3 Mal Rot, 3 Elfer: KSC erlebt Desaster

Von SPOX
Was? Schon wieder? Eine von drei roten Karten für den KSC in Reutlingen
© imago

Der Karlsruher SC sorgt für die verrückteste Partie der 1. Runde bisher und fliegt in Reutlingen raus. Die Bundesligisten halten sich bis auf 1899 Hoffenheim schadlos. Die Kraichgauer scheitern an 1860 München. Ansonsten stand der Samstag ganz im Zeichen der Neuzugänge.

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SSV Reutlingen - Karlsruher SC 3:1 (2:0)

Tore: 1:0 Ricciardi (13./Foulelfmeter) , 2:0 Ricciardi (33./Foulelfmeter), 2:1 Kempe (63.), 3:1 Ricciardi (90.+1/Foulelfmeter)

Rote Karten: Gulde (12.), Gordon (51.), Dehm (90./alle KSC)

Drei Rote Karten, drei Elfmeter gegen sich, der Trainer und ein Betreuer auf die Tribüne geschickt und gegen einen Oberligisten ausgeschieden - was für ein gebrauchter Abend für den KSC. Doch die Karlsruher landeten gegen den SSV Reutlingen bereits früh auf der Verliererstraße: Nach einem Foul von Manuel Gulde entschied Robert Kempter zu Recht auf Strafstoß und verwies Gulde zusätzlich noch des Feldes (12.). Giuseppe Ricciardi verwandelte den fälligen Strafstoß sicher.

In der 33. Minute gab es den zweiten berechtigten Elfer für den Gastgeber und wieder behielt Ricciardi die Nerven - die Sensation rückte in greifbare Nähe. Kurz nach der Halbzeit verschlechterte sich die Lage für den KSC zunehmends, denn Daniel Gordon wurde wegen einer Unsportlichkeit des Feldes verwiesen (51.). Zu allem Überfluss lieferten sich Markus Kauczinski (54.) und ein Karlsruher Betreuer (59.) mit den Offiziellen immer wieder Wortgefechte und wurden deshalb auf die Tribüne geschickt.

In doppelter Unterzahl mobilisierte der Zweitligist alle Reserven und kam nach 63 Minuten durch Dennis Kempe tatsächlich zum Anschluss. In der Folge drückte der Favorit zwar, der Ausgleich wollte aber nicht gelingen. Vielmehr gab es in der Schlussminute noch einen weiteren Elfmeter für den Gastgeber, die nächste Rote Karte, diesmal für Jannik Dehm, inklusive. Ricciardi blieb auch bei seinem dritten Elfmeter cool und besiegelte die Sensation.

MSV Duisburg - FC Schalke 04 0:5 (0:3)

Tore: 0:1 Huntelaar (4.), 0:2 Nastasic (39.), 0:3 Geis (45.+1), 0:4 Di Santo (63.), 0:5 Goretzka (85.)

Gelb-Rot: Bajic (31., Duisburg)

Bes. Vorkommnis: Ratajczak (Duisburg) hält Foulelfmeter von Di Santo (32.)

Hochverdienter Sieg der sehr engagierten Schalker. Die Knappen überzeugten von Beginn an mit Lauffreude und Tempo, das Wechselspiel zwischen den einzelnen Ketten funktionierte richtig gut. Duisburg war zu keinem Zeitpunkt in der Lage, dagegenzuhalten.

Analyse: Neuzugänge schießen Schalke weiter

Würzburger Kickers - SV Werder Bremen 0:2 (0:0) n.V.

Tore: 0:1 Ujah (102.), 0:2 Bartels (108.)

Bremen startete gut in die Partie und dominierte die Anfangsphase. Allerdings schlug man bei hohen Temperaturen kein allzu hohes Tempo an, sodass zunächst nur die Standards von Zlatko Junuzovic für Gefahr sorgten. Der Österreicher bediente Jannik Vestergaard mit seinem Freistoß - der Däne köpfte knapp über den Kickers-Kasten (9.). Dann probierte es Junuzovic direkt und trat die Kugel aus 18 Metern ans Lattenkreuz (24.)

Die erste herausgespielte Gelegenheit der Bremer war gleichzeitig die beste Chance des Durchgangs: Nach einem Steilpass von Anthony Ujah auf Fin Bartels umkurvte der Mittelfeldspieler den Kickers-Torwart und schob den Ball auf das leere Tor. Würzburgs Peter Kurzweg konnte die Kugel aber von der Linie kratzen (34.). In den Minuten vor der Pause kam Würzburg besser in die Begegnung - und zu eigenen Möglichkeiten: Royal-Dominique Fennell prüfte Werders Felix Wiedwald (36.), seine Flanke von rechts verpasste Daniel Nagy in der Mitte nur hauchdünn (44.).

