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BVB befeuert mit starker Leistung gegen PSG die Magie des Stadions: Fast so, wie's sein soll

Der BVB schlug BVB mit 2:1.

Der 2:1-Sieg in der Champions League gegen Paris Saint-Germain war eines der besten Spiele, das Borussia Dortmund unter Trainer Lucien Favre gemacht hat. Die Leistung des BVB, die weitestgehend defensivstark, konstant intensiv und geduldig bei Ballbesitz ausfiel, hat dabei die Magie des eigenen Stadions früh befeuert - das müsste eigentlich häufiger der Fall sein.

Eigentlich war ein anderes Spektakel erwartet worden. Eines, das von starken Offensivabteilungen und luftigen Defensivreihen bestimmt wird. Von Dutzenden Fehlern und hochkarätigen Torchancen. Mit der Folge, dass eben viele Treffer fallen würden, da Borussia Dortmund und Paris Saint-Germain das Toreschießen deutlich besser beherrschen als das Verteidigen.

Es überraschte jedoch nicht, dass es nicht so kam und bis zur 69. Minute dauerte, ehe überhaupt ein Tor fiel. Schließlich war das hier am Dienstagabend im Signal Iduna Park ein Champions-League-Achtelfinale. Extreme Konzentration, große Vorsicht und geringes Risiko herrschen dann meist vor, bis zum Dortmunder 1:0 sah die gesamte zweite Halbzeit so aus.

Dass die Partie dennoch zu einem Spektakel mutierte, lag diesmal an etwas Banalerem, Ursprünglicherem: der Symbiose zwischen BVB-Mannschaft und Dortmunder Publikum. Die beeindruckende Choreographie vor Spielbeginn bildete dazu den Startschuss, doch es hätte sie wohl gar nicht gebraucht, um die heiße, fast schon positiv giftige Stimmung auf Seiten der Fans zu beschwören.

BVB mit einem der besten Spiele unter Lucien Favre

Der ausverkaufte Signal Iduna Park war letztlich von der ersten Minute an genauso bereit und gallig, diese Partie gegen den vermeintlich übermächtigen Gegner zu gewinnen, wie das Team von Trainer Lucien Favre selbst. Dortmund spielte 90 Minuten, die zum besten gehörten, was die Westfalen unter dem Schweizer anboten - möglicherweise zusammen mit dem 4:0-Heimsieg gegen Atletico Madrid im Herbst 2018.

Der BVB agierte bissig gegen den Ball, verrichtete viel Laufarbeit, die Spieler halfen sich gegenseitig, die Intensität in den Aktionen blieb auf konstant hohem Niveau, man erpresste sich zahlreiche Umschaltmöglichkeiten und trug die Konter mit viel Tempo vor, während man nach Ballsicherungen auch die nötige Geduld ins Ballbesitzspiel brachte. Michael Zorc, Mats Hummels, Axel Witsel - egal, wer nach dem Spiel sprach, jeder hatte ein "sehr, sehr gutes Spiel" der Borussia gesehen.

Besonders die Aufopferungsbereitschaft, das gemeinsame Dagegenstemmen oder die unaufhörliche Gier, im Ruhrgebiet wird all dies gerne knackig im Begriff "Maloche" zusammengefasst, verhalfen der Mannschaft dazu, diese Symbiose mit dem eigenen Publikum einzugehen und die besondere Magie des Stadions zu befeuern. Es entwickelt sich dann eine Wucht, die für den Gegner nur schwer erträglich ist.

Emre Can für Dortmunds Defensivstabilität bereits sehr wichtig

Exemplarisch dafür waren zwei Szenen: Als Witsel in der 20. Minute von der Mittellinie bis zum Pariser Torwart unter Jubelstürmen des Stadions durchpresste und direkt anschließend eine ungemein lautstarke Anfeuerung der Fans folgte. Oder der Zweikampf von Emre Can gegen Neymar, der schließlich gar keiner war, da der Dortmunder Neuzugang das Sprintduell gegen den Brasilianer nicht nur gewann, sondern ihn auch mit einem lockeren Körpereinsatz aus der Bahn warf. Mit erhobenen Armen animierte Can daraufhin das Publikum, das anders als im Bundesligaalltag gewonnene Zweikämpfe durchgehend frenetisch feierte.

