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Fussball

Ex-United-Profi Mikael Silvestre im Interview: "Bei Cristiano Ronaldo brauchte es viel Geschrei"

Von Stanislav Schupp
Mikael Silvestre mit Cristiano Ronaldo bei ManUnited.

Mikael Silvestre spielte einst viele Jahre in der Premier League bei Manchester United und dem FC Arsenal. Im Interview mit SPOX und Goal erinnert sich der frühere Abwehrmann einen besonderen Abholdienst vom Flughafen, Cristiano Ronaldos Anfänge bei den Red Devils und außerordentliche Bedingungen in Indien.

Außerdem verrät der 44-Jährige, weshalb CR7 oft angeschrien wurde, womit er in Bremen Probleme hatte und welcher Weltstar sein bester Mitspieler war.

Mittlerweile arbeitet Silvestre als Testimonial bei Wettfreunde.net.

Herr Silvestre, 1999 verließen Sie Inter Mailand und wechselten zu Manchester United, wo Sie bis 2008 unter Sir Alex Ferguson spielten. Was war Ihr erster Eindruck von ihm?

Silvestre: Mein erster Eindruck von ihm war sehr gut, weil er mich verpflichten wollte. (lacht) Als Mensch war er sehr herzlich, freundlich und sehr professionell. Er erzählte mir, wie lange er mich schon beobachtete und welche Pläne er für die Saison hatte. Er holte mich sogar vom Flughafen ab und fuhr mich zum Hotel. Es war eine schöne Fahrt, auch wenn es komisch war, auf der linken Seite zu sitzen.

Sie haben auch mit einer anderen Trainerlegende zusammengearbeitet, nämlich mit Arsene Wenger bei Arsenal. Wie würden Sie ihn mit Sir Alex vergleichen und was sind die Hauptunterschiede?

Silvestre: Sie sind zwei unterschiedliche Charaktere. Was sie eint, ist die Leidenschaft und Hingabe für das Spiel sowie die Arbeitsmoral. Sie sind beide fußballverrückt. Sir Alex besucht immer noch gerne United-Spiele im Old Trafford, während Arsene bei der FIFA arbeitet [als Direktor Entwicklung, Anm. d. Red.] und in alle Wettbewerbe involviert ist. Wenn er die Möglichkeit hätte, wieder zu Arsenal zurückzukehren, würde er das sicher tun. Fußball ist ihr Leben und beide hatten einen großen Einfluss auf meine Karriere.

Silvestre: "Cristiano Ronaldo hat es manchmal übertrieben"

Kommt Ihnen eine bestimmte Ansprache in den Sinn, wenn Sie an die beiden zurückdenken?

Silvestre: Ich war überrascht, dass wir uns bei Arsenal nicht so sehr mit dem Gegner beschäftigt haben. Wenger konzentrierte sich vielmehr darauf, was uns als Mannschaft ausmachte und wie wir Fußball spielten. Deshalb war während meiner Zeit bei Arsenal der Spielstil immer klar und gleich. Wir haben die Spiele meistens kontrolliert. Das hat mir gefallen.

2003 kam der junge Cristiano Ronaldo zu United. Wie erinnern Sie sich an das erste Treffen?

Silvestre: Ronaldo machte gerade den Schritt vom Teenager zum Mann. Er war immer noch wie ein Teenager gebaut und spielte auch eher wie ein Teenager. Er hat es manchmal übertrieben und falsche Entscheidungen getroffen.

Hätten Sie erwartet, dass er so eine Karriere hinlegt?

Silvestre: Cristiano hat viele Chancen erspielt und es mit allen aufgenommen. Aber es brauchte einige Zeit und viel Geschrei vom Trainer und seinen Mitspielern, damit er es einfacher hielt und das Spiel respektierte. Er lernte schnell und seine Reaktion darauf war erstaunlich, wie man jetzt sehen kann. Nach ein paar Jahren sagte ich ihm, dass er eines Tages den Ballon d'Or gewinnen würde. Er entwickelte die richtige Einstellung und wurde immer stärker und besser.

