekären finanziellen Situation bestrafte die englische Football League Derby im Sommer zunächst mit Transferbeschränkungen. Im September wurde dann ein Insolvenzverfahren eröffnet, das mit einem Abzug von zwölf Punkten einherging. Aktuell ist Derby nicht überraschend abgeschlagener Tabellenletzter. Der englische Traditionsklub, Meister von 1972 und 1975, steckt in der wohl größten Krise seiner Geschichte.

Derby County leidet unter Transferbeschränkungen

Rooney war im Januar 2020 vom MLS-Klub DC United nach Derby gewechselt. Zunächst spielte er im Sturm und im Mittelfeld, bald übernahm er den Posten des Spielertrainers, seit Anfang dieses Jahres ist er nur mehr Cheftrainer. Während seine Mannschaft gegen den Abstieg kämpfte, versuchte Besitzer Mel Morris den Klub zu verkaufen. Der Klassenerhalt gelang knapp, Übernahmen der Bin Zayed Group aus Abu Dhabi oder des spanischen Geschäftsmannes Erik Alonso scheiterten aber.

Morris, der einst dank Investitionen in das Videospiel Candy Crush reich geworden war, hatte Derby 2015 mit dem Ziel Premier-League-Aufstieg übernommen. Zunächst pumpte er viel Geld in den Klub, brach dabei aber wiederholt die Financial-Fairplay-Regularien der Football League. Ab 2019 schraubte Morris seine Investitionen zurück, gemeinsam mit der kurz darauf ausbrechenden Corona-Pandemie sorgte das für einen tödlichen Finanz-Cocktail.

Zunächst bestrafte die Football League Derby mit einer kompletten Transfersperre. Zu Beginn der Vorbereitung arbeitete Rooney zeitweise mit nur neun einsatzfähigen Spielern, ehe es bald nur mehr acht waren. Als der Trainer einmal selbst mitspielte, verletzte er seinen Mittelfeldspieler Jason Knight schwer am Knöchel.

Später gestattete die Liga immerhin die Verpflichtung vereinsloser Spieler mit Einjahresverträgen und einem wöchentlichen Gehalt von maximal 5000 Pfund. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Kadergröße auf 24 erhöht. Neben unerfahrenen Talenten kam auch der 39-jährige Routinier Phil Jagielka, einst lange beim FC Everton. Einen gültigen Vertrag hatte noch Krystian Bielik, der 2019 für rund zwölf Millionen Euro vom FC Arsenal gekommen war. Laut des Telegraph hat Derby davon aber erst rund zwei Millionen Euro gezahlt.

Rooney erfuhr aus dem Fernsehen vom Insolvenzverfahren

Insgesamt sollen den Klub Verbindlichkeiten in Höhe von 60 bis 80 Millionen Euro plagen, Mitte September galt ein Insolvenzverfahren als letzter Ausweg. Ziel von Football-League-Geschäftsführer Trevor Birch sei es, "proaktiv mit allen relevanten Parteien zusammenzuarbeiten und Derby County eine langfristige und tragfähige Zukunft zu sichern".

Der Klub selbst erachtete es unterdessen aber offenbar nicht als notwendig, zunächst seine eigenen Angestellten über diesen Schritt zu informieren. "Ich und die Spieler haben es aus dem Fernsehen erfahren", berichtete Rooney, der damals nach eigener Auskunft seit sechs Wochen nicht mit Morris gesprochen hatte. Um irgendwie doch noch mit dem Besitzer in Kontakt zu treten, bediente sich Rooney eines Tricks: "Ich habe ihn vom Telefon unseres Mannschaftsarztes angerufen und dann hat er abgehoben. Er kann also Anrufe des Doktors annehmen, aber nicht des Trainers. Das ist nicht ideal."

Aufgeben will Rooney trotz aller Probleme nicht. "Ich fühle mich dem Verein verpflichtet", sagte er und verkündete: "Ich bin in einer Sozialsiedlung in Liverpool aufgewachsen. Ich weiß, wie hart das Leben sein kann. Was für ein Mensch wäre ich, wenn ich abhauen und ein paar Wochen am Strand liegen würde?"

Der technische Direktor und ehemalige englische Nationaltrainer Steve McClaren trat indes zurück, blieb dem Klub aber als Berater erhalten. Mit diesem Schritt wolle er Jobs anderer Mitarbeiter sichern, insgesamt gab es im Zuge des Insolvenzverfahrens schon 20 Kündigungen.

Ohne Punktabzug wäre Derby County im Mittelfeld

Etwas Hoffnung machen immerhin angebliche Gespräche zwischen Morris und potenziellen Übernahme-Interessenten. Berichten zufolge sollen sich gleich mehrere Investorengruppen gemeldet haben, eine amerikanisch-britische habe sich am Samstag sogar das 0:0 gegen Swansea City im Pride Park angesehen.

Für Derby war es bereits der 14. sportlich erkämpfte Punkt der Saison. Ohne den Punktabzug würde die kurzfristig zusammengeschusterte Mannschaft im Tabellenmittelfeld rangieren. So ist Derby aber Letzter, der Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt aktuell sieben Zähler. Gewiss kann sich die Mannschaft der Unterstützung der zahlreichen Fans sein: Der Zuschauerschnitt von knapp 19.000 zählt zu den höchsten der Liga.

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