Zebras nach Pokal-Coup: "Tag für die Bücher"

SID
Der MSV Duisburg steht nach einem 2:1 über Ligakonkurrent Energie Cottbus im DFB-Pokal-Finale
© Getty

Der MSV Duisburg steht als erster Zweitligist seit sieben Jahren im Pokalendspiel - vor allem für Trainer Milan Sasic eine große Genugtuung. Sein Cottbuser Kollege Claus-Dieter Wollitz fühlte sich nach dem 1:2 dagegen "richtig scheiße".

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Stefan Maierhofer erzählte am TV-Mikrofon gerade, dass er wegen einer Stoffwechselerkrankung keinen Schluck Bier trinken dürfe, da schüttete ihm Mitspieler Olcay Sahan aus einem riesigen Glas genüsslich drei Liter Pils über den Kopf.

Beim MSV Duisburg waren nach dem umjubelten Einzug ins Endspiel des DFB-Pokals sämtliche Regeln außer Kraft gesetzt.

Die Fans wollten das erstmals seit vier Jahren wieder ausverkaufte Stadion gar nicht mehr verlassen, die Spieler hingen mit Megafonen auf den Stadionzäunen und machten anschließend die Nacht zum Tag.

"Wir sind heute alle nass vom Bier"

"Heute wird sich keiner einfangen lassen", kündigte Torhüter David Yelldell an, doch an den sonst verbindlichen Zapfenstreich von Trainer Milan Sasic musste sich am "Tag für die MSV-Bücher" (Sasic) um 23 Uhr ohnehin niemand halten. "Wir sind heute alle nass vom Bier. Aber das ist schöner als von Tränen", sagte der Coach, der sich ebenfalls der obligatorischen Pilsdusche unterziehen musste und den Übeltäter Sahan anschließend sekundenlang herzte.

"Der Trainer ist so glücklich, dass er zwei Tage mitfeiern wird", vermutete Mittelfeldspieler Filip Trojan.

Und in der Tat erlebte man den 52-Jährigen ausgelassen wie selten. "Ich bin riesig glücklich. Der Fußball-Gott war an unserer Seite", sagte Sasic und spürte zugleich große Genugtuung.

"Erlebt man nur einmal im Leben"

"Die Trennung in Kaiserslautern 2009 hat mich tief im Herzen getroffen", sagte der Kroate, der vor dem Bürgerkrieg aus Jugoslawien geflüchtet war und sich zunächst als Bauarbeiter durchschlug.

Sasic nennt die ständigen Gerüchte über seinen barschen Umgangston "Ungerechtigkeiten, die mich verfolgt haben. Aber wie könnte ein Trainer so erfolgreich arbeiten, wenn er so wäre, wie viele behaupten?"

Am Dienstag spürte man in Duisburg eine extrem familiäre Atmosphäre, nicht nur als die Spieler mit Trikots den verletzten Kollegen Julian Koch huldigten.

"Ich weiß noch gar nicht, was hier passiert ist. So etwas erlebt man nur einmal im Leben", sagte Trojan. Und selbst Ivica Banovic, 2004 und 2007 mit Werder Bremen und dem 1. FC Nürnberg schon zweimal Pokalsieger, war tief gerührt: "Das ist ein Traum. Wir haben Spieler, die noch kein einziges Mal in der ersten Liga gespielt haben."

"Das war ein großer Tag für die MSV-Familie"

Bei solcher Gänsehaut-Atmosphäre waren die mindestens sechs Millionen Euro an Sondereinnahmen, die sich durch den Pokalsieg am 21. Mai und eine Europa-League-Qualifikation noch erhöhen könnten, sogar in den Augen von Finanzchef Roland Kentsch beinahe nebensächlich.

"Was fast noch mehr zählt, sind die Imagewerte", sagte er: "Das war ein großer Tag für die MSV-Familie."

Zu der sich auch Ex-Boss Walter Hellmich acht Wochen nach seinem tränenreichen Abschied zählen darf. "Ich habe das Halbfinale im Stadion gesehen, und ich werde sicher auch beim Endspiel in Berlin mittendrin sein", sagte er.

In Cottbus herrschte dagegen großer Frust. "Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Spiel vor dem Finale zu scheitern. Sowas vergisst man nicht", sagte Torjäger Nils Petersen.

Sein Elfmetertor (78.) und die Rote Karte gegen Bruno Soares (77.) hatten nach den Duisburger Treffern von Maierhofer (24.) und Srdjan Baljak (54.) noch mal für eine nervenaufreibende Schlussphase gesorgt. Am Ende war es aber ein völlig missratener Tag für Cottbus.

Wollitz: "Kämpfen wie ein Löwe"

Vor dem Spiel war der Energie-Bus von Duisburger Randalierern angegriffen worden, Trainer Claus-Dieter Wollitz nannte "das Verhalten der Polizei unterirdisch".

Auch der Schiedsrichter, der einen klaren Elfmeter verweigerte und ein wohl reguläres Tor nicht gab, fand keine Gnade.

Großes Ziel ist nun der Aufstieg. "Wer sich jetzt nicht zwei, drei Tage richtig scheiße fühlt, hat in diesem Geschäft nichts zu suchen", sagte Wollitz: "Aber ich erwarte nun eine Trotzreaktion. Ich jedenfalls werde kämpfen wie ein Löwe."

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