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Fussball

1. FC Kaiserslautern - Insolvenz, sportlicher Niedergang, umstrittene Trainerwechsel: Das sagt Beiratschef Merk zur Kritik der Konkurrenten

Von Philipp Schmidt

Der 1. FC Kaiserslautern befindet sich spätestens seit 2013 auf einer nicht enden wollenden Talfahrt und ist im Tabellenkeller der 3. Liga angelangt. Obwohl sich die Roten Teufel im Rahmen eines umstrittenen Insolvenzverfahrens nahezu komplett entschuldet haben, kommt der Verein nicht zur Ruhe.

Zwei Trainerentlassungen in der bisherigen Spielzeit sowie ein entmachteter Sportdirektor werfen weitere Fragen auf. Insbesondere folgende Punkte sorgen für Gesprächsstoff im Verein, dem heißblütigen Umfeld und auch bei der Konkurrenz in der 3. Liga:

  • Insolvenz: Aufgrund von 24 Millionen Euro Schulden musste die 1. FC Kaiserslautern Management GmbH und Co. KgaA im Juni 2020 das Insolvenzverfahren eröffnen. Dank Corona-Sonderregelungen wurde dieses sogar ohne Punkteabzug abgeschlossen, was von den Ligarivalen kritisch beäugt wurde. Der Tenor: Wie kann der FCK trotz der kritischen Lage Spieler abwerben und muss gleichzeitig Raten für zurückliegende Transfers nicht mehr begleichen?
  • Sportliche Krise: Mit Aufstiegsambitionen in die Saison gestartet, ist der Gang in die Regionalliga bedrohlich nahe. Die Zeitpunkte der beiden Trainerwechsel waren durchaus umstritten. Jeff Saibene hielt es gerade einmal vier Monate auf der Trainerbank in der Pfalz, Boris Schommers wurde bereits nach dem 2. Spieltag entlassen.
  • Unklare Machtverhältnisse in der Führungsetage: Sportdirektor Boris Notzon gilt aufgrund der zurückliegenden Transferpolitik als angezählt, bei der Suche nach dem neuen Trainer Marco Antwerpen wurde er gar nicht erst eingebunden. Stattdessen wird dem Aufsichts- und Beirat um Markus Merk großer Einfluss nachgesagt. Schon am 26. Februar wird der Aufsichtsrat neu gewählt.

Merk, Mitglied im Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern e.V. und Beiratsvorsitzender der Kapitalgesellschaft, wehrt sich bei SPOX und Goal unter anderem gegen die Vorwürfe, wonach der FCK einer der großen Gewinner der Corona-Pandemie sei. Auch zu den weiteren Punkten nimmt der ehemalige Weltschiedsrichter ausführlich Stellung.

1. FCK hinkt Saisonzielen weit hinterher - zwei Trainerwechsel

"Wir haben uns das sportlich natürlich anders vorgestellt. Ich habe am 1. Spieltag gesagt, dass die 3. Liga so spannend ist, weil sie von ihrer Einfachheit und ihrer Ehrlichkeit lebt. Es ist eine Mentalitätsliga, die unberechenbar ist", blickt Merk auf den bisherigen Saisonverlauf zurück, der alarmierende Zahlen liefert: Nach 24 Saisonspielen stehen erst vier Siege zu Buche, gleich 13 Partien endeten mit einer Punkteteilung.

Vor allem in der Offensive drückt der Schuh, nur Marvin Pourie (acht), der selbst zahlreiche Großchancen ausließ, hat mehr als vier Saisontreffer erzielt. Den Nachweis, der "Mentalitätsliga" gewachsen zu sein, blieb der FCK, der zumindest auf dem Papier das Potenzial für die oberen Tabellenregionen mitbringt, über weite Strecken schuldig. Das Resultat waren die Trennungen von den Trainern Schommers und Saibene.

