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Fussball

DFB-Team - Drei Thesen zum Krampf gegen Ungarn: Wer Sane sagt, muss auch Gnabry sagen

Grund zur Erleichterung, aber auch Grund zur Sorge: Mit ihrer über weite Strecken uninspirierten, beinahe in einer Blamage endenden Leistung gegen Ungarn gibt die deutsche Nationalmannschaft vor dem Achtelfinale gegen England Rätsel auf.

Beim 2:2 in München enttäuschte ein Großteil der Startelf - nicht nur Leroy Sane. Immerhin: Zwei Joker betrieben Werbung in eigener Sache.

Drei Thesen zum DFB-Krampf gegen Ungarn.

1. Ein Großteil enttäuscht - nicht nur Sane

Ja, Leroy Sane hat seine Startelf-Chance gegen Ungarn nicht ansatzweise genutzt. Wer A sagt, muss aber auch B sagen. Der Offensiv-Star des FC Bayern war bei weitem nicht die einzige Enttäuschung an diesem verregneten Mittwochabend. Wo war eigentlich Serge Gnabry? Löws Liebling wusste sich ebenso wenig wie sein Kollege aus den Fängen des dichten gegnerischen Abwehrblocks zu befreien und zu seinem Spiel zu finden. Mit 23 Ballkontakten bis zu seiner Auswechslung in der 67. Minute hatte Gnabry sogar 40 weniger als Sane.

Eins-gegen-Eins-Duelle? Mangelware. Auch Kai Havertz traute sich wenig zu, mit seinem Abstaubertreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 sammelte der Champions-League-Held des FC Chelsea im Gegensatz zu seinen gänzlich blass gebliebenen Sturmpartnern aber immerhin ein paar Mini-Pluspunkte.

DFB-Team: Die Startelf-Offensive gegen Ungarn in Zahlen

SaneGnabryHavertz
Spielminuten906767
Ballkontakte632339
Pässe (davon erfolgreich)41 (35)14 (12)26 (22)
Schüsse (davon aufs Tor)0 (0)2 (0)4 (2)
Geführte Zweikämpfe1078
Ballverluste1758

Generell war es ein schwacher, im Vergleich zum 4:2-Feuerwerk gegen Portugal nicht wieder zu erkennender Auftritt der deutschen Elf. Ob nun die instabile und schlafmützige Defensive um Matthias Ginter, Mats Hummels und Antonio Rüdiger, die bei beiden Gegentoren pennte und damit auch im sechsten Länderspiel in Serie nicht die Null hielt, das zentrale Mittelfeld mit einem alles andere als Manchester-City-liken Ilkay Gündogan, selbst die Außenbahnspieler Robin Gosens und Joshua Kimmich - kein Mannschaftsteil kam nicht auch nur ansatzweise an sein durchschnittliches Leistungsniveau heran. Und das lag nicht nur an der beherzten, taktisch klugen Darbietung des Gegners.

"Wir haben drei unterschiedliche Spiele von uns gesehen. Klar ist: Wir haben auf jeden Fall noch Luft nach oben", stellte Kimmich nach dem Abpfiff fest. "Das war eines der schwierigsten Spiele überhaupt", meinte Joachim Löw und kündigte an, "ein paar Dinge" mit Blick auf die Partie am Dienstag gegen England korrigieren zu wollen, auch wenn diese "eine ganz andere" werde.

Das größte Manko in den Augen des Bundestrainers? "Wir müssen absolut auf der Hut sein bei Flanken in den Sechzehner und Standards, da gibt es jetzt kein Pardon mehr. Das müssen wir besser machen", stellte Löw klar. In puncto Mentalität und Moral könne er seinen Spielern aber nichts vorwerfen.

2. Goretzka muss gegen England in die Startelf

Der nach einer knappen Stunde für den schwachen Gündogan eingewechselte Leon Goretzka sorgte für mehr Präsenz im Mittelfeld und avancierte mit seinem wuchtigen Schuss zum 2:2-Ausgleich in der 84. Minute zum späten Helden für das DFB-Team.

Spätestens nach diesem Auftritt ist klar: Goretzka muss gegen England in die Startelf. Löw deutete auf der Pressekonferenz nach dem Spiel auch an, dass es so kommen könnte.

"Ich habe vorher mit Leon gesprochen und ihm gesagt, nach sechs Wochen Pause ist es nicht so einfach, mit ihm über 90 Minuten zu planen. Es war besser, dass er den letzten Schritt macht, das wird ihm helfen. Ich denke, das Tor gibt ihm Auftrieb. Er ist für uns ein wichtiger Spieler, weil er Dinge macht, die der Mannschaft gut tun - defensiv wie offensiv."

3. An Musiala kommt Löw nicht mehr vorbei

Jamal Musiala feierte gegen Ungarn sein EM-Debüt - und was für eins. Das Ausnahmetalent des FC Bayern traute sich in zehn Minuten Einsatzzeit mehr zu als Sane, Gnabry und Havertz zusammen.

Die Belohnung für seinen erfrischenden Auftritt: Musiala leitete das Goretzka-Tor mit einer starken Eins-gegen-Eins-Situation an der ungarischen Strafraumkante ein. Löw, der den 18-Jährigen sowohl gegen Frankreich als auch gegen Portugal noch aus seinem 23-köpfigen Spieltagskader gestrichen hatte, scheint nun langsam auch zu begreifen, warum Hansi Flick den gelernten Spielmacher vergangenes Jahr zu den FCB-Profis zog und immer wieder als Joker brachte.

"Musiala war in einigen Situationen wirklich gut, da hat man seine Klasse gesehen", lobte der Bundestrainer. Und der "Gamechanger" selbst sagte: "Ich bin einfach mit vollem Selbstvertrauen rein und habe mir was zugetraut. Ich helfe gerne. Es macht Spaß und ich bin stolz, für diese Mannschaft zu spielen."

An dem gebürtigen Stuttgarter als zusätzliche Unterstützung für die Offensive kommt der Bundestrainer nach diesem Abend nicht mehr vorbei. Am Dienstag in London, wo Musiala einen Großteil seiner Kindheit verbracht hatte, sollten auch mehr als zehn Minuten drin sein. Dafür ist er einfach zu gut, zu kreativ, zu wuselig. Es braucht neben erfahrenen Spielern wie Thomas Müller eben auch solche wie Musiala. Spieler, die sich nicht verstecken.

Jamal Musiala im Steckbrief

geboren26. Februar 2003 in Stuttgart
Größe1,80 m
Gewicht68 kg
Positionoffensives Mittelfeld
starker Fußrechts
StationenTSV Lehnerz, FC Southampton, FC Chelsea, FC Bayern
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