Im zweiten Durchgang spielte Würzburg ähnlich schwungvoll und gestaltete die Partie offen. Beide Mannschaften neutralisierten sich lange Zeit. Für Werder scheiterte erneut Bartels, dessen Schuss Kickers-Keeper Reinhard Brunnhübner per Fußabwehr parierte (71.). Auf der anderen Seite hatte Bremen großes Glück, dass ein Treffer von Marco Haller zu Unrecht wegen einer angeblichen Abseitsposition zurückgepfiffen wurde (78.). Kurz vor Ende der 90 Minuten vergab Werder die Chance zur Entscheidung: Florian Grillitsch brachte es fertig, den Ball nach Vorarbeit von Levin Öztunali aus sechs Metern über den Kasten zu drehen (86.).

In der Verlängerung lieferten sich beide Teams einen echten Abnutzungskampf. Mit großem Einsatz verhinderte Würzburgs Paul Thomik einen Bremer Treffer, indem er den Versuch von Öztunali im letzten Moment blockte (95.). Für die Kickers setzte der eingewechselte Adam Jabiri nach einer starken Einzelleistung die Kugel nur ans Außennetz (97.).

Nach all den vergebenen Großchancen zeigte Werders Neuzugang Anthony Ujah, wie es mit einer kleinen Gelegenheit gemacht wird: Er zog aus halbrechter Position hart ab und tunnelte Kickers-Torhüter Brunnhübner zum 1:0 (102.). Kurz darauf machte Bartels den Deckel drauf: Junuzovic spielte im Fallen einen brillanten Steilpass und Bartels vollendete per Lupfer (108.).

Stuttgarter Kickers - VfL Wolfsburg 1:4 (0:2)

Tore: 0:1 Kruse (4.), 0:2 Dost (44.), 0:3 De Bruyne (47.), 1:3 Badiane (79.), 1:4 Bendtner (86.)

Gerade mal vier Minuten dauerte es und schon führte der Bundesligist vor 10.000 Zuschauern gegen den Underdog. De Bruyne wurde auf dem rechten Flügel nicht richtig angegriffen und flankte scharf an den Fünfer, wo Kruse eingelaufen war und einnickte. In der Folge ließen die Gäste den Ball laufen, verpassten durch Kruse (17.) und De Bruynes Lattenkracher (44.) aber das zweite Tor.

Die unterlegenen Kickers zeigten sich keineswegs beeindruckt von der Dominanz des Favoriten und hatten in der 24. Minute die große Chance zum Ausgleich. Berko köpfte freistehend aus fünf Metern rechts vorbei. Kurz vor der Pause legte Wolfsburg dann nach: Vieirinha flankte von rechts, Kruse verlängerte und Dost vollendete mit links (44.).

Im zweiten Durchgang startete die Hecking-Elf erneut blitzartig. Kruse spielte De Bruyne frei. Der legte sich den Ball auf den linken Fuß und traf mit dem Außenrist zum 3:0 - die Entscheidung (47.). De Bruyne (66.) hatte noch die große Chance auf das 4:0, vergab aber. In der Schlussphase erzielten die bis zum Ende aufopferungsvoll kämpfende Stuttgarter noch den Ehrentreffer: Leutenecker schlug von rechts eine perfekte Flanke an den Fünfer, wo sich der eingewechselte Badiane davon gestohlen hatte und gegen den chancenlosen Casteels einnickte.

Den Schlusspunkt eines unterhaltsamen Pokalspiels setzte wie im Supercup Bendtner. Der eingewechselte Däne staubte nach einem De-Bruyne-Schuss ab (86.).

Sportfreunde Lotte - Bayer Leverkusen 0:3 (0:1)

Tore: 0:1 Kießling (15.), 0:2 Calhanoglu (55./Foulelfmeter), 0:3 Bender (77./Foulelfmeter)

Rot: Gorschlüter (76., Lotte)

Im Schongang schaffte Leverkusen im mit 6.500 Zuschauern ausverkauften Sportpark am Lotter Kreuz den Einzug in die zweite Runde. Bayer agierte zunächst ohne Kreativität und Tempo, ging aber trotzdem relativ früh in Führung. Admir Mehmedi passte in den Lauf von Wendell, der von der linken Seite nach innen legte, wo Stefan Kießling aus einem Meter den Ball über die Linie schob. Eine weitere Kopfball-Möglichkeit durch Kießling (25.) war alles, was die Elf von Roger Schmidt bis zum Seitenwechsel noch zustande brachte.

