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Fussball

Super League: Fragen und Antworten zum Erdbeben im europäischen Klub-Fußball

SID
Super League

Zwölf europäische Topklubs haben die Gründung einer Super League beschlossen und ein Erdbeben im internationalen Fußball ausgelöst. Die Vereine gehen damit auf Konfrontationskurs zur UEFA und ihrer Reform der Champions League. Welche Folgen hat der offene Affront für die zwölf Klubs - und was machen die Bundesliga-Größen aus München und Dortmund? Wie wahrscheinlich sind die von der UEFA angedrohten Sanktionen? Fragen und Antworten.

Super League: Wer sind die Gründungsmitglieder?

Bei den Gründungsmitgliedern handelt es sich um die englischen Klubs FC Liverpool, Manchester United, Manchester City, Tottenham Hotspur, FC Arsenal und FC Chelsea, die spanischen Topteams Real Madrid, FC Barcelona und Atletico Madrid sowie Juventus Turin, AC Mailand und Inter Mailand aus Italien.

Als Anführer der Revolution gelten Florentino Perez, Präsident von Real Madrid, Andrea Agnelli, Vorsitzender von Juventus Turin und Joel Glazer, Chairman von Manchester United.

Wie soll die Super League aussehen?

20 Mannschaften sollen in der Super League an den Start gehen. Die erste Ausgabe wird "so früh wie möglich" stattfinden, heißt es in der Ankündigung. Zu den bereits bekannten zwölf Klubs dürften drei weitere Mannschaften als Gründungsvereine hinzukommen, denen jedes Jahr die Teilnahme garantiert wird, fünf weitere Vereine sollen sich jährlich qualifizieren.

Laut AFP sollen mindestens zwei französische Klubs das Teilnehmerfeld ergänzen. Die Spiele werden unter der Woche ausgetragen. Nach der Vorrunde in zwei 10er-Gruppen beginnt die K.o.-Phase.

TeamsLiga
Manchester CityPremier League
Manchester UnitedPremier League
FC LiverpoolPremier League
FC ChelseaPremier League
FC ArsenalPremier League
Tottenham HotspurPremier League
Real MadridPrimera Division
FC BarcelonaPrimera Division
Atletico MadridPrimera Division
JuventusSerie A
AC MilanSerie A
Inter MailandSerie A

BVB und FC Bayern in der Super League?

Deutsche Teams wie Bayern München und Borussia Dortmund sind nicht beteiligt. Der BVB lehnt die Super League ab und setzt auf eine reformierte Champions League. Gleiches gilt für die Bayern.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge versicherte, dass sich die Münchner nicht an den Planungen beteiligt hätten: "Wir sind davon überzeugt, dass die aktuelle Statik im Fußball eine seriöse Basis garantiert." Trainer Hansi Flick meinte, eine Super League wäre "nicht gut für den europäischen Fußball".

Wie der Spiegel berichtet, sind die beiden deutschen Topvereine allerdings von den Gründern als feste Teilnehmer gewünscht. Dies gehe aus dem Rahmenvertrag hervor, der dem Magazin vorliegt. Dort steht wörtlich, dass der Super-League-Vorstand Bayern, dem BVB und Paris St.-Germain "so bald wie möglich" anbieten soll, eines der 15 Gründungsmitglieder zu werden.

Generell sei im Vertragswerk des neuen Elitewettbewerbs festgeschrieben, dass jede Saison zwei deutsche Teilnehmer dabei sein sollen. PSG habe ab dem Zeitpunkt der Einladung 14, der FCB und Dortmund jeweils 30 Kalendertage Zeit für eine Replik. Der Vertrag umfasst 167 Seiten und ist laut Spiegel auf den 17. April datiert.

Laut BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hätten jedoch beide deutschen Großklubs "in allen Gesprächen zu 100 Prozent deckungsgleiche Auffassungen vertreten". DFL-Boss Christian Seifert hatte schon vor der offiziellen Verkündungen vor einem "irreparablen" Schaden gewarnt. Geschäftsführer Rudi Völler von Bayer Leverkusen sprach in der Bild-Zeitung von einem "Verbrechen am Fußball". Von zahlreichen Bundesligisten wie RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen hagelte es Kritik an der Super League.

Super League: Was steckt hinter den Plänen?

Geld. Die europäischen Topklubs können durch die sichere Teilnahme an einem jährlichen Wettbewerb mit festen Einnahmen in Milliardenhöhe planen. Die Super League wird für die von der Corona-Pandemie gebeutelten und mit hohen Schulden sowie Spielergehältern kämpfenden Klubs finanziell deutlich mehr abwerfen als die Königsklasse.

Die US-amerikanische Investmentbank JPMorgan steht als Geldgeber bereit. Laut Gründungserklärung erhalten die Teilnehmer unter anderem "einen Betrag von 3,5 Milliarden Euro, der ausschließlich für die Entwicklung ihrer Infrastruktur und zur Abfederung der Auswirkungen der COVID-Pandemie vorgesehen ist".

Super League: Wie reagieren die Verbände und Ligen?

Die Reaktionen sind heftig. Die UEFA droht den Vereinen in einer gemeinsamen Erklärung mit dem englischen, italienischen und spanischen Verband mit einem Bann der Vereine und Spieler. Die Profis könnten sogar aus ihren Nationalmannschaften ausgeschlossen werden, hieß es.

Besonders Super-League-Treiber Agnelli, nun ehemaliger ECA-Präsident, bekam sein Fett von UEFA-Präsident Ceferin weg. Der bezeichnete ihn als "Lügner" und noch mehr: "Ich war Strafverteidiger und habe da viele komische Leute kennengelernt. Aber sowas habe als Strafverteidiger nicht erlebt."

