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Fussball

Im Stile eines Champions

Neymar (r.) und Luis Suarez schossen Barca in Paris Richtung Halbfinale
© getty

In den Viertelfinal-Hinspielen bekleckert sich keiner der Favoriten mit Ruhm, nur der FC Barcelona untermauert mit seiner abgezockten Vorstellung gegen PSG seine Titelambitionen. Ein Phantom wird zum Matchwinner. Der Coach spricht nach dem 3:1 im Prinzenpark von einer "sehr kompletten Vorstellung", warnt aber dennoch.

Es war die 82. Minute im Prinzenpark, die Luis Enrique vom absoluten Frohsinn abhielt. Dieser Schuss von Gregory van der Wiel, der, unhaltbar abgefälscht von Jeremy Mathieu, dann doch noch den Weg in die Maschen des Barcelona-Kastens fand. "Ich hätte es bevorzugt", sagte der Barca-Coach nach der Partie, "wenn sie nicht mehr getroffen hätten". Schließlich wäre das 3:0 "ein perfektes Ergebnis" gewesen.

Es muss gut gelaufen sein, wenn das der größte Grund zur Sorge nach einem Fußballspiel ist. Der 44-Jährige muss sich also mit einem 3:1-Auswärtssieg begnügen, nach dem die Katalanen nicht nur mit einem Bein unter den besten vier Mannschaften Europas stehen.

Der Triumph im Prinzenpark war weder ein Kantersieg, noch ein fußballerischer Leckerbissen. Dennoch unterstrich der unglaublich abgezockte und souveräne Auftritt die Titelambitionen der Blaugrana. Real und Atletico quälten sich in einer unschönen Schlacht zu einem torlosen Remis, Juve siegte nur dank eines Elfers gegen Monaco und die Bayern mussten in der Drachenhölle von Porto gar eine Pleite einstecken. Nur der FC Barcelona wusste zu überzeugen.

"Eine sehr komplette Vorstellung"

Und zwar so sehr, dass Enrique - sein Mini-Tief ob des Gegentors hatte Barcas Spielleiter relativ schnell überwunden - richtig ins Schwärmen geriet bei der Aufarbeitung der vergangenen 90 Minuten. Ein "spektakuläres Spiel" hätten seine Mannen gezeigt, sowohl in Offensive, als auch in der Abwehr. "Wir waren uns zu jeder Phase des Spiels bewusst, was wir zu tun haben."

Die Suarez-Show im Prinzenpark im RE-LIVE

Über 65 Prozent Ballbesitz auf gegnerischem Platz, eine Passquote von über 90 Prozent, doppelt so viele Zuspiele wie der Gegner (777 zu 390 Pässe) und 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe unterstreichen die Ausführungen des Trainers.

"Wir waren nach vorne gefährlich, in der Defensive sicher", resümierte der Coach. "Alles in allem war es eine sehr komplette Vorstellung."

El Tridente wird wieder zum Matchwinner

Eine komplette Vorstellung auch, weil die Katalanen mit dem magischen Dreieck El Tridente, bestehend aus Lionel Messi, Neymar und Matchwinner Luis Suarez, nicht nur den wohl besten Dreiersturm Europas haben - sondern damit auch eine Allzweckwaffe für den Fall, dass es bei der Blaugrana aus dem Spiel heraus etwas hakt. Wie gegen PSG.

"Die Angreifer haben die Freiheit, das zu tun, was sie für am besten halten", erklärte Enrique nach einem Spiel, in dem eine Co-Produktion von Messi und Neymar die Führung brachte. "Sie sind intelligent."

Für die Entscheidung sorgte schließlich Suarez mit zwei unwiderstehlichen Einzelaktionen. "Top-Tore", bescheinigte ihm Nebenmann Neymar. "Tore, wie sie nur ein Mittelstürmer schießen kann", kommentierte Enrique die Treffer, einen sehenswerten Sololauf gegen drei Pariser und kurz vor Schluss einen brachialen Abschluss in den Winkel.

"Wir haben das intelligent gespielt und hart gearbeitet", wollte der Matchwinner, der bis zu seinen Treffern eine unterirdische Partie bot und zur Pause sogar fünf Mal weniger am Ball war als der eigene Keeper, die Mannschaft in den Vordergrund heben. "Wir waren clever und fokussiert. Wenn wir nicht mit dieser Intensität gespielt hätten", befand der Uruguayer, "wäre es nicht so deutlich geworden".

"Es ist noch nicht vorbei"

So ist Barca seit sieben Spielen in der Königsklasse ungeschlagen. Und brachte den Parisern, die jetzt vor einer Mammutaufgabe stehen, die erste internationale Heimpleite seit 33 Partien bei.

Das Ticket nach Nyon, wo am 24. April die Halbfinal-Partien ausgelost werden, will man im Lager der Spanier aber noch nicht buchen. "Im Fußball hat es schon alles gegeben", warnte Enrique. "Unser Ziel ist es, das Rückspiel zu gewinnen und so gar nicht in Probleme zu kommen."

Schließlich kehren im Camp Nou unter anderem die gesperrten Marco Verratti und Zlatan Ibrahimovic ins Team von Laurent Blanc zurück. "Ich bin mir sicher, dass es ein schwieriges Match wird." Für den neutralen Zuschauer klingt das aber eher nach obligatorischen Phrasen aus Respekt dem Gegner gegenüber. Denn ein 3:0 in Barcelona, das mit der Souveränität eines Champions auftritt - das klingt eher nach Fußballmärchen, als nach einem realistischen Szenario.

"Wir sollten nicht in die Falle tappen und denken, dass es schon vorbei wäre", schob Enrique dennoch hinterher. Und bestand trotz aller Vorzeichen darauf: "Denn das ist es nicht."

Paris Saint-Germain - FC Barcelona: Die Statistik zum Spiel

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