Zehn Minuten waren in der zweiten Hälfte gespielt, da war Mehmedi nach einer Kopfballverlängerung von Kießling auf und davon und wurde von Torhüter Benedikt Fernandez von den Beinen geholt. Hakan Calhanoglu verwandelte den fälligen Strafstoß sicher links unten. Nun riskierte der Viertligist mehr und kam auch zu ein paar Chancen. Die beste Möglichkeit hätte ein Elfmeter sein müssen, den allerdings Schiri Dr. Martin Thomsen nach einem Foul von Roberto Hilbert verweigerte.

Den Schlusspunkt setzte Bayer erneut per Elfer. Tim Gorschlüter legte Calhanoglu und sah dafür Rot, Lars Bender guckte den Keeper aus und traf. Fünf Minuten vor dem Ende musste Leverkusen noch seinen Torhüter Bernd Leno gegen Dario Kresic tauschen. Leno hatte das Knie eines Gegenspielers abbekommen, ist aber nach ersten Erkenntnissen nicht schwerer verletzt.

Bremer SV - Eintracht Frankfurt 0:3 (0:1)

Tore: 0:1 Castaignos (31.), 0:2 Aigner (52.), 0:3 Waldschmidt (71.)

Stolze 31 Minuten ging der Plan der Hausherren aus Bremen, die einen äußerst engagierten Auftritt hinlegten, auf, dann sorgte Luc Castaignos mit seinem Treffer zum 1:0 für Aufatmen unter den Anhängern der Hessen. Der Neuzugang nutzte die kurzzeitig schlecht gestaffelte Abwehr des Fünftligisten eiskalt aus und vollstreckte nach Vorlage von Stefan Reinartz aus der Drehung ins kurze Eck.

Zuvor sahen die rund 3.400 Zuschauer im Bremer Sportpark am Vinnenweg einen frechen Auftritt des Außenseiters, der vor allem von Fehlern des Bundesligisten aus Frankfurt profitierte. Über weite Strecken des ersten Druchgangs wirkte die Elf der Eintracht unkonzentriert, fing sich jedoch mit zunehmender Spieldauer und ging durch Castaignos verdient in Führung.

Heinz Lindner, der auch im ersten Pflichtspiel der Saison den Kasten der Gäste hütete, musste aufgrund der mangelnden Durchschlagskraft des Gastgebers, der bei einem Lattentreffer von Haris Seferovic (45.) zudem im Glück waren, allerdings kaum eingreifen.

Nach der Pause wurde der Klassenunterschied dann doch noch deutlich. Das Team von Trainer Armin Veh dominierte Ball sowie Gegner nahezu nach Belieben und kam zu einer Vielzahl an guten Chancen. In der Folge erhöhte Aigner in der 52. Minute nach einer unfreiwilligen Vorlage Takashi Inuis durch einen irregulären Abseitstreffer auf 2:0, ehe SGE-Talent Luca Waldschmidt, der für Inui in die Partie kam, knapp 20 Minuten später mit dem dritten Treffer der Gäste für die endgültige Entscheidung sorgte.

SV Meppen - 1. FC Köln 0:4 (0:2)

Tore: 0:1 Modeste (1.), 0:2 Modeste (27. Foulelfmeter), 0:3 Modeste (79.), 0:4 Zoller (87.)

Rot: Gommert (24., Meppen)

Das hat sich der SV Meppen sicherlich ganz anders vorgestellt. Nach 16 Jahren Abstinenz hätte das Comeback im DFB-Pokal für die Niedersachsen wahrlich nicht schlimmer laufen können: Nach 26 Minuten lag man mit 0:2 im Hintertreffen, spielte in Unterzahl und ohne Chefcoach an der Seitenlinie. Auf der anderen Seite konnte sich Peter Stöger entspannt zurücklehnen: Für seinen FC lief alles wie am Schnürchen und die letzten 60 Minuten mutierten zu einem sommerlichen Testspielkick.

Das Übel für die Niedersachsen ließ nicht einmal eine Minute auf sich warten: Nach ein paar Sekunden überspielte Dominique Heintz die Meppener Hintermannschaft mit einem einfachen langen Ball, Neuzugang Anthony Modeste setzte sich durch und versenkte zur Blitzführung (1.). In der Folge zeigte Meppen durchaus gute Ansätze und eine solide Spielkultur, gefährlich wurden sie aber nicht.

