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Fussball

Lutz Pfannenstiel exklusiv: "Ich habe knappe drei Stunden im Auto geheult"

Von Niklas König
Lutz Pfannenstiel arbeitet künftig als Sportdirektor in der MLS.

Lutz Pfannenstiel spricht über seinen Abschied von der Fortuna, Tränen im Auto, das Angebot von Newcastle und seine neue Aufgabe in St. Louis.

Mitte August wurde Lutz Pfannenstiel als Sportdirektor beim zukünftigen MLS-Klub St. Louis City SC vorgestellt. Mit SPOX und DAZN spricht der 47-Jährige über seinen Abschied von Fortuna Düsseldorf und seine Ziele mit St. Louis.

Lutz Pfannenstiel über ...

... den Abstieg der Fortuna: Die Qualität war da, um in der Liga zu bleiben, sonst wären wir wie Paderborn schon am 30. Spieltag abgestiegen. Wir hatten genug Möglichkeiten, um den direkten Klassenerhalt zu schaffen. Dass wir zum Schluss zwei Matchbälle für den Relegationsplatz gegen Augsburg und Union und damit gegen Gegner verballert haben, bei denen es um nichts mehr ging, war besonders ärgerlich. Das Nervenkostüm spielte in diesen beiden Partien eine wichtige Rolle. Zum Schluss waren wir selbst schuld, da wir zu viele sicher geglaubte Punkte liegengelassen haben. So war es im Großen und Ganzen ein sehr enttäuschender Abgang. Für mich war es doppelt traurig, weil Corona dazukam und ich meinen Vertrag vor der Pandemie zum 31. Mai aufgelöst hatte.

... den Moment des Abstiegs: Ich habe das Spiel aus Köln für die DFL kommentiert. Ich musste mir das Ganze also nicht nur anschauen, sondern auch noch darüber reden, was sehr, sehr schwierig war. Da hatte es der Kommentator nicht so leicht mit mir, weil ich ziemlich angefressen war und patzig wurde. Ich bin anschließend sechs Stunden mit dem Auto nach Bayern gefahren und habe davon knappe drei Stunden geheult. Es hat mich extrem kalt erwischt. Ich habe bis zum letzten Moment an den Klassenerhalt geglaubt.

... seinen Abgang vier Spieltage vor Schluss: Natürlich wäre es mir am liebsten gewesen, das Ganze zum Saisonende zu verkünden. Das ist aber bei einem Verein wie der Fortuna und in einer Stadt wie Düsseldorf nicht so einfach. Deshalb war mir relativ klar, dass es irgendwann an die Medien gelangen wird.

... die Gründe für seinen vorzeitigen Abschied: Ich musste für mich eine Linie ziehen. Ich habe kein Problem, wenn mich sogenannte Fans oder irgendwelche Keyboard-Warriors beschimpfen. Das ist Teil des Geschäfts. Wenn es aber so weit geht, dass die Familie, die Tochter und die Frau übelst beschimpft und sogar bedroht werden, kommt irgendwann der Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Vor allem nach der Entlassung von Friedhelm Funkel ist das Ganze ausgeartet. Was da passiert ist, ist nicht unbedingt jugendfrei. Es geht gar nicht um die fast 50.000 Fans, die immer im Stadion sind - dort spürte ich immer volle Unterstützung. Auch die Ultras sind wirklich gute Jungs, die den Verein unterstützen. Nur gibt es Menschen, die sich vermummen und im Internet ihr Unwesen treiben. Das ist ein Umfeld, in dem ich nicht leben möchte. Wenn man es intern nicht schafft, das an der Wurzel auszurotten, ist das nicht gut. Und wenn Du dreimal die Woche eine E-Mail bekommst, in der es heißt: Ich hoffe, Du verreckst an Krebs, genauso wie Deine Frau und Dein Kind, dann ist für mich die Zeit gekommen, um aufzuhören.

Lutz Pfannenstiel: "Auch Newcastle war ein Thema"

... Angebote anderer Klubs: Es gab Kontakt nach England. Auch Newcastle war ein Thema. Durch die im Raum standene Übernahme aus Saudi Arabien war es schwierig, Entscheidungen zu treffen. Das Ganze hatte sich sehr lange hingezogen, sodass man mittelfristig nicht hätte planen können. Für intensivere Gespräche wäre die Übernahme die Grundvoraussetzung gewesen.

... Newcastles Ambitionen: Die Saudis haben das Angebot zurückgezogen, deshalb ist alles Kaffeesatzleserei. Man weiß nicht, welche Summen im Raum standen. Das alles ist spekulativ. Sollte es allerdings eines Tage doch noch zur Übernahme kommen, will Newcastle sicher nicht nur in der Premier League mitkicken. Dann will man internationalen Fußball spielen, sich zunächst an die Großen heranpirschen und dann angreifen. Das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen und auch nicht innerhalb von einem Jahr zu bewältigen ist.

... seine Entscheidung für St. Louis: St. Louis ist ein Verein, den ich komplett aufbauen kann. Mich hat das Konzept sprich das Projekt der Eigentümer überzeugt. Es geht nicht nur darum, Titel zu gewinnen und Meister zu werden. Das Ziel ist es, eine der besten Akademien Nordamerikas zu bauen und etwas für die Leute in St. Louis zu kreieren. Gleichzeitig muss man die erste Mannschaft natürlich mit internationalen Spielern bestücken. Es ist ein langfristiges Projekt, das über Jahre gehen wird. Die Vorbereitung der Profimannschaft geht im Sommer 2022 los - vorher muss alles stehen. Insofern hat man anderthalb Jahre Zeit, um die Akademie und das NLZ zu bauen. Mit Bernhard Peters, mit dem mich viele gemeinsame Jahre bei der TSG Hoffenheim verbinden, konnten wir einen absoluten Fachmann als Berater zum Aufbau der Akademie gewinnen.

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