Deutschland siegt auch in der Türkei

Von Stefan Rommel / Norbert Pangerl
Mario Gomez und Thomas Müller trafen beim 3:1 in der Türkei
© Getty

Die deutsche Nationalmannschaft hat auch das neunte Spiel der EM-Qualifikation gewonnen. Am vorletzten Spieltag der Gruppe A siegte die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in Istanbul gegen die Türkei mit 3:1 (1:0) und bleibt damit weiter ohne Verlustpunkt.

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Vor 50.000 Zuschauern in Istanbul erzielten Mario Gomez (35.), Thomas Müller (66.) und Bastian Schweinsteiger (86., FE) die Tore für die deutsche Mannschaft. Für die Türkei traf Hakan Balta (79.) zum zwischenzeitlichen 1:2.

Durch die Niederlage und den gleichzeitigen 4:1-Erfolg Belgiens gegen Kasachstan liegen die Türken (14 Punkte) vor dem letzten Spieltag einen Punkt hinter Belgien und sind auf die Schützenhilfe der deutschen Mannschaft in deren letzten Spiel gegen Belgien angewiesen.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die Türken ohne Emre, der nur auf der Bank sitzt. Hiddink wählt die defensivere Variante mit Aurelio statt Kazim. Hamburgs Töre ebenfalls zuerst nur Zuschauer. Toprak, Torun und Ekici sind gar nicht im Kader.

Deutschland ohne Klose und Özil, beide sind erst gar nicht im Kader. Dafür ist Gomez fit und beginnt. Götze ersetzt Özil im zentralen offensiven Mittelfeld.

5.: Schöner Spielzug der Türken über Inan und Altintop. Der Ex-Münchner mittig am 16er, läuft zwischen zwei Verteidigern hindurch auf Neuer zu. Mit rechts zielt Altintop nach rechts oben, doch Neuer reißt die Hand hoch und pariert überragend.

29.: Von der linken Seite treiben sie den Ball zur Mitte, wo Altintop den Ball am rechten 16er-Eck aufnimmt. Sofort schickt er Sabri steil, der von der Grundlinie zurück Richtung Elfmeterpunkt spielt. Dort nimmt Inan ab, haut die Kugel aber mit rechts auf die Tribüne.

35., 0:1, Gomez: Neuer wirft einen Ball weit auf Müller ab, die Türken schalten furchtbar schlecht um. Müller diagonal auf Gomez, dem Servet zu viel Platz lässt.

38.: Müller zieht mit rechts aus 18 Metern mittig vor dem Tor ab, sein Ball geht jedoch knapp drüber.

55.: 18 Meter in der Mitte vor dem Tor lässt Gomez zwei Mann aussteigen und zieht flach mit rechts ab. Volkan fischt den Ball aus dem rechten unteren Eck.

58.: Übler Fehlpass der Türken vor dem eigenen Strafraum. Müller erkennt die Lage blitzschnell und zieht sofort aus 20 Metern ab - hauchdünn links vorbei.

66., 0:2, Müller: Befreiungsschlag von Neuer, genau auf Götze. Der nimmt den schwierigen Ball fein runter, kommt mit etwas Glück an Servet vorbei. Sein Pass findet Müller, der überlegt aus 22 Metern flach ins lange Eck trifft.

69.: Nächster Konter. Müller auf Schürrle. Der zieht von links zur Mitte, schlenzt aufs rechte Eck. Volkan hat ihn sicher.

79.: Gönül hat rechts zu viel Platz, Lahm hat keine Unterstützung. Die Flanke fliegt auf den zweiten Pfosten. Müller geht nicht konsequent mit Balta mit, der den Ball volley aus vollem Lauf unter die Latte knallt.

82: Konter Deutschland, drei gegen einen. Müller gut auf Schürrle. Dem verspringt der Ball bei der Annahme. Den holprigen Schuss mit links klärt Balta.

86., 1:3, Schweinsteiger (Foulelfmeter): Müller geht locker an Gönül vorbei, der checkt ihn einfach weg. Atkinson gibt zurecht Elfmeter. Schweinsteiger verlädt Volkan und trifft ins rechte Eck.

90.: Wie im Training: Müller am Fünfer nochmal quer auf Gomez. Der nagelt den Ball aus spitzem Winkel in die Wolken.

Fazit: Letztlich ein verdienter und unterm Strich auch kaum gefährdeter deutscher Sieg. Eine halbe Stunde lang sah es nicht danach aus, dann hatte Deutschland den Gegner und das Spiel aber jederzeit im Griff.

Der Star des Spiels: Bastian Schweinsteiger lieferte ein überragendes Spiel ab. Schweinsteiger war aggressiv in der Zweikampfführung und in der Defensive eine Bank, fast ohne Fehler. Nach vorne immer mit dem richtigen, zur Not auch einfachen, Pass zur rechten Zeit und dem Gefühl für den Tempowechsel.

Der Flop des Spiels: Servet ging angeschlagen ins Spiel und erwischte einen schwachen Tag. Sah beim 0:1 gleich zweimal nicht gut aus, als er zunächst nicht am Gegenspieler war und sich dann auch noch viel zu leicht verladen ließ. Insgesamt zu hüftsteif und bei den schnellen Kontern der Deutschen überfordert.

Der Schiedsrichter: Martin Atkinson aus England machte keinen entscheidenden Fehler. Der Elfmeterpfiff ging in Ordnung. Auch bei den persönlichen Strafen lag er in einer fairen Partie richtig.

Analyse: Deutschland durfte das Spiel machen, die Türken zogen sich tief zurück und machten die Mitte zu. Aurelio und Inan waren abgestellt, um die Defensive zu stärken, nach vorne kam von beiden so gut wie gar nichts.

Und trotzdem hatten die Gastgeber in der ersten halben Stunde die besten Chancen. Deutschland spielte ganz gefällig, im vorderen Drittel des Spielfelds fehlte es aber an Ideen und Genauigkeit. Hinten offenbarten Badstuber und Mertesacker einige Abstimmungsfehler.

Die etwas überraschende Führung deckte aber die eine ganz große Schwäche der Türkei auf: Die Gastgeber hatten enorme Probleme beim Umschalten in der Defensive.

Nach dem Wechsel riskierte Hiddink mehr, stellte auf 4-3-3 um. Gefährlich wurde aber zunächst nur Deutschland, herzlich eingeladen von katastrophalen Fehlern der Türken in der Defensive. Trotz der Umstellung brachten die Gastgeber keinen Druck aufs deutsche Tor, Deutschland dagegen boten sich immer mehr Konterchancen.

Müllers 0:2 - wieder nach einem schnellen Konter - war eigentlich die frühe Vorentscheidung. Die Türken waren quasi aus dem Spiel, Deutschland verpasste aber bei etlichen Konterchancen die endgültige Entscheidung.

Aber selbst der Anschlusstreffer aus dem Nichts brachte die türkische Mannschaft nicht mehr zurück. Schweinsteigers Tor bügelte den einen gravierenden Fehler kurz davor gleich wieder aus. Am Ende war sogar ein höherer Sieg möglich.

Türkei - Deutschland: Daten und Fakten zum Spiel

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