Der Weltverband FIFA sagte, er könne "nur seine Missbilligung" über einen Wettbewerb "außerhalb der internationalen Fußballstrukturen" ausdrücken. Selbst die Spitze der EU-Kommission und der britische Premierminister Boris Johnson übten harsche Kritik an den Plänen.

Super League: Wird die Champions-League-Saison abgebrochen?

Wie die "Abtrünnigen" bestraft werden könnten, ist noch nicht ganz klar, allerdings machte UEFA-Präsident Ceferin am Montag auf einer Pressekonferenz klar und deutlich, die härteste mögliche Gangart zu wählen. "Wir sind noch dabei, die Situation zu bewerten mit unseren Anwälten, darum ist es noch ein bisschen zu früh, die Antwort zu geben", sagte Ceferin: "Aber wir werden alle Sanktionen verhängen, die wir verhängen können. Meiner Meinung nach sollten sie so früh wie möglich von allen Wettbewerben ausgeschlossen werden. Und die Spieler auch."

Wie SPOX und Goal aus UEFA-Kreisen bestätigt würde, ist für den morgigen Dienstag ein erstes Meeting angesetzt, bei dem über einen sofortigen Ausschluss der noch in den K.o.-Runden der europäischen Wettbewerbe vertretenen Super-League-Teilnehmer beraten werden soll. Jesper Möller (57), des dänischen Verbandes und Mitglied des UEFA-Exekutiv-Komitees, sagte bei DR Sporten: "Am Freitag findet eine außerordentliche Sitzung des Exekutiv-Komitees statt. Dort habe ich die Erwartung, dass die 12 Vereine rausgeworfen werden."

In der Champions League sind noch Chelsea, Real Madrid und Manchester City dabei, in der Europa League beträfe dies Manchester United und den FC Arsenal. Wie die Wettbewerbe bei einem Ausschluss der Fans beendet würden (Abbruch? Nachrücker?) ist noch völlig offen.

Super League: Wie wahrscheinlich sind UEFA-Sanktionen?

Gut möglich, dass die Androhungen von UEFA-Präsident Ceferin bezüglich Spieler- und Klub-Sanktionen gar nicht umsetzbar sind. Das meint zumindest Sportrechtler Paul Lambertz. "Die UEFA hat nach meiner Einschätzung keine Handhabe. Denn rechtlich ist sie Monopolist, schließlich ist sie der einzige Anbieter eines europäischen Wettbewerbs. Sie darf also nicht alles machen, was sie will", sagte Lambertz der Funke Medien Gruppe.

Demnach dürfe sich die UEFA nicht einfach mit Sanktionen gegen aufkommende Konkurrenz wehren. In einem ähnlichen Fall habe die Eislauf-Union (ISU) die eigenen Statuten ändern müssen, damit Athleten auch an externen Events teilnehmen können.

Damit hatte die EU-Kommission zwei Sportlern recht gegeben, denen die Teilnahme an einem Privat-Wettbewerb untersagt worden war: "Die UEFA wird das daher auch nicht dürfen. Sie darf die Klubs und Spieler nicht von ihren Wettbewerben verbannen, nur weil sie auch bei der Konkurrenz spielen", betonte Lambertz.

Die Spielergwerkschaft FIFPro hat bereits ihren Widerstand gegen mögliche Ausschlüsse angekündigt. "Wir werden uns energisch gegen Maßnahmen beider Seiten wehren, welche die Rechte der Spieler beeinträchtigen - wie zum Beispiel den Ausschluss aus ihren Nationalmannschaften", teilte der Verband mit: "Die Spieler werden bei diesen Verhandlungen weiterhin als Druckmittel eingesetzt. Das ist für uns nicht hinnehmbar."

Super League: Könnte es einen Weg zurück geben für die Abtrünnigen?

UEFA-Präsident Alexander Ceferin sagte bei seiner Pressekonferenz: "Sie werden nicht für immer vom europäischen Fußball verbannt sein. Wie sie sich verhalten haben, war falsch. Das wissen wir alle. Aber hier ist nichts Persönliches. Nur mit Andrea Agnelli ist es persönlich, weil ich ihn besser kenne. Agnelli hat vor wenigen Tagen die Reform der Champions League als großartiges Projekt bezeichnet. Also würde ich ihnen sagen (wenn sie zurückkehren wollten, die Red.): 'Willkommen zu einem großartigen Projekt."

Super League: Was sagen die Fans?

Die Anhänger reagierten empört. In England sprachen etwa die Fans von Chelsea und Tottenham von "Verrat", die der Gunners vom "Tod von Arsenal als Sportinstitution" und Anhänger von Jürgen Klopps FC Liverpool waren "entsetzt". Für das deutsche Bündnis ProFans ist es "eine Horrorvision". Die zwölf Großklubs behaupten, den Interessen von vier Milliarden Fans zu folgen.

Super League: Verhindern UEFA und Amazon die Gründung?

Angesichts des hartnäckigen Widerstands steht die Super League vor einigen hohen Hürden. Nach der offiziellen Erklärung könnte eine Klagewelle anrollen. Nach SID-Informationen plant die UEFA, rechtlich gegen die entsprechenden Klubs vorzugehen.

Demnach müssten die Klubs zumindest für die nächste Rechteperiode bis 2024 dabei sein. Auch TV-Rechteinhaber wie Amazon dürften sich gegen die Pläne stellen, schließlich erwarb etwa der Versandriese die Rechte am Produkt mit allen Vereinen.

 

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