Fussball

Deutschland - Argentinien 2:2: Löws Not-Elf zeigt zwei Gesichter

Nach einer 2:0-Pausenführung musste sich die DFB-Elf gegen Argentinien mit einem Remis zufriedengeben.

Die deutsche Nationalmannschaft hat der personellen Notlage getrotzt, sich für eine starke erste Halbzeit aber nicht belohnt. Im Prestige-Duell mit Argentinien zeige die Elf von Joachim Löw zwei Gesichter und verspielte nach einer 2:0-Führung zur Pause den Sieg.

Der Bundestrainer verblieb angesichts der personellen Situation mit dem Positiven. "Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen, mit welchem Mut und welchem Herz sie gespielt hat. Das waren sehr, sehr vielversprechende Ansätze, das hat mir sehr gefallen", sagte Löw nach Spielende.

Am Sonntag tritt das DFB-Team in Tallinn (Estland) zum sechsten EM-Qualifikationsspiel an, Anpfiff ist um 20.45 Uhr.

Deutschland - Argentinien: Die Stimmen zum Spiel

Joachim Löw: "Insgesamt war es ein sehr guter Auftritt. Die verspielte Führung ist grundsätzlich natürlich ärgerlich, aber man muss heute sicher ein bisschen Nachsicht haben. Wir haben auch einige junge Spieler eingewechselt."

Joshua Kimmich: "Ich sehe unsere Leistung ein bisschen zweigeteilt. Die erste Halbzeit war sehr gut, wir standen gut. Dann haben wir in der zweiten Halbzeit zu früh die Bälle verloren und kriegen hinten raus die zwei Tore. Das passiert uns ins letzter Zeit öfter mit der Nationalmannschaft."

Marc-Andre ter Stegen: "Für mich war es wichtig, die 90 Minuten zu spielen. Wenn du nicht spielst, kannst du dich nicht zeigen. Ich will immer weitermachen und arbeiten."

Deutschland - Argentinien: Die Analyse

Löw musste neben den Ausfällen von 13 Spielern kurzfristig auch noch auf Stark verzichten. Der Innenverteidiger von Hertha BSC sollte eigentlich sein Länderspiel-Debüt feiern, meldete sich aber mit Magen-Darm-Problemen ab. Für ihn rückte Neuling Koch in die Dreier-Abwehrkette, die von Süle und Can komplettiert wurde.

Löws Team agierte in einem 3-4-3, in dem Neu-Kapitän Kimmich die einzige Absicherung im Mittelfeld darstellte. Havertz verteidigte meist neben dem Bayern-Spieler, vorne wirbelten Waldschmidt, Brandt und Gnabry nach Belieben. Viel zu verteidigen gab es zunächst aber nicht, weil die Gäste aus Argentinien ohne ihren gesperrten Superstar Messi passiv agierten und sich von den galligen Deutschen den Schneid abkaufen ließen.

Während die Messi-Vertreter Dybala und Martinez in der Luft hingen, wussten die Hausherren mit schnellem Umschaltspiel zu gefallen. Die neu formierte Offensive bereitete der insgesamt bescheidenen Kulisse im Dortmunder Signal Iduna Park - mehr als 15.000 Tickets waren nicht verkauft worden - eine unterhaltsame Anfangsphase.

Den schön herausgespielten Toren von Gnabry (10.) und Havertz (22.) hätte vor der Pause auch noch ein drittes folgen müssen, doch Halstenbergs Freistoß knallte gegen die Latte (31.). Von den harmlosen Argentiniern kam vor der Pause bis auf einen Pfostenschuss von de Paul (33.) nichts.

Erst im zweiten Abschnitt, als die Elf von Löw wie auf Knopfdruck mehrere Gänge herunterschaltete und das Ergebnis zu verwalten gedachte, wurde die Albiceleste stärker. Der für den enttäuschenden Dybala eingewechselte Leverkusener Stürmer Alario köpfte den Anschlusstreffer, bei dem der bis dato arbeitslose ter Stegen machtlos war (66.).

Bis auf einen gefährlichen Kimmich-Freistoß (75.) hielt sich der Weltmeister von 2014 in der Folge mit Offensivaktionen zurück und verteidigte am eigenen Strafraum bisweilen sehr fahrig. Das wurde kurz vor Schluss bestraft, als mit Ocampos ein weiterer Argentinien-Joker den nicht unverdienten Ausgleich erzielte. Der ansonsten solide Can fälschte den Schuss des Sevilla-Profis unhaltbar ab.

Die Daten des Spiels Deutschland gegen Argentinien

Tore: 1:0 Gnabry (15.), 2:0 Havertz (22.), 2:1 Alario (66.), 2:2 Ocampos (85.)

  • Beim DFB-Team stand erstmals seit dem WM-Titel 2014 kein Weltmeister in der Startelf.
  • Kimmich stand als einziger Spieler seit Anfang 2018 in jedem der nun 20 Länderspiele in der Startelf.
  • Im Kalenderjahr 2019 erzielte Gnabry sechs Länderspieltore für das DFB-Team - und damit mehr als jeder andere Spieler.

Der Star des Spiels: Serge Gnabry (Deutschland)

Erzielte nicht nur sein zehntes Tor im elften Länderspiel, sondern bereitete auch noch das 2:0 durch Havertz mustergültig vor und lieferte drei weitere Torschussvorlagen. Wurde bei seiner Auswechslung in der 71. Minute mit tosendem Applaus verabschiedet.

Der Flop des Spiels: Marcos Rojo (Argentinien)

War mit dem schnellen Umschaltspiel der Deutschen in Hälfte eins heillos überfordert und leistete sich vor dem 0:2 durch Havertz einen unnötigen Ballverlust. Wurde folgerichtig zur Pause ausgewechselt. Ebenfalls schwach: Dybala, der in einer Stunde Spielzeit nur 28 Mal am Ball war. Aufseiten der Deutschen fiel Debütant Koch ab, der beim 1:2 durch Alario zu spät kam.

Der Schiedsrichter: Clement Turpin (Frankreich)

Der französische Unparteiische zeigte eine souveräne Vorstellung, bekam in der weitgehend fair geführten Partie allerdings auch wenig zu tun. Die frühen Gelben Karten gegen Kimmich (11.), Otamendi (26.) und de Paul (30.) gingen in Ordnung.

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