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DFB-Team - Torwartdebatte: Illgner rät Löw zum Verzicht auf ter Stegen

Für Bodo Illgner ist Manuel Neuer die Nummer 1 im deutschen Tor.

Ex-Nationaltorwart Bodo Illgner teilt die Meinung der Bosse des FC Bayern, dass Manuel Neuer Deutschlands Nummer 1 vor Marc-Andre ter Stegen ist. Bei SPOX und Goal erklärt er, warum.

Bodo Illgner kann sich in die Situation von Marc-Andre ter Stegen hineinversetzen. Nicht nur, weil er einst ebenfalls bei einem spanischen Spitzenklub im Tor stand. Mit Barcas Erzrivale Real Madrid gewann der heute 52-Jährige die Champions League, den Weltpokal und die spanische Meisterschaft.

Genau wie ter Stegen musste sich Illgner zudem als Nationaltorwart den Attacken von Uli Hoeneß erwehren. "Bodo Illgner hat Probleme, hinter Raimund Aumann die Position der Nummer 2 im Nationalteam zu halten", warb der Bayern-Manager im Oktober 1990 für den damaligen Münchner Keeper.

Hoeneß lag allerdings falsch, Weltmeister Illgner blieb bis zur WM 1994 die Nummer 1 und sein härtester Konkurrent bis dahin war der heutige DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke, während Aumann ab 1991 nicht mehr nominiert wurde.

Illgner gibt Hoeneß in der Sache Recht

Aktuell hat Hoeneß in zunehmend aggressiverer Wortwahl ter Stegen für dessen Anspruch kritisiert, im Duell mit Manuel Neuer eine faire Chance auf Einsätze zu bekommen. Den scharfen Ton will Illgner nicht kommentieren, in der Sache gibt er den Bayern-Bossen aber Recht.

"Im Moment sehe ich Neuer ganz klar als Nummer 1. So schwierig das für ter Stegen persönlich ist, aber für den Erfolg der Mannschaft ist es besser, wenn man eine klare Festlegung auf einen Stammkeeper und gar keine Diskussionen hat", sagte der 54-malige Nationalspieler zu SPOX und Goal.

Dass diese Rolle für den Herausforderer unbefriedigend ist, kann Illgner nachvollziehen. "Ter Stegen hat sich bei Barca total etabliert und ist wirklich zusammen mit Messi seit Monaten der Garant für die Erfolge der Mannschaft. Er hat auch in Spanien einen sehr, sehr hohen Stellenwert", weiß der Wahl-Spanier.

Illgner kann ter Stegens Frust "zu 100 Prozent nachvollziehen"

Daher widerspricht Illgner auch Hoeneß' Vorwurf, dass ter Stegen seinen Frust nicht habe öffentlich machen dürfen: "Dass er enttäuscht ist, beim DFB nicht zum Einsatz gekommen zu sein, muss er sagen können und dürfen. Zumal man ja nicht weiß, was ihm vielleicht versprochen wurde. Deshalb kann ich seine Situation zu 100 Prozent nachvollziehen."

Ter Stegens starke Leistungen reichen nach Ansicht des ehemaligen Kölners jedoch nicht für eine Wachablösung im Tor der Nationalelf. "Manuel Neuer ist Weltmeister, hat viele tolle Spiele mit der Nationalmannschaft gezeigt und ist dort und beim FC Bayern etabliert. Noch wichtiger ist allerdings, dass er jetzt wieder seine Leistung bringt. Denn allein die früheren Verdienste sind ja nicht entscheidend, sonst würden Toni Schumacher und Sepp Maier noch immer im Tor stehen", sagte er. "So lange Neuer so stark spielt, sollte Jogi Löw ihm weiter vertrauen, denn dieses Vertrauen ist für einen Torwart ganz entscheidend."

Löw soll sich auf klare Nummer 1 festlegen

Deshalb plädiert Illgner auch für eine klare Festlegung durch den Bundestrainer auf Neuer, sonst drohten Konflikte wie bei der WM 1986, als Ersatzmann Uli Stein nach seinen beleidigenden Äußerungen gegen Teamchef Franz Beckenbauer während des Turniers nach Hause geschickt wurde. Akzeptiere ter Stegen die Rolle als Nummer 2 nicht, müsse man auf ihn verzichten.

"Entweder verhält er sich bei der Nationalmannschaft entsprechend oder es ist wirklich besser, wenn nur einer von beiden nominiert wird. Und die Nummer 2 muss dann warten, bis der andere Torhüter schwächelt, verletzt ist oder seinen Rücktritt erklärt", so Illgner.

Geht es nach Uli Hoeneß, kann das aber noch lange dauern. Von einem angeblichen Rücktritt Neuers nach der EM 2020 wollte er jedenfalls am Donnerstag nichts wissen. "Da werden sich manche noch wundern. Wenn das so weitergeht, spielt der in fünf Jahren noch - und dann hat der ter Stegen wahrscheinlich schon einen grauen Bart", sagte der Bayern-Präsident.

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