"Zwei Trainerentlassungen sind für mich zwei zu viel. Aber es gibt keinen günstigen Zeitpunkt für eine Trainerentlassung, wie definiert man diesen? Wird zu früh reagiert, wird der Wechsel als Aktionismus und Populismus abgetan und fehlende Kontinuität bemängelt", versucht Merk die Trennungen von Schommers, dem eine desolate Leistung bei Türkgücü München zum Verhängnis wurde, und Jeff Saibene, den es nur 20 Drittligaspiele (drei Siege) auf dem Schleudersitz in Kaiserslautern hielt, zu begründen.

Merk nimmt Mannschaft in die Pflicht: "Kann Begriff Qualität nicht mehr hören"

Da beide Entlassungen kurz nach dem Start der jeweiligen Halbserie erfolgten und insbesondere bei der Einstellung von Saibene keinerlei Möglichkeit mehr bestand, den Kader durch Transfers nach eigenen Wünschen zu gestalten, fehlte es vielerorts an Verständnis für das Vorgehen. "Im zweiten Fall gab es aus sportlichen Gründen keine andere Handlungsoption. Über die erste kann man diskutieren. Interne Prozesse haben dies notwendig gemacht, die von außen schwer beurteilt werden können", erklärt Merk.

Das Argument, dass der Trainer den Kader nicht zusammenstellen durfte, entkräftet Merk: "Ein neuer Trainer muss überzeugt sein, dass er mit dem vorhandenen Kader erfolgreich sein, ihn weiterentwickeln kann. Es ist ein Irrglaube, dass man eine Mannschaft komplett auf einen Trainer ausrichtet."

Stattdessen nimmt Merk die Mannschaft in die Pflicht, "unter Beweis zu stellen, dass wir diese Mentalität haben. Den Begriff Qualität kann ich nicht mehr hören". Einen ersten Schritt machten die Roten Teufel mit dem Derbysieg bei Waldhof Mannheim, als die Lauterer im ersten Spiel unter Trainer Marco Antwerpen eine völlig andere Körpersprache zeigten: "Bei einem solchen Derbysieg sieht man die unfassbare Wucht des Vereins, es gibt eine Explosion in alle Richtungen. Wir hätten uns gar nicht vorstellen können, was passiert wäre, wenn wir kein Corona gehabt hätten."

Dass die Mannschaft bei der Rückreise von hunderten euphorischen Fans am Betzenberg mit einer Pyro-Show empfangen wurden, wobei teilweise die Corona-Bestimmungen missachtet wurden und Kapitän Jean Zimmer die jubelnde Menge mit Fangesängen aus der offenen Bustür sogar noch anheizte (was der Verein zudem auf Twitter verbreitete), sieht Merk durchaus kritisch: "Natürlich müssen die Corona-Bestimmungen respektiert werden, aber man sieht einfach, was in unseren Fans vorgeht."

Die Richtung für die ausbleibenden Saisonspiele ist für Merk klar: "Das einzige Saisonziel ist der Klassenerhalt. Es muss nach dem großen wirtschaftlichen Erfolg auch sportlich ein Lauf gestartet werden, um auch mit einem guten Gefühl aus der Saison zu gehen. Die Tradition ist herrlich, andere wären froh darüber, aber im Profisport gibt es eben auch noch andere Kriterien, die zählen." Mut machte nach dem Sieg in Mannheim auch die Leistung am vergangenen Samstag beim 1:1 gegen den FC Bayern II, als der FCK an der eigenen Chancenverwertung sowie einem fälschlicherweise aberkannten Treffer scheiterte.

Ein Szenario, das den einst so großen FCK in der Regionalliga sieht, mag sich keiner vorstellen. Der Pacht- und Vertreibervertrag für das Stadion würde auch in Liga vier Gültigkeit besitzen, die Liquidität wäre kein Problem. Doch wie wirken sich die wegfallenden TV-Einnahmen und Sponsoren aus? Und wie würde der Kader aussehen? Fragen, mit denen sich Merk noch nicht befassen will, wie er zuletzt dem SWR erklärte. "Was wäre das für ein Bild für unsere Fans und unsere Mitglieder, wenn wir uns jetzt in diesen schweren Stunden, wo wir andere Entscheidungen zu treffen haben, über dieses Thema auslassen würden?"

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