Ohnehin Can: Dessen Wichtigkeit für die Dortmunder Defensivstabilität ist in der kurzen Zeit seit seinem Wechsel, der ab Sommer nun in ein festes Beschäftigungsverhältnis übergehen wird, augenscheinlich geworden. Can verkörpert nicht nur die Geilheit auf direkte Duelle, er strahlt auch Selbstbewusstsein in seine eigene Stärke aus - und "er korrigiert, spricht - das ist sehr, sehr wichtig", wie Favre anmerkte.

Doch Can muss beim BVB nicht allein verteidigen. Die defensive Konzentration und Konsequenz in den Aktionen, dieses gesamtmannschaftliche Verteidigen, bekamen die Westfalen unter Favre schon in einigen Highlightspielen in der Königsklasse aufs Spielfeld. "Wir müssen gut und clever verteidigen. Wir haben mit viel Geduld verteidigt. Das war sehr wichtig heute. Die Defensive ist immer der Schlüssel", sagte Favre.

BVB-Mannschaft und -Fans: Wieso nicht häufiger so?

Selten gelingt dies seiner Mannschaft im grauen Bundesligaalltag. Nach Auftritten wie nun gegen Paris könnte man fast versucht sein, dies ausschließlich auf eine psychische Komponente zurückzuführen. Nach dem Motto: In den Hochglanzduellen geht das eben leichter von der Hand als Tage später in einem handelsüblichen Auswärtsspiel in der Liga.

Daher muss man, auch an das Dortmunder Publikum gerichtet, eigentlich fragen: Wieso nicht immer so - oder jedenfalls deutlich häufiger? Das Auftreten aller in Schwarzgelb war am Dienstagabend schließlich fast so, wie es idealerweise sein soll.

Nur "fast" deshalb, weil besonders die erste Halbzeit an das ebenfalls sehr gute Heimspiel in der Gruppenphase gegen den FC Barcelona erinnerte - starke Leistung in beide Spielfeldrichtungen, aber vor dem Kasten zu fehlerhaft, um die verdiente Führung zu erzielen. Und auch deshalb, weil Dortmund dann ja doch ein Gegentor kassierte, das durch die Arithmetik des Europapokals doppelt schmerzt.

Zorc mahnt: "Das ist noch wichtiger als heute"

Das 1:1 von Neymar zeigte nämlich, wie leicht es manchmal sein kann, einen Treffer gegen den BVB zu erzielen. Kylian Mbappe schüttelte den 17-jährigen Giovanni Reyna ab und auch der bis dahin beinahe fehlerlose, 20-jährige Dan-Axel Zagadou konnte den Angreifer nicht aufhalten - de facto eine Situation, die bei aller Klasse Mbappes recht simpel zu verteidigen gewesen wäre.

"Das ist der Maßstab, so muss es weitergehen", sagte Sportdirektor Michael Zorc dennoch zur insgesamt sehr kompakten Vorstellung gegen den Ball. "Wir haben das sehr oft eingefordert, der Trainer hat permanent versucht zu vermitteln, dass es nur so geht, wenn man kontinuierlich erfolgreich sein will."

Zorc wirkte recht nüchtern und ruhig, als er diese Worte sprach. Überbordende Zufriedenheit oder gar Genugtuung wäre auch verfrüht. Er kennt seine Pappenheimer ja schließlich. Wer kann sich schon sicher sein, welches Gesicht dieser BVB am Samstag bei Werder Bremen zeigen wird?

"Da haben wir noch etwas gutzumachen", sagte Zorc angesichts des bitteren Ausscheidens aus dem DFB-Pokal gegen den SVW. "Das ist noch wichtiger als heute." Und damit hat er Recht.

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