"Dann waren da noch Zinedine Zidane und Roberto Baggio"

Würden Sie ihn als den besten Akteur bezeichnen, mit dem Sie je zusammengespielt haben?

Silvestre: Nein, nein. Ich habe mit vier Ballon d'Or-Gewinnern gespielt, Cristiano war einer von ihnen. Ronaldo Nazario steht ganz oben auf meiner Liste. Dann waren da noch Zinedine Zidane und Roberto Baggio.

Und wer war Ihr härtester Gegenspieler?

Silvestre: In der Premier League war es Les Ferdinand. Er war in der Luft unbesiegbar. Er konnte sehr hoch springen und lange oben bleiben. Wie Michael Jordan! (lacht) Er war sehr schwer zu verteidigen. Ich habe vorher in Frankreich und Italien gespielt, ich war für diese Herausforderungen nicht bereit oder gebaut.

Von 2010 bis 2012 spielten Sie in Deutschland für Werder Bremen. In der ersten Saisonhälfte haben Sie vom dritten bis zum zwölften Spieltag durchgehend gespielt, bevor Sie sich eine Rückenverletzung zuzogen. In diesen zehn Spielen gab Ihnen das Sportmagazin kicker einen Notendurchschnitt von 5,05, womit Sie in der Liste der regelmäßig eingesetzten Spieler den letzten Platz belegten. Wie bewerten Sie Ihre Zeit in Deutschland?

Silvestre: Die Mannschaft hatte eine schwere Zeit und ich habe zu viel trainiert. Ich war 33 Jahre alt und an Spieltagen war ich völlig erschöpft. Wenn ich zurückgehen könnte, würde ich meine Trainingsroutine und meine Ernährung ändern. Ich würde wahrscheinlich weniger Fleisch essen. Ich war extrem müde. Es war zudem nicht einfach, als Linksverteidiger zu spielen, nachdem ich viele Jahre als Innenverteidiger gespielt hatte. Es war trotzdem eine gute Erfahrung, in der Bundesliga gespielt zu haben. Ich hatte tolle Teamkollegen wie Claudio Pizarro, Tim Borowski, Per Mertesacker oder Clemens Fritz. Claudio, Clemens und ich haben nach wie vor Kontakt und wenn ich in London bin, sehe ich auch Per.

Silvestre über Materazzi als Trainer und ungewöhnliche Trainingsbedingungen

Sie haben Ihre Karriere 2015 in Indien beim Chennaiyin FC beendet. Warum haben Sie sich für Indien entschieden, nachdem Sie zuvor ein Jahr in der MLS gespielt hatten?

Silvestre: Ich kannte Indien aus meiner Zeit als TV-Experte bei der Weltmeisterschaft 2014, die ich von Mumbai aus betreut habe. Ich war auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und dachte: Warum nicht? Der Wettbewerb war wie ein Turnier aufgebaut, es hat Spaß gemacht. Gegen Spieler wie David Trezeguet, Alessandro Del Piero, Robert Pires oder Nicolas Anelka zu spielen, war fantastisch. Und wir hatten Marco Materazzi als Trainer.

Wie war er so?

Silvestre: Er war verrückt. (lacht) Er war eigentlich ziemlich ruhig, aber er ist ein paar Mal ausgerastet. Ähnlich wie er es als Spieler war.

Was war Ihre größte Herausforderung in Indien?

Silvestre: Die größten Herausforderungen waren die Infrastruktur und die Vorbereitung, da wir keine richtigen Trainingsmöglichkeiten hatten. Wir haben auf Cricketplätzen gespielt, was sehr hart war. Ich war 35 und verbrachte die Zeit zwischen den Spielen hauptsächlich im Eisbad. Wir hatten alle zwei oder drei Tage ein Spiel. Ich glaube, ich habe in zwei Monaten 17 Spiele bestritten. Das ist es, was Spieler mögen, sie wollen nur spielen und nicht trainieren. Ich habe auch viele Stunden im Stau verbracht. Außerdem hält man sich von scharfem Essen und Street Food besser fern.

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