Die spielentscheidene Szene resultierte dann aus einem Angriff über die linke SV-Seite: Pawel Olkowski stieß nach einem Doppelpass in den Sechzehner und wurde von Meppen-Keeper Benjamin Gommert gelegt. Der Elfmeter an sich war unstrittig, jedoch traf der Torhüter Olkowski nach dessen Abschluss. Eine Torchance wurde somit nicht verhindert, sodass es eine Gelbe Karte wohl auch getan hätte. Darauf pochte Christian Neidhart wohl zu vehement, sodass er zu allem Überfluss auf die Tribüne geschickt wurde.

Modeste war das alles egal: Der Stürmer schob ohne Schnörkel rechts unten ein und machte in seinem ersten Pflichtspiel für den FC seinen zweiten Treffer (27.). Damit war die Messe nach nicht einmal einer halben Stunde gelesen.

Der FC, der mit fünf Neuzugängen in der Startelf auflief, spielte in der zweiten Halbzeit dann seinen Stiefel runter. Vor allem Modeste sorgte vorne immer wieder für Unruhe und wurde von den schnellen Marcel Risse und Leonardo Bittencourt mit Vorlagen gefüttert. In der Schlussphase machte der Mann des Spiels seinen Dreierpack dann perfekt (79.). Trotzdem schlug sich Meppen tapfer und verhinderte mit Kampfgeist und Laufeinsatz erfolgreich ein Debakel, auch wenn Simon Zoller kurz vor Schluss noch den Endstand markierte (87.).

Erzgebirge Aue - SpVgg Greuther Fürth 1:0 (0:0)

Tor: 1:0 Skarlatidis (68.)

Viktoria Köln - Union Berlin 2:1 (0:1)

Tore: 0:1 Quaner (41.), 1:1 Wunderlich (68.), 2:1 Reimerink (74.)

Bes. Vorkommnis: Kreilach (Berlin) schießt Foulelfmeter neben das Tor (48.)

Hallescher FC - Eintracht Braunschweig 0:1 (0:0)

Tor: 0:1 Zuck (67.)

1860 München - 1899 Hoffenheim 2:0 (0:0)

Tore: 1:0 Claasen (51.), 2:0 Mulic (90.+3)

Die erste Überraschung ist perfekt: 1899 Hoffenheim muss als erster Bundesligist in der ersten Runde die Segel streichen und 1860 München setzt in chaotischen Tagen ein dickes Ausrufezeichen.

Denn der Sieg gegen pomadig agierende Hoffenheimer war verdient. Die Elf von Markus Gisdol kam die gesamte Spielzeit nicht in Fahrt und hatte das Spiel zu keiner Zeit im Griff. Die Löwen überzeugten dagegen mit Spiellust und Zweikampfstärke. Von Anfang an gaben die Blauen den Ton an und erspielten sich einige Torchancen. So kam Christopher Schindler nach einem Eckball zum Abschluss (30.), kurz danach zielte Daniel Adlung aus der Distanz knapp drüber (31.).

Die ausgelassenen Chancen hätten sich beinahe gerächt, als Jonathan Schmid kurz vor der Pause mit der einzigen gefährlichen Aktion der Hoffenheimer am stark reagierenden Stefan Ortega scheiterte (45.).

Kurz nach Wiederanpfiff belohnten sich die Löwen dann endlich für ihren Einsatz: Pawel Kaderabek verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung, der agile Marius Wolf trieb den Ball Richtung Sechzehner und legte im richtigen Moment rechts raus auf Daylon Claasen, der Oliver Baumann im Eins-gegen-eins keine Chance ließ.

Mit der Führung im Rücken ließ sich 1860 etwas weiter fallen, was Hoffenheim aber nicht zu nutzen wusste. Auch der eingewechselte Kevin Kuranyi, der sein Deutschland-Comeback gab, sorgte nicht für Gefahr. Stattdessen blieb Sechzig nach Standards oder aus der Distanz gefährlich. Kurz vor Abpfiff machte Fejsal Mulic dann nach einem Konter die Sensation perfekt (90.+3).

Holstein Kiel - VfB Stuttgart 1:2 (1:1)

Tore: 1:0 Czichos (37.), 1:1 Didavi (42.), 1:2 Ginczek (60.)

Hart erkämpfter Sieg des VfB, der aber vor allem aufgrund der zweiten Halbzeit völlig in Ordnung geht. Zornigers Plan des hohen Pressings war schon früh erkennbar, wirkte aber erst nach der Pause. Dann rissen die Schwaben die Partie an sich und spielten tapfere Kieler nieder.

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