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Fussball

Ein Konzept macht noch kein Team

Manchester United muss nach überstandenem Winter in der Europa League ran
© getty

Während der VfL Wolfsburg den Einzug ins Achtelfinale feiert, tritt Manchester United den Gang in die Europa League an. Louis van Gaal steht in der Kritik, sein Team hat noch einen weiten Weg vor sich.

Ganz kurz, aber auch wirklich nur ganz kurz, hätte alles gut gehen können für die Red Devils am Dienstagabend. Joshua Guilavogui hatte in das eigene Tor getroffen, in Eindhoven war zu dem Zeitpunkt noch alles offen. Ganz kurz hätte alles doch noch klappen können mit dem Achtelfinale.

Zwei Minuten später strahlte jedoch das breite Grinsen von Naldo durch die VW-Arena, Eindhoven erzielte gegen ZSKA Moskau die Führung. Aus und vorbei war es mit dem Traum Achtelfinale, innerhalb von wenigen Sekunden wurde aus dem Überwintern in der Königsklasse das Überwintern in der ungeliebten Europa League.

Immerhin international, könnte man meinen, würde es nicht um Manchester United gehen. Die Ansprüche sind andere, wie die zahlreichen englischen Expertenrunden direkt im Anschluss an die Partie untermauerten. "Ich denke, er steht jetzt unter enormen Druck", erklärte Michael Owen die Situation von Trainer Louis van Gaal und war damit der erste in einer Riege von Ex-United-Spielern.

"Ohne Gefahr und ohne Qualität"

Rio Ferdinand fasste die Gedanken vieler Fans zusammen: "Man sieht die Gruppe und meint, United würde locker durchmarschieren." Paul Scholes meinte sogar, ein "Durchschnittsteam" gesehen zu haben. Was die Altgedienten dabei übersahen, ist die einfache Tatsache, dass sie selbst nicht mehr auf dem Platz stehen.

Gegen Wolfsburg schickte van Gaal ein letztes Aufgebot hinaus auf das Grün. Guillermo Valera feierte sein Startelfdebüt, Danny Blind verteidigte als Notnagel zentral, später kam mit Cameron Borthwick-Jackson ein 18-Jähriger in die Partie. Eine gute Ausrede könnte das sein, würde ManUnited in dieser Saison nicht auch mit Spielern wie Wayne Rooney, Ashley Young oder Morgan Schneiderlin enttäuschen.

Die Kritik am Team des niederländischen Trainers hält sich beständig. Unspektakulär, langweilig und statisch sei das Spiel seiner Mannschaft, geht man mit Scholes, sind die Autritte gar "ohne Druck, ohne Gefahr und ohne Qualität". Zweifelsohne hat van Gaal eine Idee abgeliefert - scheitert aber momentan noch an der Umsetzung.

Wo ist das Profil?

Lange Zeit als sturer Verfechter von ballbesitzorientiertem Fußball verschrien, stellte er spätestens bei der WM 2014 mit Oranje unter Beweis, auch mit reagierendem Fußball zurecht zu kommen und dazu in der Lage zu sein, seine eigenen Werte im Sinne der Spieler und seiner Mannschaftszusammenstellung über den Haufen zu werfen. Oder zumindest anzupassen.

Das hat er auch in Manchester getan. Doch die Idee, die er auf den Tisch gelegt hat, ist noch weiter gereift. Noch geht United das Leben ab, diese Idee, diese leere Form auszufüllen, mit Persönlichkeiten, Individualität und den jeweiligen Qualitäten.

Das sah auf der Seite der Gegner ganz anders aus. Wolfsburg ist in den letzten Monaten gewachsen an Herausforderungen, Erfolgen, Schicksalsschlägen und Misserfolgen. Gegen United wurde das deutlich wie lange nicht mehr. Verschiedenste Spielertypen bringen bei den Wölfen ihre Charakteristika mit, um aus den Vorgaben von Hecking letztlich eines der 16 besten Teams Europas zu formen.

Zwischen Naldo und Schweinsteiger

Da wäre Diego Benaglio, der mehrfach mit starken Paraden zur Stelle war. Da wären Christian Träsch und Marcel Schäfer, die als fleißige Arbeiter Gewehr bei Fuß stehen, wenn sie gebraucht werden. Mit Maxi Arnold und Julian Draxler gibt es zwei junge, freche Spieler, mit Andre Schürrle und Vieirinha auf beiden Flügeln erfahrenere Akteure.

Neben Champions-League-Sieger Dante war es einmal mehr Naldo, der sein Team in den entscheidenden Spielen und Momenten auf ein anderes Level hob, der Brasilianer war gleich zweimal zur Stelle, um entscheidende Tore zu erzielen. Wolfsburg hat Profil bekommen und innerhalb einer klaren Spielanlage verschiedene Möglichkeiten erarbeitet.

Mal verteidigt Träsch, mal verteidigt Vieirinha. Mal stürmt Dost, mal stürmt Kruse. Mal arbeitet Luiz Gustavo, mal dribbelt Arnold. Dieter Hecking kann inzwischen mehrere Optionen ausschöpfen und sich flexibel auf Gegner einstellen.

Druck auf jungen Schultern

Davon ist Manchester United weit, weit entfernt. Angesichts der zahlreichen Verletzungen und des anhaltenden Umbaus wählt man von außen mit der Kritik an van Gaal aber schlicht den einfachsten Weg. Der Niederländer ist noch dabei, seiner Mannschaft ein Gesicht zu verpassen - das sich schließlich nicht an einer CL-Achtelfinalteilnahme messen lassen wird, sondern an den Jahren, die noch kommen sollen.

Die Spieler, die gegen Wolfsburg hätten aufstehen können, auf denen die Hoffnungen der Fans liegen, sind an einer Hand abzuzählen. David de Gea wäre so ein Mann, Bastian Schweinsteiger wäre es. Während der Spanier zumindest hielt, was es zu halten gab, fand der Deutsche nur schwer in die Partie.

Juan Mata kämpft derzeit mit seiner eigenen Rolle - als nächstes in der Reihe folgen mit Memphis Depay und Anthony Martial schon ein 21- und ein 20-Jähriger. Herausragende Fußballer, das ohne Frage, aber keine Spieler, von denen in einem derartigen Entscheidungsspiel die Entscheidung verlangt werden darf. Erhofft ja, aber nicht verlangt.

"18 Monate unter den Erwartungen"

Die Frage wird letztlich aber sein, was sich die Führung von United vorgestellt hat. Van Gaal hat das zweite Jahr hintereinander nicht das abgeliefert, was Sir Alex Ferguson in Manchester als selbstverständlich etabliert hat. Aber sehen sie den langfristigen Weg von van Gaal und hat der Niederländer seine Ideen und Wege ausreichend belegt?

Woran misst sich Fortschritt in diesem Stadium, in dem sich ManUnited derzeit befindet? "Ich sehe nicht nur dieses eine Spiel, ich sehe auf die 18 Monate, die van Gaal im Amt ist", fasste Owen die allgemeine Haltung zusammen: "Das sind 18 Monate weit unter den Erwartungen bei all diesem Geld im Spiel."

Es werden wohl noch ein paar mehr Monate werden, denn van Gaal wird seinen Weg weitergehen. Ob dieser noch in dieser Saison von Erfolg gekennzeichnet werden wird, wird sich zeigen. Wahrscheinlich scheint aber angesichts der Anlagen vieler Spieler zumindest der langfristige Weg nach oben. Ob mit oder ohne den General am Seitenrand.

VfL Wolfsburg - Manchester United: Die Statistik zum Spiel

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