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Fussball

Bierhoff denkt nicht erst seit Spanien über Alternativen nach - Löw wird nächste Woche sprechen

Von SPOX/SID
Oliver Bierhoff (l.) zusammen mit Nationaltrainer Joachim Löw.

Bundestrainer Joachim Löw wird sein öffentliches Schweigen nach der 0:6-Schmach in Spanien schon sehr bald brechen. "Er wird nächste Woche reden, das kann ich garantieren. Dann wird er auch Rede und Antwort stehen", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Sonntag in der Talkshow Sky90.

Bierhoff erwartet dann einen kämpferischen Bundestrainer. "Er hat absolut das Feuer, er hat klare Vorstellungen", sagte der 52-Jährige: "Wenn er keine Energie und nach der Niederlage auch keine Wut im Bauch hätte, wäre das schlecht."

Bierhoff, der Löw bereits am Freitag in einer Pressekonferenz im Anschluss an die Präsidiumssitzung des DFB zur Löws Zukunft vehement verteidigt hatte, wies auf die internen Abstimmungsprozesse hin, die Zeit benötigten. "Hätte er sich drei Tage nach dem Spiel gegen Spanien geäußert, wäre die Diskussion gewesen: Macht er weiter? Deshalb war es richtig, zuerst die Entscheidung des Gremiums abzuwarten", sagte Bierhoff. Ob sich Löw nicht trotzdem schon hätte öffentlich äußern müssen, konnte er auch nicht gänzlich beantworten.

"In dem Moment weiß ich gar nicht mehr, was richtig und falsch ist. Es sind so viele Emotionen drin", sagte der ehemalige Nationalspieler. Etwas Positives zog Bierhoff daraus aber auch: "Dass die Emotionen so hochkochen, zeigt ja auch, dass die Nationalmannschaft eine Bedeutung und Wichtigkeit hat."

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Bierhoff verwies erneut auf die Probleme im Länderspieljahr 2020, die durch die Corona-Pandemie verursacht worden waren: "2020 war eine einzige taktische Einheit möglich", 2019 hätte man gewisse Dinge noch voranbringen können. Bei den Vereinen könne man ebenfalls sehen, dass der vollgepackte Spielplan zu schlechterer Abstimmung und deshalb zu mehr Gegentoren führen würde - und dort sei man 300 Tage im Jahr zusammen. "Die Spanier sind spielerisch und im Raum ausgebildet. Das war die schlechteste Mannschaft, auf die wir in dem Moment treffen konnten", meinte Bierhoff im Hinblick auf das blamable 0:6 in Spanien.

Dennoch sei die Bilanz von Löw hervorragend: "Er hatte in 16 Jahren ein einziges schlechtes Jahr: bei der WM 2018." Löw sei mit der Entwicklung und den vielen Absagen und verletzt fehlenden Spielern ebenfalls nicht zufrieden.

Bierhoff: Tür für Müller, Boateng und Hummels nicht zu

Es sei Löws Entscheidung, ob er das ausgebootete Trio von Bayern München und Borussia Dortmund erneut berufen werde, sagte Bierhoff. Aber: "Da der Trainer derjenige ist, der die Konsequenzen trägt, wird er mit der Mannschaft ins Turnier gehen, mit der er am erfolgreichsten sein kann." Es werde nicht "nicht aus Prinzip oder Sturheit" vonseiten Löws scheitern, der entscheidende Moment werde vor der Nominierung des EM-Kaders sein. Bierhoff verwies jedoch auch auf den geplanten Umbruch und betonte, dass man etwa einen Thomas Müller nicht "wie einen Reservisten" behandeln könne.

Auf mögliche Alternativen zu Löw angesprochen, sagte Bierhoff: "Wer glaubt, ich denke erst nach Spanien über Alternativen nach, ist irrsinnig. Natürlich hat man immer etwas im Kopf. Ich bin zu Jogi im Januar 2020 und habe gesagt, dass ich dem Gremium Alternativen vorschlagen muss. Löw hat für so etwas Verständnis." Er habe aber mit niemandem konkret gesprochen. Auch mögliche Kandidaten wie Jürgen Klopp oder Hansi Flick zur Heim-EM 2024 wollte Bierhoff nicht diskutieren.

Die deutsche Nationalmannschaft habe ein Nachwuchsproblem, gab Bierhoff zu: Es fehle etwa an Stoßstürmern und Außenverteidigern - die Vereine würden ja keine jungen Spieler aus Frankreich holen, "weil sie die Deutschen nicht mögen". Bierhoff weiter: "Meine U-Trainer können derzeit nicht sagen, dass wir viele Spieler haben, die bis zur Nationalmannschaft nachrücken werden. Das war noch vor Jahren anders." Man müsse den Nachwuchs individueller schulen und ihnen den Spaß am Spiel lassen.

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